{4} Stille braucht einen Zeitpunkt

Mir ist immer noch der frühe Morgen am liebsten. Aber das hat etwas mit der inneren Uhr, der Veranlagung, der persönlichen Vorliebe zu tun. Diese Unberührtheit des Tages, dieser Raum zwischen Tag und Nacht, dieses erholt sein, präsent sein. Für mich der schönste, stimmigste, leichteste Zeitpunkt um nicht nur äußerlich die Stille zu genießen, sondern auch innerlich still zu werden. Weil es da bei mir nicht das „werden“ braucht. Denn der Schlaf liegt noch nicht weit zurück und es ist noch nichts passiert zwischen dem stillen Schlaf und der Stille am Morgen. Allerdings neige auch ich dazu immer wieder den Tag weit in die Nacht hinauszudehnen und bin am Morgen zu müde um aufzustehen. Ich würde einschlafen in der Stille des Morgens.

Sich zu überlegen, den Tag zu reflektieren, die Familiensituation überdenken und zu planen: „Wann kann ich Stille einplanen?“ Unsere Tage werden diesen Zeitpunkt nicht von selbst hergeben, wir dürfen ihn uns nehmen, diesen Zeitpunkt. Denn selbst wenn gerade nichts zu erledigen wäre, ist unsere Hand fast schon ritualisiert mit dem Smartphone verknüpft und wir bewegen uns in den Netzwerken, verschicken Nachrichten, bearbeiten Fotos und fragen uns dann: Wo ist die Zeit geblieben? Sie bleibt nicht, wenn wir sie uns nicht nehmen. Wenn wir nicht inne halten und nachspüren wie lang so eine Minute doch sein kann, wenn wir durch nichts abgelenkt sind und wie wohltuend eine Minute sein kann, wenn wir durch nichts abgelenkt sind.

Gestern Abend (Sonntag) kam mein Mann zwischen zwei Terminen nach Hause und brachte unsere Mädels ins Bett. Und ich machte mich auf zu einem 15 minütigen Abendspaziergang in der Dämmerung. Das war so schön. Natürlich war die Spülmachine nicht eingeräumt, die Brotdosen für heute noch nicht bereit gestellt, nur die Butter hat es noch schnell in den Kühlschrank geschafft. Aufräumen kann ich auch noch, wenn es draußen dunkel ist. Spazierengehen nicht mehr. Und so nahm ich (das letzte Mal alleine spazieren war ich beim Bloggerevent Netzleuchten im November 2018) ich mir diese Auszeit. Sie hätte sich mir nicht angeboten, weil Arbeit und Aktivitäten so viel lauter sind als die Einladung in die Stille. Der Tag war nicht schlimm gewesen, ich hatte nichts was mich verunsichert hatte oder was unangenehm gewesen wäre. Aber hinter mir lag ein intensiver Gottesdienst mit einer herausfordernden Predigt, ein Bibeltext, der mir immer wieder ins Bewusstsein kam, ein langes Gespräch mit Freunden bei dem wir darüber redeten wie Liebe und Wahrheit zusammengehören und was das im echten Leben bedeutet… Und ich genoss die Stille (nur vom Vogelgezitscher begleitet). In meiner Seele sortierten sich unbewusst die Dinge, manch ein Gedanke wurde zum Gebet, andere kamen und gingen. Die Stille am Abend in Form eines Spazierganges hat auch etwas, passt aber gerade nicht als regelmäßiger Zeitpunkt für die Stille in meinen Alltag.

Stille ist kein weiterer Termin, der Druck machen soll, erledigt zu werden, ist kein weiterer Punkt auf der to-do-Liste. Stille ist eine Einladung mich auszuklinken und zu spüren, die Welt dreht sich auch ohne meinen Aktionismus weiter, ich verliere nicht an Wert, wenn ich mir Zeit nehme und nicht dauernd beschäftigt bin. Ich schenke meiner Seele eine Auszeit an Reizen und eine Begegnung mit dem Unsichtbaren. Denn in der Stille geschieht etwas, was ich danach in keiner Austauschrunde zum besten geben kann. Aber in der Stille passiert die Stille und dieser Zeitpunkt tut meiner Seele gut.

Welchen Zeitpunkt kannst du dir für die Stille aus deinem Alltag herausnehmen?

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Hoffnungsträger

Die Sonne scheint, wir essen Eis, die Kinder lachen während sie auf dem Trampolin hüpfen. Der junge Mann macht eine Pause, legt sich ins Gras, blickt in den Himmel mit Armen, die hinter dem Kopf verschränkt sind. Ich wundere mich immer wieder über sein Lachen, seine lustige Art, dass er unbeschwert wirkt. Denn so vieles hat er schon mitmachen müssen! Die Gewalt des Vaters, den Krieg in Syrien, die Flucht aus der Heimat in ein fremdes Land, die Unsicherheit als sie ihre Füße auf deutschen Boden setzen und der Vater in der Nacht einfach verschwindet, die Mutter allein lässt, gerade angekommen, der deutschen Sprache nicht mächtig, nachts an einem Bahnhof. Flüchtlingsheim, anderes Schulsystem, fremde Sprache, fremde Kinder, fremde Kultur. Wie viel kann eine Kinderseele tragen, wie viel aushalten, wie viel verarbeiten? Seine Mutter sitzt in einem Seminar, mit leuchtenden Augen kommt sie danach auf mich zu, umarmt mich: „Es tut so gut hier zu sein.“ Sie kann in ihrer Sprache über Glauben und Religion, Hoffnung und Vergebung, Schmerz und Verletzungen reden. Sie ist Mutter von drei Kindern und als ich das erste Mal ihre Geschichte gehört habe, überlegte ich: Wie viel kann eine Seele tragen, wie viel aushalten, wie viel verarbeiten? Diese Frau aus Syrien, die ihre Kinder so liebt, die verzweifelt und kämpft, die um Siege ringt und unter ihrem Versagen leidet, die mit einer geringen Schulbildung dieses Land betritt, sich die deutsch Sprache überwiegend selber beibringt, ihre Kinder ermutigt, jetzt ihren Führerschein macht, sie, sie ist mir Vorbild, sie ist Hoffnungsträgerin, Freundin und einfach eine fasziniernde Frau. Ich bin so dankbar für den Nachmittag mit ihnen, für ihre Geschichte, die sie mit uns teilen und die Hoffnung, die darin sichtbar ist…

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Bücher, Post und wache Nächte

