Spekulation und Fakten

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Einkaufen, viele Menschen, spürbare Hektik, dann kurzes Innehalten. Denn während ich meinen Einkaufszettel abarbeite, höre ich eine freundliche Stimme, die behutsam mit jemandem redet. Ich drehe mich um. Mutter und Tochter. Die Tochter ist kein Kind mehr, es ist zwar schon später Nachmittag, aber ihre Haare sitzen immer noch ordentlich, das Kostüm und die hohen Absätze zeugen davon, dass sie von der Arbeit kommt. Ihre Mutter ist keine junge Frau mehr, ihre wuschelige Frisur und die Jogginghose lassen vermuten, dass sie bis eben noch auf der Couch saß. Die Regale laufen sie gemeinsam langsam ab. Es wird klar, dass die Tochter mit ihrer Mutter einkauft und nicht ihren eigenen Einkauf erledigt. Ich gebe zu nach ca. 30 Sekunden wäre ich eher genervt gewesen. Denn die ältere Frau überlegt sich bei allen möglichen Sachen, ob sie sie einkaufen soll. „Vielleicht habe ich nicht richtig geschaut und ich habe doch noch genug davon Zuhause.“ sagt sie. Beruhigendes antworten der Tochter: „Komm wir schauen auf das Haltbarkeitsdatum. Wenn du das jetzt kaufst machst du nichts falsch. Es hält noch sehr lange.“ So arbeiten sie sich vor. Absolute Faszination für diese Tochter. Wo bitte nimmt sie kurz vor dem Abend noch so viel Geduld her? Es ist so schön sie zu beobachten, weil ich das Gefühl habe, dass sich die Tochter dafür nicht anstrengen muss. Sie scheint sich heute vorgenommen zu haben, dass sie mit ihrer Mutter einkaufen geht und das hat Priorität. Das entspannte Bad, der verlockende Film im Fernsehen, das gemütliche Essen daheim. Scheinbar kann sie ihre Bedürfnisse hinten anstellen um respektvoll, freundlich und geduldig mit ihrer Mutter einkaufen zu gehen. Ich habe nicht mit den beiden gesprochen, deshalb ist hier so einiges Spekulation, aber dass sie sich von allen anderen abhob durch diese Gelassenheit und Freundlichkeit, das ist Fakt. Und es war ein schön zu beobachtender Moment für den ich heute sehr dankbar bin.

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das wagen feiern

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Oh, ich habe einige Reaktionen von euch auf meinen letzten Beitrag bekommen und stelle fest: Mails schreiben einige von euch lieber als ein Kommentar. Danke dafür und auch danke für die, die sich immer mal wieder in den Kommentaren äußern. Es ist einfach schön, wenn man mitbekommt, das etwas Geschriebenes in einem von euch etwas anstößt oder bewegt. Neid war jetzt solch ein Thema und ich habe dazu ein paar Gedanken und überlege ob ich die auch in ein Video packen soll? Oder ist das zuviel? Was denkt ihr? Ich könnte über das Thema sprechen… Ihr wisst ja, ich schreibe nicht nur gerne, sondern rede auch gerne…  (post@alltagsstueckwerk.com)

heutiger Dankesmoment: das Wagen feieren

Besorgungen machen in der Stadt. Ich treffe eine Erzieherin meiner Tochter aus dem früheren Kindergarten. Sie ist noch in der Ausbildung, aber keine 20 Jahre mehr alt sondern über 50. Ich freue mich so sie zu sehen, denn unser letztes Gespräch ist ca. 1 1/2 Jahre her. „Wie geht es Ihnen?“ frage ich. Sie seufzt. Vor ihr liegen die letzten Prüfungen bis zu ihrem Abschluss. Sie hat Sorge nicht zu bestehen, denn ihre letzten Prüfungen liegen ca. 30 Jahre zurück. Sie hat 2 oder 3 (ich weiß es nicht mehr genau) Söhne geboren, sie umsorgt und groß gezogen, hat sich hinten angestellt und ihrer Familie den Vorrang gegeben. Hat ihre Söhne durch die Schulzeit begleitet und sie auf Prüfungen vorbereitet. Und als diese groß sind, ihre eigenen Wege gehen schlägt auch sie noch einmal einen ganz neuen Weg ein. Die Ausbildung zur Erzieherin, ein lang gehegter Wunsch. Ja, sie ist über 50 und ja, sie ist die Älteste in der Klasse und ja, sie weiß nicht ob sie besteht. „Was mach ich, wenn ich scheitere?“ steht fragend in ihren Augen. „Habe ich mir zu viel zugetraut? War ich zu optimistisch?“ Erst auf dem Heimweg fällt mir eine Antwort ein, die leider unausgesprochen bleibt (aber die ich dir jetzt schreibe). „Wenn Sie die Prüfung nicht bestehen (was ich nicht glaube), dann feiern Sie sich trotzdem. Laden Sie ihre Familie und Freunde ein und feiern Sie. Denn Sie sind nicht gescheitert. Sie haben einen großen Schritt gewagt, sind los gegangen, haben sich darum bemüht einen Traum wahr werden zu lassen.“ Warum geht es bei uns so viel darum welches Ergebnis wir hervor bringen? Sollten wir uns nicht schon dann freuen, wenn wir etwas wagen auch wenn wir nicht wissen ob wir es schaffen. Und wovor haben wir Angst, wenn es uns nicht gelingt? Vor den Blicken der anderen die denken könnten: Habe ich gleich gesagt, die schafft das nicht die ist zu alt, zu groß, zu unsportlich, nicht begabt, sie ist allein, zu schüchtern, zu vorlaut… Aber können wir nicht die Blicke der anderen kurz in Kauf nehmen und dann wieder den Blick ins Spiegelbild wagen uns zulächeln und sagen: Aber ich habe es versucht. Nicht den vorwurfsvollen Blick im eigenen Spiegel. „Ach hätte ich doch, vielleicht wäre es gut gegangen?“ Nicht das Ergebnis ist entscheidend, sondern das wagen, mutig sein, vorwärts gehen… Ich habe keine Ahnung, ob sie ihre Prüfungen bestanden hat. Aber ich feiere sie jetzt schon, weil sie nicht scheitert, sondern etwas gewagt hat, ihre Komfortzone verlassen hat… egal wie die Ergebnisse sind. Sie ist mir ein wundervolles Vorbild. Für diese Begegnung bin ich heute dankbar!!!

 

 

 

 

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Steckenpferde

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Über Jahre, Jahrzehnte war ich die Meisterin des Vergleichens. Das ist natürlich nichts mit dem man sich rühmen kann, aber es gehörte zu einem meiner Grundgefühle immer zu glauben zu kurz zu kommen. Das Vergleichen hat mich neidisch gemacht. Es ist eine Art Stich, die da in mir hochkam, der dann zu einer zermürbenden Gedankenspirale wurde. Sehr anstrengend und steht unbeschwerten Beziehungen echt im Weg. Mit der Dankbarkeit hat sich das wirklich verändert. Das ist eine so wunderbare Nebenwirkung mit der ich gar nicht gerechnet hatte.

Aber ich will ehrlich zu euch sein. Es ist nicht gänzlich verschwunden. Ich kenne dieses Gefühl immer noch, diesen Stich. In der vergangene Woche zum Beispiel als ich eine schöne Frau hinter dem Steuer eines wunderschön schwarzen Nissan Qashqai gesehen habe. Tolle Haare, tolle Haut, tolles Auto, tolle Frau. Gut, mit meinen Haaren gehe ich echt ungern zu Friseuren, das mache ich lieber selbst, aber ich würde echt gerne einmal im Monat zur Kosmetikerin gehen und einen Nissan Qashqai fahren … Ein anderes Dauerthema in mir ist der fehlende Garten. Grün, eine Oase mit Obstbäumen, Hortensien und üppigen Rosen. Ich habe wunderschöne Ecken gestaltet in denen ich abends sitze und lese oder meine tollen Freundinnen einlade, die dann erholt aus meiner Gartenoase zurück in ihren Alltag gehen… Oder der Stich kommt auch dann, wenn in den Pfingstferien gefühlt alle in den Urlaub fahren und wir hier sitzen… Das sind meine Steckenpferde.

