Immer wieder in meinem Alltag, an einzelnen Tagen, in meinem Leben feiere ich das Sprechen, die Sprache. Worte, die in unterschiedlicher Reihenfolge aneinander gereiht unterschiedliche Bedeutungen haben. Z.B.: „Du kannst dich auf mich verlassen.“ oder „Du hast mich verlassen.“ Ist das nicht der Hammer? Der eine Satz drückt großes Glück aus, Liebe, Treue, Vertrauen. Im zweiten spiegeln sich verletzte Gefühle, enttäuschtes Vertrauen, Unsicherheit wieder. Gefühle, die verstanden werden können, weil sie in Worten zum Ausdruck kommen. Situationen, die fast miterlebt werden, weil sie in der Beschreibung der erzählenden Person so lebendig werden, dass man sich mit freut, trauert, betroffen oder glücklich ist. Und am meisten fasziniert es mich, wenn Menschen zu einer ganz anderen Zeit gelebt haben, ein komplett anderes Umfeld ihr Zuhause nannten und ich sie nie kennenlernen werde, weil sie schon verstorben sind. Aber ihre Texte scheinen in mir weiter zu leben, weil sie damals ausgedrückt haben, was ich heute fühle. Ein Text von Anselm von Cantebury, ein Philosoph und Theologe, der 1033 geboren 20161019_202543_20161115212545215_20161115213858447-1wurde hat es mir besonders angetan. Ich finde keine Worte für mein momentan herrschendes Innenleben in einem ganz bestimmten Thema. Brauche ich auch nicht, er hat sie schon gefunden – vor ein paar hundert Jahren. Und ich lese diesen Text und fühle mich verstanden. Und ich lese diesen Text und ich werde ruhiger, weil er zum Ausdruck bringt, was ich fühle und mir zuspricht, was ich gerade brauche. Dankbar für Worte, Ausdruck und Sprache.

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