Es ist nichts Neues, dass ich gerne die Geschichten und Gedanken anderer höre, dass ich dadurch dazu lerne, sich mein Horizont erweitert, meine Seele Dinge spürt, die ein anderer dann wundervoll in Worte fasst. Deshalb liebe ich Bücher, das Zuhören in einem geschützten Raum in dem nicht gleich eine Reaktion erwartet wird, sondern ich wirken lassen kann, Gedanken nachspüren… Und ich bin so dankbar, dass in der letzten Woche vier neue Bücher mit den geschriebenen Gedanken und Erfahrungen mein Haus betreten und bei mir eingezogen sind. Alle verbindet, dass sie nicht neu sind, sondern, dass ich die wunderbare Welt des Internet so nutze, dass ich die Möglichkeit habe zu schauen wer sein Buch nicht mehr braucht und es günstig verkauft. Ich weiß natürlich nicht wie Autoren das finden, aber ich könnte mein Hobby nicht in dem Ausmaß leben, wenn es keine gebrauchten Bücher gäbe. Und zwei der Bücher sind im Verlag gar nicht mehr erhältlich, sind vergriffen und keine Neuauflage geplant. Und wahrscheinlich denken viele: „Wann liest sie die denn alle?“ Mein größter Vorteil ist sicher, dass ich keinen Fernseher habe, es Netflix und andere Anbieter von Serien und Filme nicht in unser Zuhause geschafft haben. Trotzdem lese ich täglich nicht mehrere Stunden, sondern habe für mich eine Leseroutine ausgefeilt, die nur minimale Weichen stellt, aber über den langen Zeitraum ich mehr Bücher gelesen habe als ohne diese Gewohnheiten. Und ich ärgere mich nicht mehr, wenn ich nachts nicht schlafen kann, was relativ häufig vorkommt (und das schon seit ich denken kann), sondern nehme mir ein Buch, meine Leselampe und lese bis ich wieder schläfrig werde. Ich bin dankbar für begabte und weise Menschen, die ihre Gedanken nicht für sich behalten, dankbar, dass ich lesen kann, dankbar, dass es gebrauchte Bücher gibt und die Post, die sie bei mir vorbei bringt!

„Verloren unter 100 Freunden – Wie wir in der digitalen Welt seelisch verkümmern“ von Sherry Turkle

„Sabbat im Cafe – Warum jüdische Rituale mein Leben bereichern“ von Lauren F. Winner

„Die Sprache der Seele verstehen – Die Wüstenväter als Therapeuten“ von Daniel Hell

„Frauen und ihre Bücher – Das Glück zu lesen“ von Johannes Thiele

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Blumengruß

Wenn ich daran denke, dann bekommt nicht nur das Geburtstagskind sein Geschenk, sondern die Mama auch einen Blumengruß. So wie gestern: der Sohn wird sechs Jahre. Wir sind eingeladen und feiern ihn mit Muffins und Smarties mit Luftballons und Geschenken. Er soll sich geliebt und willkommen fühlen, wertgeschätzt und besonders. Und seine Mama auch. Die in den Nächten wach war als er klein war und in der Nacht aufsteht, wenn er nach ihr ruft. Die weiß, was er am liebsten isst und worauf er schon allergisch reagiert hat. Die spürt, wenn es Zeit ist ins Bett zu gehen und die Liste kennt mit all den Dingen, die er sich zum Geburtstag wünscht. Die mittlerweile ziemlich viel über Fußball weiß, obwohl es nicht ihre Lieblingssportart ist, es reicht, dass ihre Söhne sich dafür interessieren. Die man nach Kleidergöße und Schuhgröße im Schlaf fragen kann und sie auch weiß, welches Shirt er am liebsten im Moment trägt. Die sich überlegt was aus ihm einmal wird und welche Weichen sie stellen könnte, damit er einen starken Charakter entwickelt, lernt sich zu behaupten und gleichzeitig Rücksicht zu nehmen. Ich versuche an einen Blumengruß für die Mamas zu denken. Weil wir lieben und mitleiden, weil wir uns hinterfragen und versagen, weil wir uns sorgen und uns mitfreuen, weil wir Gefahren sehen und Chancen vermuten, Potential wahrnehmen und Gaben entdecken, weil wir Rückenstärkerinnen sind und Begleiterinnen und natürlich Fahrerinnen, Bodyguards, Fachfrau für Oberflächen (früher Putzfrauen) und Köchinnen. Heute bin ich dankbar für meine Freundinnen, für andere Mamas mit denen ich im Austausch bin, denn hin und wieder brauche ich einen Rat oder eine Ermutigung…

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Post ist da!

Heute habe ich mich so über Post gefreut. Ich sammle ja meine Dankesmomente in meinem Alltag und liebe diese Gewohnheit. Und ich wechsle immer wieder die Form wie ich sie sammle. Auf meinem Blog bin ich ja tatsächlich im Moment eher sporadisch unterwegs was gar keinen bestimmten Grund hat und wenn ich hier gerade wieder in die Tasten haue, dann nehme ich mir vor es wieder öfter zu tun, weil es Freude macht. Ich habe zum Sammeln von Dankesmomenten lange auch Seiten eines Notizbuches in Form von Listen gefüllt. Aber da fehlte mir manchmal so das ausformulieren des Momentes. Es war eben eine Liste. Ich hebe das Buch natürlich auf, weil vielleicht bietet sich irgendwann wieder einmal an, dass ich einfach Lust habe die Liste mit Nummern weiterzuführen und all die Dankesmomente mit Zahlen zu versehen. Aber in den letzten Monaten landen meine Dankesmomente einfach auf den Seiten meines Gedankenbuches (Tagebuches). Zwischen all den Fragen und Reflexionen blitzen immer wieder die Dankesmomente hervor. Jetzt hat mir mein lieber Ehemann einen Stempel dazu entworfen und drucken lassen. (Heißt das auch drucken lassen, wenn man einen Stempel in Auftrag gibt?) Ist das nicht total lieb?! Er ist bis Sonntag gar nicht da, aber heute kam die Post und ich sammle meine Dankesmomente zukünftig unter diesem wunderschönen Stempel. Ich freu mich so darüber. Heute bin ich dankbar für meine über viereinhalb Jahre etablierte Gewohnheit Dankesmomente schriftlich festzuhalten und über meinen Mann, der mich darin unterstützt… Ich freu mich so über diesen Stempel!!!