Was schön daran ist ist, dass ich zwar den Stich noch erlebe, aber diese zermürbenden Gedanken nicht mehr. Das ist echt wahr. In solchen Momenten stößt der Neid auf einen vollen Dankestank der in meiner Seele Zuhause ist und ich dann auf diese innere Ressource der grundsätzlichen Dankbarkeit zurückgreifen kann. Unbewusst. Es ist so schön, dass ich es wahrnehme und auch benennen kann, aber das die Gedanken mich nicht dauerhaft ins negative ziehen. Ich habe keinen Garten mit einem Obstbaum, aber ich habe in dieser Woche zweimal Kirschen von meiner Freundin bekommen. Ich fand es so schön, dass sie an mich gedacht hat. Das schenkt mir so viel Wertschätzung. Gestern Abend klingelt es an meiner Tür. Dann ist es der Nachbar von gegenüber, den ich grüße, aber bis jetzt noch nicht so richtig gesprochen habe. Zwischen uns liegt eine große stark befahrene Hauptstraße. Er kommt und bringt mir eine ganze Tüte Kirschen. Ich wusste gar nicht wie ich mich bedanken sollte. Ich fand das so nett!!! Vielleicht wird es den Anflug von Neid immer wieder in meinem Leben geben. Es gibt eben so bestimmte Punkte, die mich triggern, aber das ermutigende daran ist ich lerne damit umzugehen, er bestimmt mich nicht und den Rest meines Tages oder sogar der Woche (habe ich alles schon erlebt). Und manche Dinge bleiben Träume, deren Wirklichkeit noch werden kann: einen Garten zum Beispiel… Und bis es so weit ist lass ich mir die Freude am Tag nicht nehmen und meine Dankesmomente des heutigen Tages habe ich schon notiert. Damit nicht der Neid die Oberhand gewinnt…

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großartige Kleinigkeit

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Die kleinen Beine treten fest in die Pedale, die größeren Beine auch. Die Haare wehen unter den Fahrradhelmen, in der Luft liegt eine süßlicher Geruch. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel und ich kann mir gerade schlecht vorstellen, dass irgendwann wieder der Winter kommt. Ich bin glücklich wenn ich mit meinen Töchtern Fahrrad fahre. Dankbarkeit ist unzählige Kleinigkeiten festhalten. Aber so klein ist es gar nicht, dass ich drei wunderbare Töchter habe, dass sie sich entwickeln, dazu lernen und ich Unterstützerin und Zeugin sein darf. Denn über Jahre saß immer ein Kind auf dem Fahhradsitz oder im Fahhradanhänger. Seit letztem Jahr kann nun auch unsere Jüngste Fahrrad fahren und wir erledigen viele Dinge mit unseren Rädern. Das ist so schön. Dafür bin ich so dankbar.

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Tränen & Lächeln

Diesen Beitrag wollte ich vor einer Woche veröffentlichen. Aber ich brauchte irgendwie Zeit um wieder zu lernen mit unbeantworteten Fragen umzugehen. Denn während ich in der fröhlichen und hoffnungsvollen Geburtstagsrunde saß, ist der Vater einer lieben Freundin gestorben. Das wusste ich in dem Moment noch nicht. Während wir feierten, trauerten andere um einen lieben Menschen und tun es immer noch. Das tut mir so leid. Es liegen Freude und Leid, schöne Momente und Schmerz so dicht beieinander. Das anzunehmen und zu akzeptieren ist Schwerstarbeit. Ich denke an meine trauernde Freundin und freue mich mit an dem nachstehenden Dankesmoment von letzem Mittwoch…

Dass mir in einer Runde von 10 Leuten die Tränen kommen – ich weiß nicht wann mir das das letzte Mal passiert ist. Aber es waren keine Tränen der Trauer, sondern des Überwältigt seins. Mit Freunden fahre ich zu einem Geburtstag. Letztes Jahr saßen wir um diese Zeit zusammen in ihrem Garten und haben gefeiert. Den runden Geburtstag, den 50., bei Sonnenschein und Brunch. Dieses Jahr fahren wir zu ihr ins Krankenhaus. Nein, es ist kein trauriger Anlass mehr. Das war er vor ein paar Wochen, der Krankenhausbesuch. Auf der Intensivstation. Warten bis das Pflegepersonal einen vom Flur abholt, sich einpacken in Schutzkleidung wegen der Keime. Und dann liegt sie da. Sie sieht nicht aus wie sie selbst. Ich bin erschrocken, hätte sie nicht wieder erkannt, wenn ihr Mann mich nicht begrüßt, der nicht von ihrer Seite weicht. Und dann verbringe ich Zeit bei ihr. Zeit, die an ihr vorüber zieht, sie wird sich daran nicht mehr erinnern. Beten, beten, dass die überlebt, denn die Ärzte haben versucht was sie können, aber auch ihr Latein ist am Ende.

Und letzte Woche sehe ich sie wieder. In einem anderen Krankenhaus. Aufrecht sitzend. Lächelnd, ihre Haare, ihre Kopfbewegung, ihr Lächeln. Da ist sie wieder. Vor Wochen habe ich sie nicht wieder erkannt, jetzt bin ich so gerührt, dass sie da sitzt wieder erkennbar wieder zu erkennen, an ihrem 51. Geburtstag. Ich freue mich so. Die Heilung kam nicht spontan von heute auf morgen, Stück für Stück, Stufe für Stufe. Ich freue mich so, dass sie überlebt hat. Dass sie wie ein Wunder vor mir sitzt. Wie durch ein Wunder, sie ist das Wunder. So intensiv habe ich das noch nie erlebt. Denn als ich als Krankenschwester gearbeitet habe, habe ich viele kranke Menschen erlebt, aber ich kannte sie nicht im gesunden Zustand. Das ist ein riesiger Unterschied. Es war so schön ihren strahlenden Mann zu sehen, sie im Kreis ihrer Freunde zu beobachten. Ihre erwachsene Tochter kommt dazu, erzählt ihrer Mama was sie in den letzten Tagen erlebt hat. Diese lächelt und nickt. Ich freue mich so sehr, dass sie noch vielen Geschichten lauschen wird, noch oft lächeln wird. Ein Mensch, der aus diesem Leben geht hinterlässt immer eine große Lücke. Ich bin so dankbar, dass es diese Lücke jetzt nicht geben wird, sondern, dass sie in ihrer Art weiterhin ihre Familie, ihre Freunde, uns alle bereichert. Es ist ein Wunder, es ist Gnade, es ist ein Geschenke, es ein Dankesmoment…

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Dankesmomente

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Ihr Lieben, es gibt immer wieder Zeiten da sammle ich meine Dankesmomente nur für mich. Ich weiß gar nicht genau woran das liegt, aber da fällt es mir schwer in die Öffentlichkeit zu schreiben. Vielleicht ist einer der Gründe, dass das was für uns selbst von Bedeutung ist für jemand anderen nicht dieselbe Bedeutsamkeit hat. Letztens habe ich in einem Buch gelesen und der Autor macht sich auf die Suche um eine Frage zu beantworten. Er schreibt sehr intensiv und detailliert über den Weg zur Antwort. Kommt auf erste Antworten, verwirft sie wieder und sucht weiter. Ich lese und gehe seinen Weg mit. Seine Frage gehört auch zu den Fragen, die ich im Leben stelle und die noch unbeantwortet sind und vielleicht für immer unbeantwortet bleiben. Denn seine Antwort auf diese Frage, merke ich, ist für ihn eine tiefe Erkenntnis, die ihn begeistert und die für mich keine Bedeutsamkeit hat. Ich sitze lesend auf meinem Bett und kenne das. Jemandem etwas zu erzählen, das für einen selber voll die Erkenntnis ist aber an der Reaktion des Gegenübers merkt man, dass diese Erkenntnis auf ihn nicht dieselbe Wirkung hat. Der Autor des Buches sieht mich nicht… Aber so geht es mir manchmal beim Schreiben in die Öffentlichkeit. Dankesmomente tun meiner Seele gut. Mit dem Verstand sind diese Auswirkungen des Sammelns gar nicht zu begreifen, aber es macht einen Unterschied ob ich es tue oder nicht tue… Aber es ist immer wieder wichtig für mich, dass wir Dankesmomente nicht vergleichen: meine Dankesmomente sind nicht deine und deine sind nicht meine Dankesmomente. Zu lernen auch da nicht zu bewerten… Das fällt mir manchmal. Hier ein paar aus der letzten Woche:

*Wenn ich meine Tochter nach der Schule von ihren Freundinnen abhole, bis zu ihnen gehen sie den Schulweg gemeinsam, komme ich an einem Rosenstrauch vorbei. Das weiß ich aber erst seit kurzem, weil er mir davor nicht aufgefallen ist. Ich war so überrascht als ich ihn wahrnehme, weil er groß und üppig am Starßenrand steht. Wir halten an, schnuppern an den Blüten, die intensiv duften. Ich freue mich jeden Tag neu seit dieser Entdeckung, weil er wunderschön ist aber auch, weil er mir eine Erinnerung dafür ist wie blind ich manchmal für die Schönheit bin, die um mich herum da ist.*

*Meine Große ist seit gestern auf einem Zeltlager. Meine Jüngste lief ihr schon Tage vorher immer hinterher und rief: „Ich werde dich so vermissen.“ Es ist schön, dass wir einen Platz im Leben haben an dem wir vermisst werden, wenn wir nicht dort sind. Seitdem ich verheiratet bin und Kinder habe freue ich mich so meinen Kindern einen solcher Platz zu sein. Und ich bin dankbar für die Geschwisterliebe und bete, dass sie sich immer nahe sind – auch als Erwachsene.*

*Ich habe eine größere Fehlentscheidung getroffen. Nicht mit Absicht, aber ohne Absprache. Die Konsequenzen trage ich nur in der zweiten Reihe, jemand anderes ist damit mehr konfrontiert. Mir tut das total leid, aber jetzt ist es nicht mehr zu ändern. Ich muss immer wieder neu lernen Fehler zuzugeben, mich nicht zu rechtfertigen. Zu mir selber stehen, obwohl ich viel falsch mache und mich von dem Gedanken der Selbstoptimierung verabschieden. Das lehrt mich diese Situation wieder neu und dafür bin ich dankbar.*

*Meine Mittlere braucht immer wieder Ruhe. Ihr merkt man es sehr an, wenn sie überreizt ist. Am Samstagvormittag waren alle Nachbarskinder und meine 2 anderen Mädchen draußen spielen. Meine Mittlere hat auf dem Teppichboden im Kinderzimmer gelegen und Musik CDs gehört. Richtig losgelöst. Ich war so dankbar, dass sie das für sich selber so hinbekommen hat und nicht dem Druck nachgegeben hat, dass sie draußen etwas verpasst, wenn sie nicht mit geht. Der Rest des Tages war dann sehr entspannt. Das zu beobachten hat mich sehr dankbar gemacht.*

*Wir sind eingeladen bei einer Freu, die aus Syrien kommt. Sie spricht sehr gut deutsch und es einfach ihr zuzuhören. Ihre Geschichte macht mich wie so oft betroffen und ich bewundere ihre Stärke und ihre Ausdauer. Es ist ein schöner Nachmittag und ich merke wieder: Lebensgeschichten schützen vor Vorurteilen und bringen Menschen näher aneinander.*

*An der Kasse ist eine lange Schlange. Ein Mann ruft in sehr unfreundlichem Tonfall nach vorne, warum nur eine Kasse offen ist. Keine freundliche Bitte, kein Verständnis für die Unterbesetzung. Die Kassiererin reagiert und bittet in freundlichem Tonfall die Ware schon einmal an Kasse 3 aufzulegen und informiert ihre Kollegin. Sie ist mir ein großes Vorbild, während sie echt derb angegangen wird, respektlos und viel zu laut, bleibt sie respektvoll und freundlich und reagiert genau so: „Wie ihr selber behandelt werden wollt, so behandelt die Menschen.“ Sichtbare Werte im Alltag. Dafür bin ich dankbar.*

*Es sind Ferien. Das feiere ich.*

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Muttertag

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Wisst ihr zu welcher Bibelstelle ich schon einiges erzählt habe und mit Teenager darüber gesprochen habe? „Du sollst Vater und Mutter ehren.“ Das 4.Gebot aus den 10 Geboten. Eine Stelle an der man sich reibt, die sehr unterschiedliche Gefühle bei mir selber und auch bei Zuhörer/innen ausgelöst hat. Ich habe immer aus der Sicht des Kindes gedacht, bei mir selber und bei meinen Zuhörer/innen. In einer Vorbereitung zum Thema Mutter sein ist mir dieser Vers zum ersten Mal aus der Sicht einer Mama aufgefallen. Meine Kinder werden dazu aufgefordert mich zu ehren. Und sofort kommen mir Fragen: Bin ich eine Mama die es verdient hat geehrt zu werden? Die von ihren Kindern respektiert wird ohne Angst zu machen und ihnen Freiheiten lässt ohne zügellos zu sein? Respektiere ich sie in meiner Art mit ihnen umzugehen ohne aus den Augen zu verlieren, dass es mir aufgetragen ist sie sanft zu umsorgen, zu nähren und zu lehren (Sprüche 1,8; 1. Thessalonicher 2,7) ? Meine spontane Antwort ist „nein“, weil mir all meine Schwachstellen zu bewusst sind. Aber ich will auch nicht in destruktive Gedanken versinken, die keinen Raum geben zu reflektieren was ich an meiner Art als Mama schätze und was Veränderung braucht. Auf jeden Fall bin ich heute sehr dankbar für 2 Sachen: 1. für das Nachdenken über das Mamasein, dass mich dieser Muttertag lehrt. Mir war dieser Tag bis jetzt noch nie besonders wichtig, eher ähnlich in meinem Kopf angesiedelt wie Valentinstag. Aber zum reflektieren über mein Mamasein finde ich ihn heute Abend sehr gut als Impuls für die nächste Woche und 2. Ich war gestern Abend so richtig genervt in der Zubettgehzeit. Ich wollte das natürlich nicht, aber ich war so… ich weiß nicht: alles zuviel und zu laut und überhaupt. Von liebevollen Zubettgeh – Ritualen weit entfernt. Und wisst ihr: heute Morgen kommen meine drei Mädels an unser Bett. Jede überreicht mir etwas selbst gebasteltes und etwas selbst geschriebenes. Ich werde gedrückt und geküsst und sie sagen mir wirklich liebe Sachen. Das erste Gefühl war nicht überschäumende Freude, sondern Scham. Haben sie vergessen wie ich gestern Abend drauf war. Mir ist es fast unangenehm ihre uneingeschränkte Liebe so anzunehmen. Und ich dachte: das ist Gnade. Nicht das Versagen steht im Mittelpunkt, sondern die Liebe, die vorhandene Beziehung. Das ging mir echt nah. Es war ein schöner Muttertag, weil ich beschenkt bin mit dem Mamasein und weil zum Schluss alles Gnade ist…

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Mamas auf der Bühne

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Im Ballett geht es oft um Perfektion, darum synchron zu sein. Das Ergebnis ist sehr wichtig, wenn man die Dokumentationen übers Ballett anschaut, die meine Große so liebt. Heute hatte sie ihren Auftritt bei dem Tanzfestival ihrer Tanzschule. Ich bin stolze Mama, beobachte aber auch noch etwas anderes und ich hoffe sehr ich kann das so positiv beschreiben wie ich es empfunden habe und verletze nicht durch meine Worte… Nicht nur die Kinder, sondern auch Frauen bringen ihr Können auf die Bühne. Manche von ihnen Mütter, die schon drei, vier Kinder zur Welt gebracht haben. Ihre Körper sind nicht das was man in der Ballettwelt perfekt nennt, sondern alltäglich, ihr Auftritt ist nicht fehlerfrei, aber für mich bedeutend, denn: Woche für Woche halten sie sich die Zeit fürs Ballett frei, ihre Zeit, ihre Auszeit vom Alltag. Sie üben und trainieren, nicht um perfekt zu werden, sondern, weil sie lieben was sie tun, weil es ihnen Spaß macht, weil nicht das Ergebnis entscheidend ist, sondern das was sie für sich tun. