Auf- und Abstiege

Eigentlich dachte ich schon weiter zu sein, mich entwickelt zu haben. Vielleicht nicht äußerlich sichtbar aber innerlich spürbar. Nach all den vielen Gesprächen, wunderbaren Bibelstellen, Gebeten, Impulsen durch Bücher, Predigten, Podcast, Artikeln, thematischen Blogs. Immer wieder wünsche ich mir, dass das Leben eine Aufwärtsbewegung ist an Erkenntnissen, im Meistern von Problemen und Lösen von Krisen.

Und stelle fest: bei mir nicht. Manchmal fühle ich mich zurück geworfen in längst vergangene Denkmuster, Minderwertsgefühle, alte Gewohnheiten. Mein Leben scheint ein Prozess zu sein und meine wichtigste Begleiterin ist die Zeit. Mit ihr lerne ich doch noch geduldig zu werden, weil ich so manchen äußeren Umstand nicht verändern kann. Ja, auf meine innere Haltung habe ich Einfluss. Aber auch das dauert. Weil ich Resultate schneller sehen will, weil ich mich frage ob es sich lohnt, weil… Wenn ich heute und in diesen Tagen für eines dankbar bin, dann dass ich weiß, dass mein Leben ein Prozess ist und immer mal wieder durch Veränderungen muss. Dass es Phasen gibt, die sich leicht und schön und lohnenswert anfühlen und Phasen, die schwierig einzuordnen sind. Mein Leben besteht aus Phasen nicht aus einer Selbstoptimierung, aus Auf- und Abstiegen für die ich nicht so wirklich trainieren kann. Ich kann nur mein Tempo anpassen, freundlich mit mir selber umgehen und wissen: die Zeit ist meine wichtigste Begleiterin. Ich liebe es alles aufzuschreiben und in ein paar Jahren zu lesen ob und was aus der jetzigen Phase entstanden ist. Mein Leben ist ein Prozess… mit unbekanntem Ausgang.

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Vergebung und Versöhnung

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„Zuhause ist nicht nur ein Ort, es ist ein wundervolles Gefühl.“ Ich liebe diesen Spruch und dieser begrüßt mich jeden Tag aufs neue, wenn ich meinen Schlüssel an seinen Platz hänge. Denn das hier ist mein Platz. Hier kenne ich mich aus, hier fühle ich mich wohl, hier ist mein Zuhause.

Und dann wird es laut und die Meinungen sind so unterschiedlich. Denn mein Platz ist nicht nur mein Platz, sondern er ist auch der Platz von vier weitere Personen die sich auskennen und sich wohlfühlen und es ihr Zuhause ist. Und trägt nicht schon die Tatsache das fünf verschiedene Menschen, fünf verschiedene Temperamente, fünf verschiedene Charaktere, fünf verschiedene Meinungen miteinender wohnen in sich, dass es zu Konflikten und Diskussionen kommt, dass es mal laut wird und unreflektiert. Aber ich mag es nicht. Und ich mag mich nicht in solchen Situationen, wenn ich nicht weiß ob das jetzt erzieherisch notwendig oder einfach nur rechthaberisch ist, wenn ich nicht weiß, ob in dem Punkt Gehorsam wichtig ist zu lernen oder ich einfach nur nicht nachgeben will. Es ist anstrengend und irgendwie traurig und schade. Aber es gehört zu unserem Familienleben dazu.

Ich bin dankbar, dass es Vergebung und Versöhnung und das Wort Entschuldigung gibt, das in einer Umarmung dann zum Tu-Wort wird. Zuhause ist ein Ort an dem ich auch mal laut und unreflektiert werden darf, an dem ich diskutiere und nach Lösungen suchen darf und alle anderen auch. Keiner verliert dadurch seinen Platz, den Ort seines Zuhauses und das wiederum ist ein wundervolles Gefühl und macht mich dankbar.

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x-beliebiger Tag

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In Zeiten in denen ich besonders herausgefordert bin, in denen sich Krisen anbahnen und Probleme ganz offensichtlich zu bewältigen sind, da halte ich ganz besonders Ausschau nach den Dingen, die mir das Leben angenehmer und leichter machen, die mir in schlechten Zeiten ein Lächeln auf mein Gesicht zaubern und das Wort „Danke“ über meine Lippen bringen. Ich bin aufmerksam, weil diese Momente eine kurze Erholung sind im Lösen von Problemen, im Bewältigen von Herausforderungen, im Überstehen von Krisen. Für mich ein viel größerer Gegner der Dankbarkeit ist der Alltagstrott. Dann wenn Alltag sich nicht gut anfühlt in funktionierenden Abläufen und bewährten Routinen. Dann wenn viele viel zu kleine Begebenheiten, kaum wahrnehmbare Unzufriedenheiten sich ansammeln. Sie legen sich wie ein Nebel über all die wunderbaren Kleinigkeiten, all die unausgesprochenen Besonderheiten. Denn dann scheine ich gleichgültig zu sein. Das Gegenteil von Dankbarkeit ist in meinen Augen nicht Undankbarkeit. Undankbarkeit ist schon fast etwas aktives. Aber wenn wie erinnert werden fällt uns allen etwas ein wofür wir dankbar sind. Nein, Undankbarkeit ist ein zu hartes Wort, eine zu bewusste Handlung, ein nicht zutreffender Begriff. Gleichgültigkeit, sie wird mir gefährlich. Mein Fokus auf die kleinen Alltagszipperlein gelenkt und an den vielen schönen Dingen gleichgültig vorbei gelaufen und nicht gesehen, dass der Kühlschrank voll ist, dass das Abendritual Versöhnung bringt, dass die Spülmaschine läuft und ich eine liebe Mail von einer Zuhörerin meines letzten Vortrages bekommen habe. Gleichgültigkeit ist meine schwierigste Gegnerin, weil sie leise ist und unscheinbar und scheinbar allen Dingen die gleiche Gültigkeit gibt. Meine Seele lernt langsam: jetzt mein Dankesbuch zur Hand. Heute brauche ich 10 Gründe um mich zu erinnern an all die Kleinigkeiten auf die mich Dankbarkeit aufmerksam macht. Ich entscheide mich gegen die Gleichgültigkeit und für die Dankbarkeit nach einem x-beliebigen Tag einer durchschnittlichen Familienfrau. 