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verlorenes Zeitgefühl

Parkplatz suchen, Auto abstellen, zur Haustür, klingeln, Treppe hoch. Unzählige Male schon an jenem Vormittag. Mein letzter Einsatz für heute. Ich betrete die Wohnung, etwas ist anders. Ich gehe ins Zimmer des Patienten, seine Frau folgt mir. Unsicher wandert mein Blick in ihre Richtung, schätzt sie die Situation so ein wie ich, dass sich ihr Mann in der letzten Phase seines Lebens befindet? Sie ahnt es, geht zu ihm, redet leise mit ihm – von längst vergangenen Zeiten, von den gemeinsamen Kindern. Ihre Stimme ist weich, voller Liebe. Immer wieder bewegt sich seine Hand, nestelt über die Bettdecke, nicht mehr ganz bei Bewusstsein, aber immer noch suchend. Er findet Halt, denn die Hand seiner Frau ist bereit die seine in ihrer zu halten, sie hält sie fest und sie hält ihn fest. Mein Einsatz verlängert sich, aber gibt es im Angesicht des Todes ein Zeitgefühl. Meines scheint verloren zu gehen. Wir betten ihn, schauen, dass er weich liegt, polstern alles. Meine eigentliche Aufgabe kann ich nicht mehr zur vollen Zufriedenheit ausführen, der Körper konzentriert sich nur noch auf die wichtigsten Organe. Ein Mann, der aus dem Leben scheidet. Der diese Welt verlässt, seine letzte Reise angetreten ist und seine Frau, die die letzten Schritte versucht mitzugehen. Nicht der Alltag hat ihre Liebe zum Erliegen gebracht, nicht die Enttäuschung darüber im anderen nicht das Glück gefunden zu haben, nein, es ist der Tod, der sie trennen wird. So wie sie es sich vor vielen Jahren versprochen haben – bis dass der Tod euch scheidet. Vor mir liegt ein Mann in seiner ganzen Schwachheit, vom hohen Alter und Krankheit gezeichnet. Sie sieht viel mehr, erinnert sich, kennt ihn, schätzt ihn, liebt ihn. Ich habe in meiner Laufbahn als Krankenschwester schon so manchen Menschen von dieser Erde gehen sehen. Aber hier ist etwas besonders, weil die Liebe noch so spürbar ist, diese Aufrichtigkeit. Ich bin tief bewegt. In Diskussionen über die Ewigkeit oder ob es ein Leben nach dem Tod gibt bin ich schon lange nur noch Zuhörerin. Zu stolz wirken manchmal die Argumente, dass der Glaube doch nur ein billiger Trost ist, dass das alles rational nicht zu erklären ist, es keine Beweise gibt. Ob nun als billig betitelt oder nicht, für mich ist der Blick auf die Ewigkeit immer Trost – vor allem in solchen Momenten. Wer schon einmal einen Sterbenden gesehen hat, der argumentiert nicht ausschließlich mit rational stichhaltigen Argumenten und wer Beweise braucht, der ist beim Glauben sowieso falsch. Gott beweist sich nicht. Ich gehe, wir verabschieden uns. Der Hausarzt wird noch vorbei kommen, die erwachsenen Kinder sind auf dem Weg. Ich gehe zurück in meinen Alltag, nachdenklich, bedrückt, traurig und demütig. Denn es wird mir wieder einmal bewusst, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die sich weder erklären noch kontrollieren lassen. Dort bewegt sich die aufrichtige Liebe, das Mitgefühl, die Sehnsucht… „Gott wird alle ihre Tränen abwischen, und es wird keinen Tod und keine Trauer und kein Weinen und keinen Schmerz mehr geben. Denn die erste Welt mit ihrem ganzen Unheil ist für immer vergangen.“Offenbarung 21,4 Ich bin so dankbar für diesen Trost und diese Hoffnung und im alltäglichen Einerlei den Blick auf die Ewigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.

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{3} Stille ist Nährboden

Es ist interessant zu beobachten welche Gedanken die ersten sind zu Beginn eines Tages. Ist es die Sorge vor den bevorstehenden Aufgaben, ist es die Vorfreude auf ein Ereignis, ist es der Ärger über etwas Unausgesprochenes, ist es die Mutlosigkeit beim Hören der Nachrichten?

Stille wird gefüllt durch unsere Gedanken und Gefühle, durch die ersten Informationen, die mir das Radio, der Fernseher oder das Handy mit in den Tag geben. Und diese Gedanken, Gefühle und Informationen wachsen. Sie sind der Samen, der zu Beginn des Tages gesät wird. Dann, wenn die Seele noch ganz feinfühlig und sensibel ist.

Als ich meine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht habe war einer meiner ersten Anschaffungen ein Fernseher. Die Stille am Morgen, wenn ich aufstand, am Nachmittag, wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, am Abend, wenn ich alleine in meinem Zimmer saß, schien unerträglich zu sein. Und so lud ich Fremde in mein Zimmer ein. Stimmen, die mir schon morgens erzählten, was sich nachts ereignet hat, während ich schlief. Serien, die mir erzählten, wie Beziehungen gelebt werden können, Filme, die immer nur den Anfang einer Liebesgeschichte erzählen und nie vom tagtäglichen Einerlei. Sie prägten, hinterließen ihre Spuren in Form von Gefühlen und Gedanken in meinem Leben. Erst nach einiger Zeit fiel mir auf, dass ich diesen Stimmen sofort Gehör schenkte, wenn sich die Stille um und in mir ausbreitete.

Ich entschied mich auf der Reise mit Jesus, dass seine Worte der Samen des Tages sein sollen. Ich will seinen Worten Gehör schenken. Sie sollen in mir wachsen. Stille ist der Nährboden für Gottes Wort. Ich wünsche mir, dass seine Hoffnung in meinem Herzen Wurzeln schlägt, auch wenn vieles so unverständlich ist. An seinen Frieden will ich denken, wenn ich mich von jemandem verletzt fühle. Ich wünsche mir, dass seine Liebe in meinem Leben Früchte trägt, auch dann, wenn mir jemand unsympathisch erscheint oder wir gegensätzlicher Meinung sind. Vergebung leben, barmherzig sein, nicht als altes Wort, sondern als gelebte Wahrheit. Ich brauche die Stille, diese ersten Worte in die Stille hinein. Noch bevor mein innerer Kritiker zu Wort kommt, mein Handy mir Informationen liefert, die mich unruhig machen. Noch bevor meine to-do-Liste mit mir redet oder die Aufgaben erwartungsvoll ihre Augen auf mich richten. Sie werden alle heute noch wahrgenommen werden, aber erst dann, wenn guter Samen gesät ist, der hoffentlich wächst und gedeiht im Angesicht des Tages und unter den erschwerten Bedingungen des Lebens.

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erqicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens Willen. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereites vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Psalm 23

In der Stille philosophiere und diskutiere ich nicht. Es erschließt sich mir nicht jedes Wort und mein Leben spricht oft eine andere Sprache. Aber in der Stille halte ich meine Seele Gott hin und wünsche mir, dass sein Worte tiefe Wurzeln in meinem Herzen schlagen. Stille ist Nährboden für Gottes Worte, Werte und Weisungen.

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Gebet, Mutterliebe, Waschmaschine

Gerade wollte ich im Bett meine Dankesmomente aufschreiben und dachte: heute teile ich sie mal wieder mit euch. Ich bin dankbar für…

… einen wunderschöne Gebetsspaziergang mit meiner Freundin. Sie hatte heute enorm viel zu tun und hat aber diesen Termin nicht abgesagt. Und mir geht es nach solchen Gebeten immer um so vieles besser in meinem Kopf. Es ist ein echtes Abladen von noch ungelebten Ideen, Sorgen und Bedenken, innerer Unruhe und ein sich erinnern an Hoffnung und Gottes Wirken in dieser Welt.

… als ich meine eine Tochter in einem Anfall von Mutterliebe fest an mich drücke und ihr sage wie lieb ich sie habe, grinst sie mich an und sagt: „Weiß ich doch.“ So schön, dass sie das nicht in Frage stellt.

… nach einer kurzen Teamsitzung auf der Arbeit danke ich Gott für meine Kolleginnen und meine zwei tollen Chefinnen. Mir fällt das regelmäßige Arbeiten immer noch schwer, aber diese Frauen manchen es mir durch ihre Art leichter. Ein echtes Geschenk für mich!

… meine Waschmaschine habe ich heute einer Grundreinigung unterzogen und bin wieder einmal so dankbar für die Arbeit, die sie fast täglich leistet, für Waschmittel und immer verfügbares Wasser. Es fühlt sich meistens nicht so an, aber ich bin so unglaublich reich!

… bevor ich gerade ins Bett gehen wollte, habe ich das Bett von meinem Mann und mir frisch bezogen. (Ich kann Betten beziehen nicht ausstehen und schiebe es so lange raus, bis ich dann ins Bett will. Und dann bin ich von mir genervt, weil ich es den ganzen Tag hätte machen können und es abends viel länger dauert, weil ich schon so müde bin.) Aber ich habe das Fenster geöffnet und während ich die Knöpfe der Bettdecke schließe, streift mich ein frischer Windhauch Abendluft. Schön!!!

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Überraschung

Eigentlich wollte ich heute von etwas ganz anderem schreiben. Aber als ich heute nach Hause kam von der Arbeit da erwartete mich ein Paket. Ohne Anschrift und Absender stand es in meinem Wohnzimmer. Zur Erklärung warum ich mich so über dieses Paket gefreut habe ist zum einen, dass ich wieder einmal Großzügigkeit erfahren durfte und dass ich die Marke DocMartens liebe. Diese Liebe geht schon über Jahre: Ich habe in  DocMartens geheiratet, ich arbeite in der ambulanten Pflege in DocMartens und viele Vorträge halte ich in diesen Schuhen. Die einen sind weiß, die anderen schwarz mit eingestanzten Blumenmuster, die nächsten lackschwarz. Und heute sind wieder ein paar neue DocMartens bei mir eingezogen. Nicht, weil ich sie bestellt habe, sondern, weil mich eine Blog-Leserin und Seminarbesucherin in meinen Schuhen gesehen hat und mir ein paar heute zukommen ließ. Wie und warum weiß ich nicht, aber ich freue mich riesig.

Und weil ich keine Adresse von dir habe und dir nicht persönlich schreiben kann, bedanke ich mich auf diesem Weg für diese tollen Schuhe, die passen und deine lieben Worte auf der Karte. Das war heute definitiv der schönste und intensivste Dankesmoment!!!! Vielen Dank!!!!

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vom Mamasein im Alter

Ich stehe im Esszimmer der alten Frau, die ich in meiner Spätschicht mit betreue. Sie erzählt wie schwer ihr das alt werden fällt, wie seltsam es sich anfühlt, wenn man im Kopf noch alles denken kann, aber der Schwindel einen daran hindert ungehindert durch die Tür zu gehen. Wie eingeschränkt man wird. Das Holz holen ihr ihre erwachsenen Kinder, genauso wie jeder Arzttermin erst durch den Kalender der Kinder muss, weil sie dort gar nicht mehr alleine hinkommt, weil sie vergisst was sie zu tun hat, wenn sie die Praxis verlässt. „Alt werden ist nicht schön.“ Immer und immer wieder höre ich diesen Satz aus ihrem Mund. „Man wird zur Last für andere,“ das ist ihre feste Meinung. Sie hat nicht damit gerechnet so alt zu werden. Nein, ganz und gar nicht. Ihre Tochter steht mit im Raum, räumt etwas auf, scheint beschäftigt. Doch dann löst sie sich von ihrer Tätigkeit, breitet weit die Arme aus und drückt ihre Mama an sich, bevor sie ihr in die Augen schaut. „Ich verstehe dich ja“, sagt sie, leise, vorsichtig. „Ich glaube, dass das alles nicht einfach ist und dir schwer fällt. Aber, wenn du nicht mehr bist werde ich dich so vermissen. Du bleibst doch meine Mama und nichts ist für mich Last.“ Ich brauche euch nicht zu erzählen, dass ich emotional ziemlich getroffen bin von dieser wunderschönen Mama-Tochter Beziehung. Die nicht immer leicht ist, die Herausforderungen mit sich bringt, aber nicht zur Last wird. Ich schätze die beiden so.

In meinem Seminar erlebe ich immer wieder Mamas, die sehr unsicher sind, weil sie Zuhause beleiben – stay-at-home-moms, sagen die Amerikaner dazu und auch die, die einen Beruf ausüben und kleine Kinder haben.  Ist es nicht interessant, dass Frauen jahrelang dafür gekämpft haben selbstbestimmt zu sein und das bedeutete damals, auch berufstätig zu sein. Und heute kommen Frauen in den Minderwert, wenn sie nicht berufstätig sind. Der Pegel scheint auf der anderen Seite hochzuschwingen. Ich war 10 Jahre ausschließlich Zuhause. Ich bin, seitdem ich wieder ein bisschen arbeite, sehr dankbar für diese Zeit. Es ist mir am Anfang sehr schwer gefallen, weil ich eine Mama, die Zuhause bleib als spießig empfand und ich zur Oberspießerin wurde. Aber ich glaube, so hat es eben zu mir gepasst. Es ist für mich stimmig. Und am Ende geht es nicht darum ob ich berufstätig war oder nicht, sondern wie ich die Beziehung zu meinen Mädels gestaltet habe. Und ich hoffe, bete und wünsche mir so sehr, dass ich für sie Ermutigerin, Rückenstärkerin und Hoffnungsträgerin sein darf, wenn sie schon längst erwachsen sind und ihr eigenes Leben leben. Und ich glaube, dass ich heute schon für in 40 Jahren die Weichen stelle und den Weg beschreite. Deshalb sind mir diese Mama Themen so wichtig, nicht, weil ich über richtig und falsch reden möchte, sondern Mut machen: jede Mama muss und darf ihren eigenen Weg finden. Denn das bedeutet Selbstbestimmtheit. Wir dürfen uns davon lösen, dass irgendjemand unseren Weg beurteilt und gut finden muss, sondern, dass wir für uns lernen Entscheidungen zu treffen. Und berufstätig oder nicht: ich wünsche jeder von uns, dass uns unsere Kinder einmal in den Arm nehmen, wenn wir schwach sind und alt, wenn wir uns als Last empfinden und unbrauchbar… Denn dann ist es nicht mehr wichtig, wie andere uns als Mamas beurteilt haben, sondern ob wir eine Beziehung zu unseren Kindern haben.

Auf meinen Touren zu den alten Menschen sehe ich viel Einsamkeit, viele unaufgearbeitete Lebensgeschichten und schweigende Verwandte, aber es gibt immer mal wieder einen Lichtblick an dem ich mich so freue, den ich festhalte, von ihm lerne…

Spruch auf der Karte:

Ich habe jetzt das Alter erreicht, in dem >Happy Hour< Nickerchen bedeuetet

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stille Schönheiten

Die Küche ist bei uns ein undankbarer Raum wenn es ums Aufräumen geht. Irgendwie steht immer etwas herum, drei Mahlzeiten, die Vor – und Nachbereitung dieser, Brotdosen und Trinkflaschen, Zettel zum Unterschreiben, Wassermalfarben von den Künsten meiner Mädels: die Küche ist im Dauerbetrieb. Und deshalb liebe ich meine Tulpen, die auf dem Küchentisch stehen. Wenn ich einmal einen Garten haben sollte, geht es mir nicht so sehr um den Selbstversorger Aspekt, sondern es werden viele Blumen darin blühen, die man zwar alle nicht essen kann, aber die einfach schön aussehen, gut riechen, die Seele erfreuen. Und genau das machen die Tulpen in meiner Küche, wenn ich scheinbar ununterbrochen damit beschäftigt bin diese auszuräumen – die Seele erfreuen, mitten im Alltag. Ich weiß, es ist noch überhaupt keine Tulpenzeit und trotzdem bin ich heute für diese stillen Schönheiten dankbar.

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Highlights

Dankesmomente sind oft viele kleine Dinge die im Alltag meine Seele füllen. Aber dann gibt es immer mal wieder ganz besondere Momente, Highlights, die sich abheben aus der Masse an Dankesmomenten. Die besonders sind, einzigartig und die Seele auch nächste Woche und in einem Monat noch erfreuen. Von denen man zehrt – auch an Frusttagen. Und dieses Wochenende durfte ich solch ein Highlight erleben. Denn ich habe auf einem Frauentag die Referentin und Autorin Tamara Hinz getroffen. Dieses kurze Treffen war für mich deshalb so besonders, weil sie die erste Frau war, von der ich theologische Inhalte gelesen und gelernt habe, damals in der Zeitschrift AUFATMEN. Sie schrieb über Gottes Begegnungen in ihrem Alltag, legte Bibelstellen aus und ich schaute bei jeder neuen Ausgabe nach ob ein Artikel von ihr darin enthalten war. Und deshalb habe ich mich so gefreut sie nach all den gelesenen Gedanken zu treffen.

Und das zweite Highlight waren Frauen, die in meinem Seminar waren. Tatsächlich heißt dieses: Glucke oder Rabenmutter – seinen eigenen Weg finden zwischen Vorurteilen und Klischees. Und ich war überrascht, dass doch einige da waren, weil ich nur mit 5-10 Frauen gerechnet hatte. Und über einige offenen Gespräche danach habe ich mich so gefreut. So wunderbare Mütter, jede auf ihre Weise. Ich bin so dankbar für jede, die jetzt wieder bei ihren Kindern ist. Die liebt und behütet, in den Arm nimmt und tröstet, ihr Kind lehrt und zurechtweist, ins Leben leitet und begleitet. Wir haben in der Berufung als Mama keine leichte Aufgabe, aber ich bin so dankbar, dass wir uns gegenseitig unterstützen können, um Rat fragen, Schwächen zugeben, Unsicherheiten klären. Ihr seid wunderbar. Ich wünsche euch eine gute Nacht ( auch wenn so mache wach sein wird), morgen beginnt ein neuer Tag mit allen Freuden und allem Versagen unter der liebenden Gnade Gottes. Schön, dass es euch gibt und ich euch treffen durfte. Mit lieben Grüßen Lissy

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{2} Stille braucht einen Ort

Wenn ich nach dem Frühdienst nach Hause komme steuere ich sofort das Badezimmer an. Das ist der Ort an dem wir uns von Schmutz befreien, Hände waschen, unseren Körper pflegen. Danach geht es nahtlos in die Küche, weil ich hier alle Zutaten und Geräte finde mit denen ich das Mittagessen für meine Familie zubereite. Ich suche nicht in den verschieden Zimmern nach all dem Notwendigen um den Hunger zu stillen – es gibt einen Ort, einen Raum in dem unser Bedürfnis nach Hunger gestillt wird. Genauso ist es mit dem Schlaf, bei Kindern oft kombiniert Schlaf- und Spielzimmer. Und dann gibt es Haushalte, die einen Ort für die Schmutzwäsche haben, ein Arbeitszimmer oder Kreativraum.

Vor vielen Jahren besuchte ich eine Familie. Die Frau zeigte mir ihr Haus und führte mich dann in einen Raum den sie Kapelle nannte. Beim Bau ihres Hauses war das ihr größter Wunsch, den ihr Mann dann auch berücksichtigt hat, ein Zimmer in dem sie sein kann um Stille zu leben, Beziehung zu Gott zu gestalten, zur Ruhe zu kommen.

Stille braucht einen Ort. In meiner Wohnung ist es kein Zimmer in das ich mich zurückziehe, sondern ein Sessel. Auf diesen setzte ich mich tatsächlich nur, wenn ich vor habe still zu sein, inne zu halten, eine Reizpause einzulegen. Ich liebe es, dass er in meinem Wohnzimmer steht und die Kinder ihn benutzen um ein Boot zu bauen oder Höhle zu spielen. Auch für Besuch nutze ich diesen gemütlichen Platz. Denn wenn er im Alltag dort einfach steht, erinnert er mich immer wieder, dass es diese Pausen geben muss/ darf. Er ist meine Gedächtnisstütze und mein Ruhepunkt. Denn wenn ich morgens aufstehe überlege ich nicht wo setzte ich mich hin. Sondern es ist so klar, dass das der Platz für die Ruhe ist, so wie klar ist, dass die Küche für das Essen da ist. An diesem Ort fühle ich mich wohl. Und schon das Wissen solch einer „Kleinigkeit“ kann es erleichtern im Alltag zur Stille zu finden. Es braucht dazu nicht einen extra Raum, ein Ort um den ich weiß reicht aus. Ein Ort den ich aufsuche, wenn ich spüre, dass zu viele Reize auf mich einströmen, ein Ort an dem ich innerlich zur Ruhe kommen kann, ein Ort, der mich erinnert und es mir erleichtert. Es ist ein bisschen wie, wenn ich abends das Buch hole aus dem ich den Kindern vorlesen werde, innerlich stellt sich alles aufs Schlafengehen ein. So ist es mit dem Sessel und mir, alles stellt sich auf Ruhe ein. Das ist in all den Jahren für mich ein wichtiger Punkt geworden, Stille braucht einen Ort. Hast du auch so einen Ort der Stille?

Ich finde nicht, dass dieser Ort in der Wohnung oder überhaupt innerhalb von vier Wänden sein muss. Ich kenne jemanden, der seit Jahren immer in die Natur geht und eine bestimmte Strecke im Wald läuft. Natur kann natürlich auch so ein Ort sein. 

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nette Menschen

Willkommen im neuen Jahr, willkommen in meinen Alltagsdankesmomenten.

Natürlich hätte ich mich darauf konzentrieren können, dass mir, während ich einen Patienten versorgte, ein vorbei fahrendes Auto meinen Seitenspiegel beschädigte und nicht wartete bis ich an Ort und Stelle war. Aber ich war viel zu dankbar für den Mann, der das alles beobachtete und sich das Kennzeichen aufgeschrieben hatte. Meine Chefin, die ich anrief um zu fragen wie ich jetzt weiter vorgehen muss (weil es ein Dienstauto war) gab mir freundliche Anweisungen. Der Polizist mit dem ich mich dann in Verbindung setzte war zügig und ich konnte meine Arbeit wieder aufnehmen. Zu allen weiteren Patienten kam ich dann später und keiner war sauer, genervt oder böse. Und als ich später auf die Polizeistation musste, hatte sich der Fahrer gemeldet und erklärt, dass er kein Handy dabei hatte und schnell weiter musste, aber ein Auto angefahren hatte. Es war ein kurzer Augenblick über den ich entschied mich nicht zu ärgern und ich erlebte sehr viele Menschen, die einfach nett und verständnisvoll waren. Und ich bin dankbar, dass ich an einem Montagmorgen nach einer Sachbeschädigung so viele Menschen erlebte, die mir Grund geben dankbar zu sein.

Ich wünsche dir ein gesegnetes Jahr 2019 und freue mich auf all die Dankesmomente, die in diesem Jahr liegen. Im Moment schreibe ich noch meine Neujahrsgrüße (weil ich Weihnachtspost nie schaffe) und wenn Du Lust auf Post hast, dann schreibe mir deine Adresse an post@alltagsstueckwerk.com und du bekommst auch Neujahrsgrüße.

Mit ganz lieben Grüßen Lissy

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blessed

In den letzten Tagen war mehr Zeit, das Leben langsamer, die Momente intensiver. Abends schaue ich mir ein Video einer Frau an, die ihr Haus und ihre Weihnachtsdeko zeigt. Ich weiß, manche werden das nicht verstehen, aber ich liebe Wohnzeitschriften, Wohnbücher und seit neustem dieses Videoformat. Die Frau nimmt mich mit und führt mich in die große Eingangshalle ihres Hauses. Die Halle ist groß und geräumig und wunderschön dekoriert. Die Aussicht aus den hohen Fenstern gigantsich. Auf einen verschneiten See, wie im winterwonderland. Es kriecht schon der kleine Stich hoch, der mir das Gefühl vermittelt zu kurz zu kommen. Denn das ist die Grundlage allen Neides. Dass ich glaube zu kurz gekommen zu sein. Gerade will ich das Video unterbrechen, da schwenkt die Kamera auf das Sofa mit den unzähligen Kissen. Ich fühle mich ins Herz getroffen, denn auf eines der Kissen steht: blessed. Denn blessed habe ich ganz groß über unser Küchenfenster gepinselt. Vor genau einem Jahr haben wir diese Wohnung bezogen, die erste Nacht hier geschlafen. Ich hatte eigentlich nur einen Wunsch für unser neues Zuhause, dass unser Ausblick auf etwas Grünes sein wird, einen Garten oder ein Waldstück. Keines davon ist im Moment Wirklichkeit. Aber auch, wenn wir diesen Wunsch noch nicht verwirklichen konnten, habe ich unzählige Dankesmomente in dieser Wohnung mit meiner Familie in meinem Leben sammeln können. Segen sind nicht einfach nur die äußeren Umstände, sondern auch, dass ich sehe, was mir geschenkt ist und dass ich das wertschätze, auch wenn mancher Wunsch noch offen ist. Seit einem Jahr sind wir nun hier Zuhause. Und auch wenn der Blick nicht romantisch und friedlich ist lebe ich gerne hier. Wir haben die nettesten Nachbarn neben uns. Gegenüber von uns ist der Döner, der mit seiner blinkenden Reklame auf sich aufmerksam macht. Mit dem Besitzer reden wir jedes mal ein paar Worte und grüßen uns freundlich. Seine Saucen sind unschlagbar. Ich bin gesegnet und das ist mir bewusst, weil ich die meiste Zeit damit verbringe zu schauen, was mir geschenkt ist und nicht mehr so viel Zeit darauf verwende wahrzunehmen was mir zu meinem Glück noch fehlt. Ich schaue dankbar auf das Jahr 2018 zurück. Viele schöne Momente mit meinen Lieben, wunderbare Begegnungen mit den Zuhörerinnen von meinen Vorträgen, immer wieder im Alltag die erholsame Stille… Es gibt so vieles. Vielen Dank an dich, die du immer mal wieder vorbei schaust und mit liest. Das bedeutet mir viel. Danke für eure Kommentare, Mails oder likes.

Ich wünsche euch ein gesegnetes neues Jahr, in dem wir miteinander die Augen offen halten für das was uns geschenkt ist. In einer der letzten Predigten fiel der Satz: „Zähle deine Segnungen…“ Das gebe ich an dieser Stelle an euch weiter. Denn ich bin dem am meisten dankbar, von dem wir gesehen sind, der uns beschenkt, der liebt und vergibt. Gott hat dich und mich ins Leben geliebt und ich freue mich auf 2019 mit ihm. In einer Welt die mir immer wieder Sorge macht und in Angst versetzt entscheide ich mich immer wieder neu auf der Seite der Hoffnung zu stehen. Denn so lange es noch Saat und Ernte gibt, Sommer und Winter, Tag und Nacht hält Gott seine Hand über uns. Das ist meine Quelle, Gott selbst, der meine Hoffnung ist.

Wir hören uns im neuen Jahr wieder. Gott mit dir!

Ganz liebe und herzliche Grüße, Lissy

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heilige Momente am heiligen Abend

Das werde ich einfach nicht essen, denke ich, als ich das grüne Etwas im Topf vor sich hinköcheln sehe. Die Gottesdienste in unserer Gemeinde (Kirche) an Heilig Abend sind vorbei. Im Foyer verabschiedet man sich fröhlich voneinander. „Frohe Weihnachten“, es ist immer diese besondere Atmosphäre, die ich nach diesen Gottesdiensten so liebe. Erwartungsvoll, fröhlich, einander zugewandt. Ich stehe in der Küche unserer Gemeinde (Kirche). Meine Bolognesesauce ist fertig, das Wasser für die Spagetti kocht. Ich kann nur dann entspannt Gastfreundschaft leben, wenn das Essen, dass ich zum Buffet beitrage einfach sein darf. In der Küche ist ein Gewusel. Vor allem Iraner drängen sich um die Töpfe, aber im angrenzenden Raum, in dem wir miteinander Essen werden, warten 2 Familien aus Syrien und eine Frau aus Eritrea. Ursprünglich haben sich 12 Leute auf die Einladung miteinander Heilig Abend zu feiern angemeldet, es sind dann aber doch 28, ohne unsere 5 köpfige Familie. Später steht der Reis, das grüne Zeug, gebackenes Hähnchen auf dem Tisch. Ich freue mich wieder einmal, dass das Essen auf jeden Fall reichen wird und festlich ist, auch wenn ich mich nicht ins Zeug gelegt habe. Bei Gott muss ich mich nicht verbiegen – an Weihnachten nicht und sonst auch nicht. Meine Art der Gastfreundschaft kommt nicht in der Zubereitung von Mahlzeiten zum Ausdruck. Aber, darf ich wieder feststellen, das ist voll in Ordnung. Meine Tochter kommt zu mir: „Können wir nicht eine normale Familie sein und jetzt nach Hause gehen?“ Mein schlechtes Gewissen mischt sich wieder ein. Überfordere ich meine Kinder? Werden sie es mir später vorwerfen, dass wir das dritte Weihnachtsfest nun schon so feiern? Rettung kommt in Form eines Iraners. Er hat meinen Mädels Kinderzeitschriften mit pädagogisch fragwürdigem Inhalt mitgebracht. Meine Kinder freuen sich riesig: „Mama, schau, das würdest du uns niemals kaufen.“ Mein Gewissen gibt wieder Ruhe. Später beim Essen meint eine meiner Töchter: „Nicht traurig sein, aber die kochen echt besser als du.“ Nein, ich bin nicht traurig, ich hoffe, dass das bei ihnen hängen bleibt. Das gute Essen, die Gemeinschaft, das Fußball spielen, während wir nach dem Essen aufräumen. Der Koch, der am längsten in der Küche stand (auch ein Iraner) kommt zu mir: „Lissy, das musst du probieren. Ich habe gut gekocht.“ Jetzt stehe ich vor dem grünen Zeug, möchte unseren lieben Freund nicht enttäuschen und lade mir eine kleine Portion auf. Ich koste und vergrößere die Portion. Es schmeckt unglaublich lecker. Aber was es ist habe ich bis jetzt nicht heraus gefunden. Wir feiern miteinander. Jeder von uns hat seine eigene Geschichte, unterschiedliche Länder, Rituale, Kulturen. Aber an Heilig Abend kommen wir zusammen vor Jesus. Er liegt zwar nicht mehr in der Krippe, aber er ist der Grund warum wir alle hier sind. Als alle satt und alles aufgeräumt ist gehen auch wir Geschenke auspacken. Meine Mädels freuen sich. Es klingelt und noch einmal sind drei Iraner vor der Tür. Sie kommen herein, setzten sich zu uns. Die großen Kerle knien sich auf den Boden und kaufen bei meinen Töchtern im Kaufladen ein und bewundern ihre neue Puppe. Es ist so schön, die Atmosphäre so herzlich. „Wir feiern schon das dritte Mal zusammen Weihnachten“, sagt einer der Jungs zu meiner Jüngsten. Sie bleiben nicht lange, wollen dann noch weiter woanders feiern und wir lassen den Abend als Familie ausklingen. Ich bin so dankbar für den Heiligen Abend mit seinen heiligen Momenten…

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Dankesliste der vergangenen Tage

  • Regentropfen, die an der Fensterscheibe wie viele glitzernde Goldpunkte aussehen.
  • Meine Große und ich hatten Mama-Tochter-Zeit und waren auf einem Adventsmarkt unterwegs. Außerdem haben wir einen Weihnachtsbaum gekauft. Und weil ich grundsätzlich nur da parke wo ich viel Platz habe, mussten wir ein ganzes Stück mit dem Baum laufen. Wir haben so viel miteinander geschleppt und gelacht. Das war unheimlich schön.
  • Maracuja oder Passionsfrüchte, so lecker und ein riesen Privileg, dass ich sie hier essen darf.
  • Eine unglaublich liebe Karte von einer Patientin, die ich mit betreue. So schön gebastelt mit Händen, die über 80 Jahre schon nach Dingen greifen und Worten, die so freundlich und ermutigend sind.
  • Vorweihnachtszeit, mit allem was dazu gehört.
  • Gespräch mit einer Mama deren Kinder so alt sind wie meine. Gespräch mit einer Mama deren Tochter fast 30 Jahre alt ist. Gespräch mit einer Mama deren Tochter 22 Jahre alt ist. Dieser Austausch ist „zufällig“ im Alltag entstanden. Fazit: Unsere Kinder werden älter, unsere Gedanken, die wir uns um sie machen nicht weniger.
  • „Mein Überlebenslauf“ von Eva-Maria Admiral gelesen. Unglaublich tiefes, gutes Buch.
  • Erfahre, dass sie bei uns in der Stadt einen Auftritt hat. Karten gekauft hingegangen, ermutigt zurück gekommen. Und jetzt schmückt mein Buch ein Autogramm von ihr. Wie cool ist das denn.
  • Freundliches Feedback auf meinen Stille Blogbeitrag. Das tut immer gut.
  • Eine Kollegin springt für mich ein, weil ich krank bin.
  • Wundervolles Zitat: Mögest du immer genug Zeit haben, um die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben.
  • Dankbar, dass ich diese Zeit habe und immer wieder kleine Wunder entdecke, die große Auswirkungen in meiner Seele haben.
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{1} Stille ist zuzuhören

Meine erste Erfahrung in der Stille liegt viele Jahre zurück und ich glaube, dass ich deshalb eine so große Sehnsucht nach Stille in meinem Alltag habe, weil meine Erfahrung so positiv war.

Erleichterung

Ich war traurig, sehr traurig. An vielen Abenden weinte ich als es dunkel war, dann wenn es Nacht wurde, dann wenn ich nicht gesehen wurde und mich auch selbst nicht ansehen musste. Ich war 14 Jahre und meine leibliche Mutter war gestorben. Ich trauerte um sie und verstand das überhaupt nicht. Denn sie ist mir keine Mutter gewesen. Schon früh kam ich zu meiner Pflegemutter und dort ging es mir gut. Warum also diese Trauer um einen Menschen zu dem ich weder Beziehung noch Bezug hatte? Ich wusste es nicht. Deshalb waren meine Worte innerlich mir gegenüber nicht von Milde und Verständnis begleitet, sondern streng. Ich rief mich zur Vernunft und forderte mich selbst auf mit diesem Geheule ein Ende zu machen, weiterzugehen, stark zu sein. Es half nichts, nachts kam die Trauer. Irgendwann setzte ich mich im Bett auf und stellte mir die Frage: Warum macht dich das über so lange Zeit so traurig? Was ist los? Welchen Grund hat diese Traurigkeit?

Bis dahin hatte ich noch nichts über Selbstreflexion gehört oder gelesen, Achtsamkeit war noch kein gängiger Begriff und das Wort Seele mir fremd. Aber ich werde nicht vergessen dass Antworten kamen. Noch heute kann ich dieses Gefühl der Überraschung spüren und diese Antworten machten für mich absolut Sinn. Und sie brachten eine riesige Erleichterung. Ich konnte mich plötzlich verstehen, konnte mein Gefühl der Traurigkeit nachvollziehen und fand damit einen Umgang. Und dann ging die Traurigkeit so schnell wie sie gekommen war. Es war eine absolut prägende Erfahrung mir selbst zuzuhören.

Wenn es leise werden soll wird es so laut

Das ist oft das was ich höre, wenn es um Stille geht. Es ist die Sehnsucht da einfach nur dasitzen und still sein zu können. Und es geht in erster Linie nicht um die äußere Stille, um Geräusche und Lärm, sondern, dass es in einem ruhig wird. Gedanken nicht ständig kreisen, imaginäre Gespräche mit Menschen von denen man sich verletzt fühlt verstummen, das Gefühl getrieben zu sein verschwindet. Aber wenn man dann sitzt scheint alles noch schlimmer zu werden. Die Gedanken sind unnatürlich laut, die Verletzung wird so richtig spürbar und der ständige Impuls aufzustehen und etwas zu erledigen echt anstrengend. Aber das was wir in der Stille als unangenehm empfinden ist das wichtigste! Jetzt zuhören, genau hinsehen, wachsam sein. Nicht verurteilen, dass so viel hochkommt, sondern aushalten und hinschauen. Mir hat es immer geholfen aus der Beobachterrolle zu „denken“: Ah, o.k, wusste gar nicht, das mich das so stresst, unsicher macht, ich da neidisch bin oder was auch immer. Die Gedanken die laut werden sind da und kommen oft durch unser Verhalten zum Ausdruck, dann aber unkontrolliert oder man ist immer in der Opferrolle oder genervt, fühlt sich nicht verstanden, angespannt… Die Stille bietet die Möglichkeit seinen Gefühlen und Gedanken auf der Spur zu sein und seiner Seele zuzuhören. Auch wenn das am Anfang nicht besonders faszinierend klingt, ist es mit der Zeit wirklich erholsam. Wirklich!

Stille ist zuzuhören, wachsam zu sein, den Umgang mit sich selbst zu lernen. Vor allem in einer Zeit in der wir mit so viel konfrontiert werden was die Seele belastet. Anforderungen von anderen an uns, die dann zu unserem eigenen Maßstab werden. Stress, der hausgemacht ist. Werte, die wir einfach übernehmen, obwohl wir eigentlich anders leben wollen. Deshalb vier Ideen im Umgang mit den Gedanken und der Unruhe, die in der Stille auftauchen:

*Wertschätzung: nicht verurteilen, dass es jetzt so laut wird und du doch eigentlich                               ruhig werden wolltest, sonder achten, dass du dir jetzt die Zeit                                   nimmst um zu hören, was deine Seele zu sagen hat. Wertschätzen,                             dass sie sich meldet.

*Aufschreiben: Mir hilft mein Gedankenbuch und einen Stift bereit zu haben. Wenn du                        glaubst, dass du einen Gedanken vergisst der dir wichtig erscheint                              einfach  aufschreiben. Oder dieser Impuls das jetzt zu erledigen,                                schreib es auf. Es stellt sich nicht sofort damit die Ruhe ein, aber du                            kannst dich beruhigen, weil du es damit nicht vergisst und weiter                                sitzenbleiben kannst.

*Sätze: Mir helfen nach wie vor am meisten Sätze. Sätze, die zu mir passen, die mir                helfen. Diese spreche ich mir in der Stille immer wieder selber zu. Zum                        Beispiel: „Ich darf jetzt einfach sein.“ oder „Ich verpasse da draußen jetzt                    gerade nichts.“ oder „Mein Gefühl ist nicht die Wahrheit.“ Je nach dem wie du              dich fühlst, überlegst du dir einen passenden Satz, den du dann immer                        wieder zu Rate ziehst, wenn die Gedanken zu negativ oder die Unruhe zu                    groß wird.

*Zeit: Das alles braucht, wenn es dich inspiriert Zeit und Übung. Dass ich heute                   darüber schreibe finde ich richtig seltsam. Mein Weg mit der bewussten Stille               begann mit 19 Jahren, jetzt bin ich 38 Jahre alt. Aber ich bin eben der Meinung           und mache die Erfahrung, dass wir auf äußere Umstände kaum einwirken                   können. Trotzdem wünschen wir uns das oft am meisten, dass sich die äußeren           Umstände ändern. Auf was wir aber einen sehr großen Einfluss haben ist auf               unsere innere Haltung. Und eine motivierte, gestärkte, friedfertige und liebende           innere Haltung braucht Zeit und wächst in der Stille.

Psalm 42,6

Jahre später nach meiner ersten Erfahrung in der Stille bin ich auf diese Bibelworte gestoßen: „Warum betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?“ Psalm 42,6  Ich darf mir solche Fragen stellen, darf mir die Zeit dafür nehmen und freue mich an einem Gott, der in der Stille mit mir ist. Die Stille ist der Resonanzraum der Seele, hier hallt wieder mit was wir uns in unserem Alltag beschäftigen und hier wird ihr zugehört. Und schon das beruhigt.

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hausgemacht

In der Stadt unterwegs und mir kommt ein Bekannter entgegen. Wobei das schon fast zuviel gesagt ist. Denn er kennt vor allem meinen Mann. Ich wäre freundlich nickend an ihm vorbei gelaufen, merke aber er bleibt stehen. O.k., dann bleibe ich auch stehen. Er fragt mich, ob ich schon im Weihnachtsstress bin. „Nein,“ antworte ich. „Ja, aber Sie haben doch Familie,“ sagt er. (Seine Kinder sind schon eine ganze Weile erwachsen.) Ohne auf eine Reaktion von mir zu warten, spricht er von der Reizüberflutung an Weihnachten. Von dem wenigen was er früher hatte und dass doch die Menschen nicht zufriedener sind mit all dem was heute so geboten wird und dass der eigentliche Sinn von Weihnachten verloren geht. Seine Ausführung schließt er mit dem kurzen Satz: „Weihnachtsstress ist hausgemacht.“ Er gibt mir noch schöne Grüße für meinen Mann mit auf den Weg und verschwindet zwischen den noch geschlossenen Buden des Weihnachtsmarktes. Ich gehe nach Hause und bin sehr dankbar für den erinnernden und ermahnenden Satz des Bekannten. Ich liebe Adventskalender, Punsch, Lichterketten, Zuckerwatte mit meinen Mädels auf dem Weihnachtsmarkt, Geschenke besorgen, dekorieren und alles was dazu gehört. Aber ich liebe auch die Momente in denen es still wird in meiner Wohnung, das Licht gedimmt und Ruhe kehrt ein. Mit der Bibel auf dem Schoß habe ich darüber nachgedacht welcher Satz der Weihnachtsgeschichte mir am besten gefällt. Es gibt für mich nicht das eine oder andere. Stress oder Besinnlichkeit. Der Stress lässt sich nicht immer vermeiden, aber für die Besinnlichkeit möchte ich immer wieder sorgen. „Weihnachtsstress ist hausgemacht, Besinnlichkeit aber auch.“ Für diese Begegnung und Erinnerung bin ich heute dankbar.

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Listenliebe

Meine Mädels öffnen das erste Mal ihren Adventskalender, auf den sie schon so hingefiebert haben. Nach dem Suchen der Zahl, dem Öffnen der Päckchen steht darin eine Botschaft : „Schaut an die Tafel in der Küche.“ Erwartungsvoll laufen sie dorthin und sehen 3 Listen mit jeweils ihrem Namen darüber. „WeihnachtsDankesListe“ entziffert meine Älteste. Nach dem ich ihnen meine Beweggründe erklärt habe und sie wissen, dass es die nächsten Tage auch noch andere Dinge im Kalender gibt, die sich ihnen mehr erschließen, haben sie Lust mitzumachen. Mein Gedanke dazu?

Weihnachten ist ein Fest mit viel Vorfreude, aber auch hohen Erwartungen. Viele wünschen sich, dass es so schön wie möglich wird. Auf das Essen bezogen, auf die Geschenke und auch auf die Familienatmosphäre und die eigene emotionale Stimmung. Deshalb führen viele eine Menge Listen: Rezeptlisten, Einkaufslisten, Geschenkelisten, to-do-Listen, Weihnachtsfeiern von der Arbeit aus, den Freizeitaktivitäten der Kinder, im Kindergarten und der Schule… Es gibt noch vieles zu tun, bis es endlich soweit ist. Und das hat auch alles seine Berechtigung, weil Weihnachten einfach ein schönes Fest werden soll. Aber es gibt so den Beigeschmack, dass wir auf etwas hinarbeiten, dass das heute noch nicht reicht. Die Wohnung muss noch verschönert werden, das Essen noch verfeinert, vielleicht wandert sogar noch ein neues Kleidungsstück in den Kleiderschrank für den Heiligen Abend. Und auch wenn ich das alles kenne, möchte ich mit meinen Kindern bis Weihnachten 24 Gründe sammeln für die wir jetzt schon dankbar sind. Dinge, die in der Hektik vielleicht verloren gehen könnten, schöne Momente, die ungeachtet an uns vorüber ziehen, Geschenke, die mit Geld nicht zu kaufen sind, aber trotzdem reich machen können. Ich freue mich mit ihnen diese Listen auszufüllen. Sie sind eine schöne Ergänzung zu den Wunschlisten. Im Hier und Jetzt sein, den Augenblick wahrnehmen, das Schöne festhalten. Auch wenn diese Aktion heute Morgen bei meinen Kindern keine Freudentränen ausgelöst hat, so wünsche ich mir doch durch so etwas eine Art Fundament zu legen: den Blick zu schärfen für das was heute schon Schönes in unserem Leben ist und an diesem Tag.

Ich wünsche euch eine schöne Adventszeit mit vielen Dankesmomenten.

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