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tolle Möglichkeit

Wer mich kennt der weiß wie sehr ich Bücher liebe. Zu lesen was jemand anderes denkt und fühlt, mit was sich die Person beschäftigt, was Freude macht und Traurigkeit verursacht, was inspiriert und wie ein ganz anderes Leben aussehen kann. Es erweitert meinen Horizont, lässt mich dazu lernen, veranlasst mich zuzuhören und die Stimme der geschriebenen Sprache ist so nachhaltig. In unserer Bücherei gibt es die Möglichkeit Buchwünsche für Neuanschaffungen zu äußern. Und wieder hat es die Bücherei möglich gemacht und ich halte in den Händen die Autobiographie des Gründers der Drogeriemarktkette <dm>. Weil ich den Laden so mag, weil die Verkäuferinnen so nett sind und weil mir meine frühere Klassenkameradin beim Klassentreffen im letzten Jahr erzählt hat, dass der Gründer Werte hat, die er auch in seinen Läden sehen möchte und die in der Ausbildung thematisiert werden. Ich bin so gespannt von ihm zu lesen. Und bin so dankbar für diese Möglichkeit. Denn Biographien lese ich in der Regel nur einmal und so schätze ich es sehr, dass ich sie lese und dann wieder abgeben kann. Heute bin ich dankbar für unsere Bücherei, dafür, dass ich lesen kann und dass dieser Mann seine Gedanken zu Papier gebracht hat. Ich freu mich aufs lesen!!!

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funktioniert immer

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Der Kopf voll – nicht nur von der Erkältung auch die vielen Gedanken… Die Jüngste kränklich auf dem Arm, mit der Mittleren Hausaufgaben machen und die Große zum Einmaleins üben motivieren. Ich mag es überhaupt nicht wenn ich genervt bin. Leider bin ich in dem Punkt Wiederholungstäterin. Wofür ich dankbar bin an solch trüben Tagen, wenn der Himmel nicht nur draußen voller Wolken hängt? Dass ich weiß, was ich brauche, was wir brauchen. Jacken an, in die Stiefel, den Nieselregen nicht ignorieren, sondern genießen. Die ersten Schneeglöckchen auf der Erde bewundern und dem Getöse der Raben am Himmel lauschen. Reden, lachen, springen, Luft ein- und ausatmen. Einfach sein, in Gottes wunderbarer Schöpfung – auch bei Regen und Matsch, bei dunklen Wolken und in diesiger Atmosphäre. Nach Hause kommen, dankbar sein. Raus gehen, frische Luft tanken, den Kopf frei bekommen – Gottes Schöpfung funktioniert immer. Dafür bin ich heute dankbar!!!

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die ersten Male

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So lange hätte ich mein Schneckenhaus gar nicht gebraucht, aber wir hatten bis gestern kein Internet in unserem neuen Zuhause und das brauche ich um Dankesmomente mit euch zu teilen. Und ich danke euch allen, die ihr immer wieder geduldig Ausschau gehalten habt nach einem neuen Blogbeitrag von mir. Es ist so schön hier zu sitzen in meinem neuen Wohnzimmer und euch zu schreiben… das erste Mal. Und das sind die vielen Dankesmomente der letzten Wochen: all die ersten Male. Zum ersten Mal Frühstück machen für meine Familie in der neuen Küche, das erste Mal Muffins backen, der erste Strauß Blumen auf unserem Küchentisch, das erste Mal krank in der neuen Wohnung, das erste Mal den Boden wischen und das erste Mal die Einkäufe die Treppen herauf tragen, das erste Mal die Stille in neuer Atmosphäre genießen… Ich bin immer wieder auch an meine Grenzen gekommen und habe meine Naivität bedauert und gefeiert, der es nicht bewusst war, was es bedeutet eine 5köpfige Familie auf kleineren Lebensraum zu reduzieren. Und doch bin ich so dankbar für diese Entscheidung, weil wir aussortieren, uns von Dingen trennen, die wir vielleicht noch einmal gebraucht hätten, weil sich das Leben damit für mich übersichtlicher anfühlt. Wir sind tatsächlich noch nicht fertig und es gibt immer noch Kisten, die sortiert und ausgeräumt werden müssen, aber wir fühlen uns wohl. Es ist schön ein Zuhause zu haben, ein Dach über dem Kopf und die Füße unter einem gedeckten Tisch, die Möglichkeit der heißen Dusche am Abend und der warmen Winterjacke am kalten Morgen. Es ist ein Geschenk in all dem Stress und den Veränderungen und Umbrüche und Herausforderungen mein Danketagebuch zu nehmen, inne zu halten und im Chaos Ausschau zu halten nach den schönen Dingen. Denn auch wenn ich hier in den letzten Wochen nicht geschrieben habe und es sehr vermisste kleinen Momenten mit Worten mehr Bedeutung beizumessen, sie einzurahmen, ihnen Farbe zu geben, damit sie sichtbarer werden – so habe ich doch meine Liste erweitert und gesammelt und aufgeschrieben wofür ich dankbar bin. Schön wieder hier zu sein. Ich wünsche euch eine schöne Woche mit vielen wahrgenommenen Dankesmomenten. Und danke dir fürs lesen meines ersten Beitrages nach längerer Zeit. Herzlich willkommen zurück auf meinem Blog!!!

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Schneckenhaus

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In 13 Tagen ist Weihnachten, in 16 Tagen ziehen wir um. Zum ersten Mal seit langem, dass ich die Weihnachtszeit als stressig empfinde. Einfach weil sie untergeht im Packen und Überlegen und sich von Dingen trennen. Mehr als einmal bin ich dankbar dafür, dass es in meinem Leben auch außerhalb der Weihnachtszeit besinnlich wird. Dann, wenn ich meinen ersten Kaffee aufbrühe, meine Bibel zur Hand nehme und die Worte in mir auf. Meine Gedanken in Sätze formuliere und sie festhalte auf weißem Papier mit schwarzem Stift. Dann besinne ich mich auf die Werte, die mir wichtig sind, auf die Beziehung, die entscheidend für mein Leben ist, auf die Worte, die ermahnen und ermutigen, die zur Reflektion anregen und zur Gnade auffordern. Dann wird es besinnlich… manchmal bei 3°C, manchmal bei 24°C. Je nach Jahreszeit…

Und im Moment erinnere ich mich ganz viel. Unseren Umzug wollte ich souverän und gelassen über die Bühne bringen, strukturiert und organisiert. Aber es kam mir mal wieder mein Leben dazwischen und so fühle ich mich überhaupt nicht souverän und gelassen, strukturiert und organisiert. Letzte Woche ist unsere liebste liebe Mitbewohnerin ausgezogen. Ich gönne es ihr voll, dass sie nun eine WG mit ihrer Freundin hat und nicht mehr Rücksicht nehmen muss auf unseren Familienclan, aber ich vermisse sie. Ich bin dankbar für drei komplett konfliktfreie Jahre mit ihr. Ich kann es kaum glauben, aber es kam kein Wort zwischen uns, dass in irgendeiner Weise schwierig oder unangenehm war! Für mich ein Wunder. Denn mit mir zusammen zu leben ist nicht einfach! Manchmal sind wir aneinander vorbei gelaufen und haben außer dem „Guten Morgen“ nicht viel miteinander geredet. Manchmal sind wir an einem Thema stundenlang hängen geblieben. Immer in einer großen Freiheit dem anderen gegenüber. Auf diesen 115 qm haben viele Menschen mit uns gelebt. Vom unbegleitetem minderjährigem Gefüchteten, alleinerziehende Mama, Studentinnen, Besucher… Viele Erinnerungen! Ich sortiere aus, damit die 85 qm die auf uns warten nicht vollgestopft werden mit überflüssigen Dingen. Aber was ist überflüssig nach 7 Jahren Familienleben in dieser Wohnung? Jeden Tag unzählige Entscheidungen: Kann das weg, geht das mit? Ich halte Briefe in der Hand. Meine Freundin erzählt vom Hausbau, mittlerweile hat sich ihr Mann getrennt. Hochzeitseinladungen – schon längst sind daraus Familien entstanden, die versuchen in ihrem Leben zu bestehen, den Alltag zu meistern. Geburtsanzeigen und die Karten von der Einschulung. Zeit verstreicht und ist gefüllt mit so vielem und zum Schluss bleiben doch vor allem die Erinnerungen. Was bin ich hier im Tragetuch mit meinen 2 jüngeren Töchtern die Treppen auf und ab gelaufen. Morgen wecke ich sie für die Schule und den Kindergarten. In dieser Wohnung habe ich gelernt, dass schlaflose Nächte schwach machen und das Schwäche nichts schlimmes ist. Auch wenn ich lieber souverän und gelassen wäre.

Ich verabschiede mich jetzt für die nächsten 4 Wochen von euch. Ich brauche jetzt das Schneckenhaus. Muss mich innerlich zurückziehen. Eine Phase endet hier irgendwie, eine neue beginnt. Ich bin am packen und planen – oft bis spät in die Nacht. Die Stille am Morgen kommt gerade zu kurz. Was mich dankbar macht? Ich weiß, dass dies eine Phase ist. Die Unsicherheit, die ich im Moment so stark spüre wird wieder weg gehen. An die Sachen, die ich aussortiert habe werde ich mich dann gar nicht mehr erinnern. Und ich bin dankbar für wundervolle Menschen, die mich heute ermutigt haben. Einen Brief habe ich bekommen von meiner Freundin, ein ganz lieber Bekannter stand mit einem Geschenk für mich an meiner Tür und unsere liebe Julia kam noch einmal vorbei um sich ganz offiziell zu verabschieden.

Vielen Dank ihr Lieben fürs treue Lesen, für Kommentare, die ihr mir da gelassen habt oder für einen like. Ich freue mich über jede Interaktion mit euch!!! Denn ein Blog und das Teilen von Gedanken macht dann Spaß, wenn es Menschen gibt, die es lesen. Ich wünsche euch eine schöne Weihnachtszeit und dann ein Jahr 2018 mit vielen Dankesmomenten, mit der Achtsamkeit für die vielen Kleinigkeiten, die zu Großartigkeiten werden, wenn wir sie sammeln, sie festhalten und verinnerlichen.

Seid ganz lieb gegrüßt, eure Lissy

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Menschen auf dem Weg

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Auf meiner Suche nach Sinn und Tiefe, nach Liebe und Bedeutung bin ich bei Gott gelandet. Ich habe viel gelesen, in Dinge hinein geschnuppert und bin Menschen begegnet. Menschen, die an Gott glauben, die die Werte der Bibel als wahr betrachten und auch danach leben wollen. Die von Nächstenliebe, Vergebung und Demut sprechen. Ich bin enttäuscht worden. Ich habe Menschen getroffen, die von Nächstenliebe sprechen, aber die sie scheinbar nicht leben. Ich habe Menschen getroffen, die von der Vergebung reden und in unversöhnten Beziehungen leben. Ich habe Menschen getroffen, die von Demut reden und immer an der Spitze auftauchen wollen. Ich haderte mit Gott, wenn ich solche Menschen traf, wollte mich abwenden, ihm den Rücken kehren. Und dann kam sie. Eine Begegnung vor vielen Jahren. Und in den Augen meines Gegenübers sah ich die Enttäuschung. In ihren Augen reihte ich mich ein in die Liste der vielen Christen, die sie schon enttäuscht hatten. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich auch so ein Mensch bin, der von Nächstenliebe spricht, aber oft genug nicht in der Lage ist sie sichtbar zu leben. Der von Vergebung redet und noch an Bemerkungen nagt, die schon lange zurück liegen. Der von Demut spricht und Angst hat zu kurz zu kommen und dann Aktionen startet, die nicht weise sind. Plötzlich wurde mir bewusst: ich enttäusche. Manchmal, weil ich nicht aus mir raus kann. Manchmal, weil ich gekränkt bin. Manchmal, weil jemand falsche Erwartungen an mich hat. Manchmal, weil ich müde bin. Und immer, weil ich Mensch bin. Dankbarkeit, Achtsamkeit, positive Psychologie ersetzen die Gnade nicht. Sie sind ein Weg um in diesem Leben mit sich und anderen gut zurecht zu kommen, aber sie sind nicht die Lösung für menschliches Miteinander. Die Lösung ist die Gnade. Dem anderen mit Wohlwollen begegnen und nicht davon ausgehen, dass er es böse meint. Dem anderen Zugestehen, dass er Fehler machen darf, weil auch ich Fehler mache. Wir sind Gleichwertige, wir sind Sinnsuchende, wir sind auf Gnade angewiesen.

Und dann gibt es Menschen, die begegnen mir auf meinem Weg mit Gott, die Sinn und Tiefe, Liebe und Bedeutung bei Gott gefunden haben. Tief verwurzelt sind in seinem Wort, in der Bibel. Die ihre Nächsten lieben, die Vergebung leben, die wissen, dass sie auf Gnade angewiesen sind. Die nicht gefallen wollen, nicht auf Applaus aus sind. Sie leben aus dieser tiefen Verbindung zu Gott, die Sinn gibt und Wert und die fähig macht zu lieben. Ich bin so dankbar, dass ich dieses Wochenende erlebt habe mit wie viel Wertschätzung eine Person in den Ruhestand verabschiedet wurde. Eine solche Person, eine Person, die zur Hilfe wurde für viele auf dem Weg zu Gott hin, die nicht verurteilt und gesetzlich ist, sondern die sich von Gott geliebt weiß und deshalb lieben kann, die weiß, dass sie auf Gnade angewiesen ist und deshalb gnädig ist, die so weise ist, aber jedem in Augenhöhe und Gleichwertigkeit begegnet. Für mich ist dieser Pastor prägend gewesen in den letzten Jahren. Oft war es nur eine Randbemerkung, die mir einen neuen Anstoß gegeben gab. Ich bin dankbar für solche Menschen. Es ist wunderbar auf dem Weg zu Gott Menschen zu begegnen, die auf Gott hinweisen durch ihr Art zu leben und zu lieben. 

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Liebe säen

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Sie sind für die Verletzungen nicht verantwortlich die durch Vernachlässigung, Gewalt, Missbrauch, Drogenmissbrauch, einem tödlichem Unfall oder Überforderung entstanden sind. Sie sind weder Urheber noch Auslöser. Es ist immer und immer wieder etwas besonderes, wenn sich eine Frau dazu entscheidet Mama eines Kindes zu werden, dass sie nicht geboren hat. Es ist immer wieder etwas besonderes wenn ein Mann sich dazu entscheidet Vater zu werden ohne im Kreißsaal dabei gewesen zu sein. Die ersten Wochen, Monate, Jahre ist man nicht Teil der Geschichte gewesen. Eine Lücke die später nicht mehr geschlossen werden kann, weil es niemanden gibt, der die beschriebenen Seiten erzählen kann. Wessen Herz hat höher geschlagen als das erste holprige Wort über die Lippen kam? Hat überhaupt ein Herz höher geschlagen oder saß da ein Kind ungeachtet in einer Ecke leise vor sich hin brabbelnd? Wer hat auf den ersten Schritt gewartet und freudig die Arme auseinander gebreitet als der erste Schritt in eine unbekannte Welt gegangen wurde? Die Arme die zeigen, dass da jemand ist wenn man fällt, dass dort jemand bereit steht wenn der erste Schritt noch kein tragender ist? Der das Fallen nicht aufhalten, den Schmerz aber lindern kann. Oder war dort gar keiner? Eine Lücke, die später nicht mehr geschlossen werden kann, weil es niemenden gibt, der die beschriebenen Seiten erzählen kann. Heute feiere ich meine Freundin. Nicht nur weil sie Geburtstag hat, sondern, weil sie sich dazu entschieden hat Kinder in Notfallpflege bei sich zu Hause aufzunehmen. Die die Arme nach einem Kind ausstreckt, das oft anstrengend und zu laut ist, dass fragt und fordert und dessen Entwicklung sie nicht Schritt für Schritt begleiten konnte. Eine Kinderseele ist so empfindsam und kann doch so viel aushalten. Es dauert bis Verletzungen heilen, bis innerer Friede einkehrt, bis Ruhe entsteht über Identität, Ursprung, die eigenen Wurzeln. Es dauert bis es nicht mehr so wichtig ist woher man kommt, sondern wohin man geht. Wenn Identität nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft bedeutet. Und es sind die Menschen, die sich bereit erklären diesen Weg mit zu gehen, die Wegbegleiter sind, Rückenstärker. Die oft das Ventil sind, die den Frust zu spüren bekommen ohne die Verursacher zu sein. Heute bin ich für all die Pflege- und Adoptiveltern dankbar, die lieben und aushalten, an sich zweifeln und neu beginnen, die sich hilflos fühlen und weiter gehen. Ich bin dankbar, dass es Menschen wie meine Freundin Andrea gibt und Melly und Christa und Jutta und Damaris und Nadine… Die in eine Kinderseele Liebe säen…

Happy Birthday, Andrea. Du und all die anderen, ihr macht so etwas Wertvolles!!!

Ein Kind, das wie ermutigen lernt Selbstvertrauen. Ein Kind, dem wir mit Toleranz begegnen, lernt Offenheit. Ein Kind, das Aufrichtigkeit erlebt, lernt Achtung. Ein Kind, dem wir Zuneigung schenken, lernt Freundschaft. Ein Kind, dem wir Geborgenheit geben, lernt Vertrauen. Ein Kind, das umarmt und geliebt wird, lernt, zu lieben und zu umarmen und die Liebe dieser Welt zu empfangen. (Verfasser unbekannt)

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43 Jahre Ehe und unendliche viele Berufsjahre

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Genau genommen ist es ein Dankesmoment von gestern, aber weil ich es erst heute in mein Gedankenbuch geschrieben habe gilt er auch noch heute – neben vielen anderen Dankesmomenten.

Es gibt diesen wundervollen Vers in Hiob 8,8 : „Frag doch die Generationen vor dir und sieh dir die Fülle der Erfahrungen deiner Vorfahren an.“

Wir waren zum Mittagessen verabredet mit einem Ehepaar, der Mann geht nun in Rente, seiner Frau und noch weiteren Freunden. Zusammen sitzen wir am Tisch und es gibt viel zu erzählen, die Stimmung ist total angenehm und ich mal wieder total dankbar dafür, dass ich so viele wunderbare Menschen in meiner Umgebung habe, mit denen ich gerne Zeit verbringe. Und das was heute noch in meinem Kopf ist, was als Erinnerung bleibt, was der Seele gut tut sind die Geschichten von 43 Jahre Ehe und unglaublich vielen Berufsjahren als Pastor. Ich war so fasziniert und ja glücklich zu hören, was Gott schon alles im Leben dieser zwei Menschen bewirkt hat. Nie einfach, nie ohne Krisen, nie ein Spaziergang. Aber immer in Verbindung mit Gott, immer in dieser außergewöhnlichen Beziehung mit dem Unsichtbaren, der im Leben von Menschen sichtbar wird. Gestern habe ich der Fülle von Erfahrungen einer anderen Generation gelauscht. Es hat mich ermutigt, es hat mich glücklich gemacht und so dankbar!!!

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Han a Lichtle im Laternle

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Ich liebe Traditionen. Ich weiß, dass diese den Ruf haben langweilig und abgedroschen zu sein. Aber sie geben auch das Gefühl von Heimat, von Halt, von Identität. Und die Lehrerin meiner Tochter vervollständigt das Ganze noch mit dem Lied:

Han a Lichtle im Laternle, scheint so hell fascht wie a Sternle. Kommt dr Wind ond blost mers aus und i steh vorm finstra Haus.
Wenn des Lichtle im Laternle wieder ogoht wie a Sternle, trag is hoim mit voller Freud un des sehet alle Lait.

Ich gebe zu, dass ich ein Ohr darauf habe, dass meine Töchter nicht zu sehr ins schwäbeln kommen. Aber das Lied feiere ich. Und ich feiere Laternenumzüge und Laternen mit echten Kerzen und Laternenlieder und die Dunkelheit. Was wäre der Herbst ohne die Laternenumzüge. Das war schon in meiner Kindheit so, das ist in der Kindheit meiner Kinder so und das hoffe ich auch für die Kinder meiner Kinder. Dass sie auch in einem so friedlichen Land leben und mit ihren Laternen singend durch die Straßen ziehen. Wunderschön, dankbar dafür!!!

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23.06 Stunden

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Heute Morgen habe ich nach dem Aufstehen meinen Wecker für den morgigen Tag gestellt. Er gab mir die Meldung: in 23.06 Stunden klingelt dieser Wecker. Cool, oder? Mir hat das so gefallen, dass ich jetzt ganz bewusst 23.06 Stunden meines Lebens vor Augen habe und Möglichkeiten sie zu gestalten. Aktuell sind noch 7 Stunden und 26 Minuten übrig. Keine Ahnung warum mich das gerade so fasziniert, aber es gefällt mir so. Und was habe ich gemacht? Milchkaffee getrunken und den wunderschönen Text 1.Korinther 13 aus der Bibelübertragung >willkommen daheim< gelesen. Meine Mädels gedrückt, geküsst und versorgt. Mit meinem Mann nette Handynachrichten geschrieben. Im Jobcenter mit einer iranischen Familie gewesen. Bei Aldi eingekauft, gekocht, Wäsche gewaschen und aufgehängt, dabei wunderbare Musik gehört. Im Internet nach einem neuen Staubsauger gegoogelt und mit tollen, mir aber fremden  Menschen telefoniert, weil wir als Team gerade eine Feierlichkeit vorbereiten und Unterstützung brauchen. Über eine Bemerkung von jemandem nachgedacht, die mich echt getroffen hat und dann aber wieder inneren Frieden gefunden. 2 Schubladen aussortiert und mit meinen Mädels lesen geübt und ein Diktat. Muffins gebacken und mich so über die Lieferung eines Lichternetzes gefreut mit dem ich das Himmelbett in unserer neuen Wohnung gestalte. Den Rücken des Pferdes meiner Tochter genäht. Nichts aufregendes, einfach 16 Stunden meines Lebens. Nichts besonderes. Das ist meine Leben, mein Alltag, das bin ich. Ich bin dankbar für diese Stunden, für die Einfachheit der Dinge und die letzten Stunden von den 23 werde ich die meiste Zeit schlafen. Das Bewusstsein für meine Zeit hat mich heute sehr dankbar gemacht. Geschenkte Zeit, weil ich keine Minute hinzufügen kann – ich kann sie nur gestalten.

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geschriebene Geschichten

In der letzten Woche habe ich so viele Menschen getroffen. Menschen und ihre Lebensgeschichten.

Eine iranische Freundin, die nun endlich eine Wohnung hat. Ihre Geschichte ist gezeichnet von vielen falschen Vorstellungen und Erwartungen wie es hier in Deutschland sein würde. Sie hatte es schwer und hat es immer noch schwer weil sich von heute auf morgen nicht alles zum Guten wendet.

Die Schlüsselübergabe haben zwei ältere Herren mit uns gemacht. Ihr schwäbisch war so intensiv, dass selbst ich sie kaum verstand und irgendwann einfach lächelnd nickte mit dem Hintergedanke, dass ich das mit den Nachtspeicheröfen noch einmal meinen Mann fragen muss. Auch sie haben ihre Geschichte, haben schon viel erlebt und sind auf eine besondere Weise geprägt.

Im Jobcenter der Sachbearbeiter war unheimlich freundlich. Wenn ich mit einer meiner neuen Bekannten in der Schlange stehe hoffe ich auf die Sachbearbeiter, die sich in diesem Beruf eine Freundlichkeit, eine angenehme Professionalität bewahren konnten. Was wohl seine Geschichte ist. Wartet jemand auf ihn wenn er nach einem Arbeitstag nach Hause kommt? Was lässt ihn bei all den Herausforderungen so optimistisch erscheinen?

Die Frau vor mir in der Schlange beim Einkaufen hat verfilztes ungewaschenes Haar. Auf dem Band sind ausschließlich Bierdosen, die sie mit Kleingeld bezahlt. Wie ist es dazu gekommen? Was hat ihr das Gefühl gegeben das Leben nicht meistern zu können ohne das Flüssige das sie direkt vor der Tür in sich hinein kippt? Wann hat sie das letze Mal gehört, dass sie wichtig ist? Dass sie geliebt wird? Das auch ihr Leben eine Bedeutung hat? Wie würde der Titel des Films heißen, wenn man ihre Geschichte in bewegten Bildern festhalten würde?

Die Begrüßung der Erzieherinnen ist immer so herzlich, wenn die Kinder den Gruppenraum betreten. Meine Tochter geht so gerne hinein, da wo diese positive zugewandte Atmosphäre herrscht, die nicht eine schöne Einrichtung, sondern das Wesen von Menschen macht.

Meine Freundin, die in einer ähnlichen Lebenssituation ist wie ich und doch gehen wir sehr unterschiedlich mit Gegebenheiten um. Meine Freundin, die ihre Tochter alleine großzieht. Der Vater eines Klassenkameraden meiner Tochter mit dem ich auf dem Parkplatz in ein kurzes Gespräch komme. Die Leute, die uns anrufen weil sie glauben, dass wir Wohnungen haben, die wir verteilen können. Die Vermieterin, die nun die zweite Familie aus einem anderen Land und einer anderen Kultur in ihr Haus aufnimmt, eine Wohnung vermietet. Eine so hübsche ältere Frau. So will ich sein, wenn ich älter werde…

Sie alle und noch viele andere haben ihre Lebensgeschichte, die von guten und schlechten Zeiten geprägt ist, von Höhen und Tiefen, von Errungenschaften und Niederlagen. Und alle gehen wir anders mit unserem Leben um, reagieren anders, fühlen anderes, lieben anders.

Heute Abend habe ich Einblick in die Geschichte von Martin Dreyer bekommen. Dem Autor der Volxbibel. Eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, voller Errungenschaften und Niederlagen. Eine Geschichte der Versöhnung!!! Ich bin so dankbar für diese wundervolle Lesung und dass er seine Geschichte teilt. Seine Geschichte macht mir Mut, inspiriert mich und stärkt mein Vertrauen. Gott ist der, der Leben ins Leben ruft und der Geschichten schreibt. Wundervolle Geschichten, versöhnte Geschichten, Gnadengeschichten, einzigartige Geschichten, Liebesgeschichten, Lebensgeschichten. Ich bin dankbar für all die Menschen in der vergangenen Woche, bin dankbar für den heutigen Abend. Bin dankbar!!!

 

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eine Versöhnungsgeschichte

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„Bist du heute traurig?“ fragt meine Mittlere. „Warum?“ will ich wissen. „Na, weil dein Geburtstag schon rum ist.“ Nein, ich bin nicht traurig. Im Gegenteil. Es gibt einen Tag im Jahr an dem man besonders viele nette Dinge hört. Worte, die der Seele gut tun, Worte, die in meinem Gedankenbuch aufgeschrieben werden, Karten, die aufbewahrt werden. Wieder ein Jahr vergangen. Mein Blog ist jetzt 3 und ich 37 Jahre alt. Und weil ich tolle Freundinnen habe kam ich erst letztens mit einer darüber ins Gespräch, dass wir nicht zu denen gehören, die nochmal 18, 20 oder 25 Jahre sein wollen. Ich habe in den letzten Jahren so viel über Gott und mich gelernt, dass ich nicht zurück will – auch nicht in Gedanken. Ich mag mein Alter, mag was in den einzelnen Jahren entstanden ist, auch wenn ich mittlerweile jeden Morgen einzelne graue Strähnen aus meinen Haaren schneide. Ich mag es zu lernen gerne mit mir selbst unterwegs zu sein. Denn mich selbst nehme ich überall hin mit. Mein Vortrag „Aufrichtig leben – von Stärken und Schwächen“ konnte ich dieses Jahr zum ersten Mal halten. Ich brauchte Zeit es erfahrbar zu machen, was bedeutet es, gerne mit mir selbst unterwegs zu sein? Es bedeutet für mich anzuerkennen, dass ich Geschöpf bin und auf die Wahrheit zu vertrauen, dass ich sein darf, auch wenn Menschen mich nicht wollten. Gott wollte und er hat das erste Wort – dann wenn er ins Leben ruft, noch bevor jemand von dem heranwachsenden Leben weiß. Und Gott hat das letzte Wort über Selbstzweifel, Anklagen, unversöhnt sein. Meinen Wert muss ich mir bei ihm nicht erarbeiten und nicht rechtfertigen. Er wollte – ich bin. Ende der Geschichte. Und ich mag es mich in seiner gnädigen Gegenwart meinen Schwächen zu stellen, ein langsames Ja zu ihnen zu finden, denn sein Ja gilt auch meinen Schwächen, wieso sollte ich sie dann verneinen. Nein, ich meine kein trotziges: So bin ich eben und ihr alle müsst jetzt sehen wie ihr damit zurecht kommt. Nein, ich meine das versöhnte „Ja“, das: ich kann meine Schwachstellen angucken und benennen und lerne so einen Umgang mit ihnen. Es ist ein Weg, ein langer, ein steiniger, ein lohnenswerter. Mal sehen was das neue Lebensjahr bringt. Hoffentlich ganz viele Berührungspunkte mit Gott. ich bin so froh in seiner Gegenwart, so entspannt. Es gibt diesen Spruch: „Wer seine Identität finden möchte muss mit seinen Wurzeln versöhnt sein.“ Meine Wurzeln liegen in Gott und mit ihm war ich lange unversöhnt und damit Identitätslos. Ich bin dankbar für Gottes echte Liebe, für das Sein dürfen in seiner Gegenwart, für das Willkommen, dass er jeden Morgen ausspricht. Es ist eine Geschichte der Versöhnung und Gott geht ist den ersten Schritt gegangen – auch heute Morgen. Meine Identität ist in ihm verwurzelt. Dafür bin ich dankbar!!!

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Hausfrauenmomente

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Sie haben so einen schlechten Ruf und entlocken uns immer wieder seufzen und Augen verdrehen, aber ich mag sie mittlerweile richtig gerne. Wenn ich am Montagmorgen die Armaturen von unserem Bad einsprühe, dann fangen an sich meine Gedanken im Kopf zu sortieren. Ideen für Vorträge entstehen jetzt und auch das Projekt, das ich gerade vorbereite ist gedanklich beim Wäsche aufhängen oder beim Boden wischen entstanden. So genau kann ich das nicht mehr sagen. Bevor ich Kinder hatte fand ich putzen super ätzend. Dann kamen meine Kinder und ich entwickelte die Kunst zu putzen während immer jemand auf meinem Arm war oder zwischen meinen Füßen herum lief oder mir zur Hilfe eilte. Jetzt sind meine Kinder morgens in der Schule und im Kindergarten. Und Montagmorgen bin ich mit meinen Putzlappen verabredet. Kein Mensch weiß wie sehr ich es genieße einen Boden zu wischen und danach trocknet er vollständig bis ich wieder ins Bad gehe. Kein Mensch kennt dieses tolle Gefühl, wenn man weiß, dass alle Mülleimer in der ganzen Wohnung zur selben Zeit leer uns sauber sind. Keiner kann sich so an den Spuren freuen, die der Staubsauger auf dem Boden hinterlässt, wenn alle Krümel weggesaugt sind… Ich mag meine stupiden Hausarbeiten. Sie lassen mich irgendwie zur Ruhe kommen, lassen kreative Ideen entstehen und geben mir ein kurzes Gefühl der Zufriedenheit. Alles sauber für ca. 20 Minuten, weil ich dann meine Töchter wieder abholen muss. Es sind die 20 Minuten in denen ich mich bei spontanem Besuch nicht entschuldigen würde… Schöne 20 Minuten, schöne Hausarbeit. Der Vorteil der Dankbarkeit ist, das sie nicht bewertet nach Wichtigkeit oder Nichtwichtigkeit, nach kleinem Moment oder großem Augenblick. Sie ist einfach da – überraschend und spontan. Beim Putzen zum Beispiel am Montagmorgen.

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eine Sammlung

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Dankbarkeit bleibt das Sammeln von Momenten, das Füllen des Dankestankes mit vielen kleinen Begebenheiten, bedeutet mit offenen Augen Kleinigkeiten zu entdecken, bedeutet achtsam zu sein, langsamer zu werden, aufmerksam… In den Dankestank kommen heute: der wunderbare Satz aus meinem aktuellen Lesefavorit: „Wer ruht, entwickelt ein Gehör für die schwachen Signale, die aus seinem Inneren kommen.“ Warme Leggings für die Mädels kaufen. Stille am Morgen und die chillige Musikplaylist am Abend. Vorfreude auf den Vortrag morgen Abend. Abends eine saubere Küche. Duftende frische Wäsche. Ein Gespräch mit einem befreundeten Afghanen, der schon ziemlich gut deutsch kann und mir etwas aus seiner Kultur erklärt. Eine weitere Schublade entrümpelt. Gott bitten. Gott danken. In Gottes Gegenwart sein. Ein Brief geschrieben, ich liebe das Geräusch beim Schreiben auf das Papier. Küsse und Umarmungen von meinen Töchtern. Die Freundlichkeit der Kassiererin. Dankbarkeit ist ein Tu-Wort, Dankbarkeit ist eine Sammlung…

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Nervenkitzel

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Wer meinen Blog schon länger liest weiß wie sehr ich diese Alltagsepisoden liebe. Situationen, die einfach vorbeistreifen könnten, aber indem ich sie wahrnehme bekommen sie eine Bedeutung und werden zu einem Sinnbild, einem Beispiel, einer Alltagslektion.

Eines der liebsten Spiele meiner Töchter gerade ist, dass eine die Augen schließt und die andere führt. Das machen sie an bekannten und unbekannten Orten. Am liebsten lässt sich meine Mittlere von meiner Jüngsten führen. Sie scheint den Nervenkitzel zu lieben, denn sie knallt innerhalb von kürzester Zeit irgendwo dagegen. Und jedes Mal ist meine Jüngste total überrascht. Das ist so süß!!! Denn sie versteht nicht, dass sie an der Hecke vorbei läuft und ihre Schwester mit ca 30 cm Abstand von ihr in die Hecke reinläuft. „Ich habe sie doch an der Hand. Ich bin doch auch vorbei gekommen,“ sie schaut mich mit großen Augen an. Ich erkläre ihr in möglichst einfachen Worten, dass das ihre Perspektive ist. Die ihrer Schwester ist zwar fast gleich, aber eben nur fast und das Hindernis, das für sie zwar sichtbar aber kein Problem darstellt wird zur Stolperfalle für die andere.        Wir sind wieder unterwegs. Diesmal ist es ein Schild, das im Weg stehen könnte für die mit den geschlossenen Augen. Aber meine Jüngste lernt dazu und manövriert sie geschickt um das Hindernis herum. Sie hat sich darauf eingelassen die Position der anderen einzunehmen und nicht nur die eigene zu sehen.

Wofür ich dabei dankbar bin? Ich urteile manchmal über andere, weil ich die Situation nur aus meiner Perspektive betrachte. Es ist nur mein Horizont, meine Sicht der Dinge, mein Blickwinkel… Das Beobachten meiner Mädels hilft mir heute sehr, gnädiger in einer bestimmten Situation zu sein. Denn der andere, selbst wenn es nur 30 cm weiter ist, hat einen anderen Horizont vor Augen, eine andere Sicht, einen anderen Blickwinkel. Und es ist nicht meine Aufgabe über den Seinen aus meiner Perspektive zu urteilen. In dieser Situation fällt mir das gerade sehr schwer, aber ich will es üben. Und meine Mädels haben mir heute dabei geholfen. Dankbar dafür!

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Trostpflaster

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Eine Freundin und ihre Töchter besuchen. Reden, Kaffee trinken, gemeinsam essen, den Kindern beim Lachen zuhören… Unsere Gespräche werden schwieriger, intensiver – überhaupt habe ich in den letzten Tagen viele Gespräche geführt. Um Probleme zu lösen, aber bis jetzt haben sich die Probleme noch nicht verflüchtigt. Um Ursachen und Gründe zu finden, bis jetzt sind sie noch verborgen. Und auch meine Freundin reiht sich ein und erzählt mir von den Herausforderungen in denen sie steht und ich weiß auch keinen Rat. Und sie erzählt mir von den Herausforderungen in denen ihre Nachbarinnen stehen… In den letzten Monaten sind 3 weitere Frauen Alleinerziehende geworden in tollen Häusern mit schönen Gärten. Wir reden über Verletzungen und innere Nöte über Ängste und Ungerechtigkeiten. Ich merke, dass es mir immer schlechter geht während wir reden, weil ich so traurig bin. Sind wir nicht alle Menschen, die geliebt und geachtete werden wollen, verstanden und ermutigt? Wünschen wir uns nicht alle einen Platz an dem wir schwach sein dürfen und gehalten werden, an dem wir Fehler machen dürfen ohne verurteilt zu werden?

Wir müssen los, wollen ihrer großen Tochter noch bei einem Auftritt zusehen. Meine Mädels wollen unbedingt bei ihr im Auto mitfahren. Deshalb habe ich 20 Minuten Zeit, alleine im Auto von carsharing. Ich fahre los, meine Hand sucht das Radio. Es ist kein Sender programmiert, außer Rauschen kommt da nicht viel. Ich bin so unruhig, hoffe auf Musik, die mir gefällt und die ich schön laut aufdrehen kann. Ich brauche jetzt diese Musik um all die unruhigen Gedanken, all die pochenden Fragen zu übertönen. Ja, meine Gedanken können laut sein, aber Musik noch viel lauter. Aber da ist nur dieses Rauschen und der leise Impuls: „Ich will euch trösten…“ Ich schalte das Radio ab und lasse meinen hilflosen Gedanken in lauten Gebeten freien Lauf. Ich stelle meine Fragen, äußere meine Mutlosigkeit und frage ängstlich und ehrlich: „Entgleitet dir denn nicht alles, Vater? Großer Gott, wo bist du in all dem?“ Schon im Aussprechen merke ich wie ich ruhiger werde, weil ich weiß, dass ich gehört werde. Mein Gedanken sind nicht mehr ganz so finster und es taucht das wunderbare Lied auf:

Du bist mein wunderbarer Hirt, der mich zum frischen Wasser führt… Du bist mein Stecken und mein Stab. Und wandre ich im dunklen Tal fürcht ich kein Unheil mehr, denn du bist hier bei mir, bei mir… An deiner Hand wird meine Seele still, sie wird still…Ich komm, ich komm an deinen Tisch. Ich komm, ich komm, ich bin gewiss – du bist mein wunderbarer Hirt. Lothar Kosse

Ich kann weder gut singen noch fällt mir der ganze Text ein, aber ich werde getröstet. Nicht in dem ich meine lauten Gedanken durch noch lautere Musik versuche zu übertönen, sondern in dem ich sie laut werden lasse und dem bringe an den ich glaube. Und der sie einbettet in ein wunderschönes stilles Lied. Da sind nicht Antworten und Lösungen auf dem Silbertablett, aber da ist Trost und da ist Friede. Wenn Menschen mit einem schiefen Lächeln sagen, dass nur schwache Menschen einen Gott und Glauben als Trostpflaster brauchen, dann stehe ich dazu, ich bekenne: „Ich bin schwach.“ Ich verstehe so vieles nicht, es überfordert mich, es macht mich zutiefst traurig. Gott ist so vieles – groß und wunderbar, mächtig und allwissend, zu fürchten und liebevoll, gnädig und voller Schönheit. In den 20 Minuten Autofahrt war er mein Trostpflaster. Und für diesen Trost den ich in der Begegnung mit ihm erfahre, für diesen inneren Frieden bin ich unendlich dankbar!!!

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Feste feiern

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Die Muffins sind gebacken. Nur noch Schokolade schmelzen, Zuckerperlen verteilen, eine Decke auf dem Fußboden ausbreiten, das gute Geschirr heraus holen, die Geburtstagsgäste in Form von Kuscheltieren einladen und dann kann gefeiert werden. Es ist nun schon das dritte Jahr in dem wir in den Herbstferien den Geburtstag von den Puppen meiner Töchter feiern. Und obwohl sie alle drei im Moment sehr unterschiedlich sind und meine Größte gerade dringend das Bedürfnis hat sich von ihren Schwestern abzugrenzen, sitzen wir vereint auf der Decke in unserem Wohnzimmer, packen die Geschenke für die Puppen aus und plaudern darüber worüber Mamas eben so reden. Diese schöne Atmosphäre, diesen Frieden habe ich genossen und die Tatsache, dass wir Feste feiern können wie sie fallen. In all dem Geschwisterhin und her und meiner ungeduldigen Hilflosigkeit habe ich diesen Anlass und dieses Fest sehr genossen. Ich bin dankbar für meine 3 Mädels, dankbar für gemeinsame Interessen, dankbar für die Ferien, dankbar, dass sie die Möglichkeit haben zu spielen, dankbar, dass sie in einem friedlichen Land aufwachsen…dankbar!!!

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Schattentage

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Die Dankbarkeit ist eine treue Begleiterin auch an den Tagen an denen es mir nicht gut geht. Themen, die in meinem Kopf herumschwirren, meine Gefühle massiv beeinflussen und ich Situationen aushalten muss, weil die Veränderung nicht in meiner Macht steht. Ich bin ein emotionaler Mensch und musste für mich erst lernen, dass zu mir nicht nur die Fröhlichkeit und Freude und Begeisterung gehört, sondern auch Melancholie, Traurigkeit, Schattentage. Und über Jahre, nein Jahrzehnte dachte ich dagegen etwas unternehmen zu müssen. Es kam mir so lange wie eine furchtbare Schwäche vor, die es gilt zu beseitigen. Die Frage ist wofür ich an diesem Tag dankbar bin? Ist es nicht undankbar so zu fühlen? Nein, denn die Dankbarkeit basiert auf bestehende Tatsachen nicht auf ein Gefühl. Und bestehende Tatsache ist, dass ich lerne mit diesen Schattentagen umzugehen. Ich kämpfe nicht diesen aussichtslosen Kampf, der darin mündet, dass ich mir selber vorwurfsvoll begegne. Ich lerne „Ja“ zu diesen Schattentagen zu sagen. Und mit diesem „Ja“ lerne ich auch mit diesen Tagen umzugehen. Heute treffe ich keine wichtigen Entscheidungen für meine Familie oder mich – zu groß der Minderwert. Heute gehe ich kein neues Projekt an – zu laut die Selbstkritik. Heute denke ich nicht über theologische Fragen nach – zu klein der Glaube. Heute gehe ich nicht unter Leute – zu groß die Sorge mich im Gespräch angegriffen zu fühlen. Heute werde ich mit meinem Mann (der gerade sowieso nicht da ist) nichts besprechen, diskutieren – die Gefahr, dass ich ihm zu unrecht Vorwürfe mache ist groß. Heute bin ich nicht in den sozialen Netzwerken unterwegs – zu schwierig auszuhalten, dass so viele Menschen so unglaublich begabt und erfolgreich sind. Heute ist Igeltag. Zwei meiner Töchter sind auf einem Geburtstag eingeladen, ich backe mit meiner Jüngsten Muffins. Ich kaufe mir einen Blumenstrauss, weil ich Blumen auf dem Esstisch so liebe. Meine Füße stecke ich abends in eine Schüssel voll heißem Wasser mit einem so wunderbar duftenden Badezusatz. Ich igel mich ein – innerlich und äußerlich so gut es geht. Ich lerne gnädig mit mir zu sein und damit auch mit anderen, die sich schwach fühlen. Und ich halte daran fest, dass Gott mich hält auch wenn ich loszulassen scheine. Dass ich mit meinen Schattentage mittlerweile so umgehen kann… dafür bin ich dankbar. Und ich teile diesen Artikel mit all denen, die diese Schattentage auch kennen… Schattentage sind langsame Tage – irgendwie auch schön.

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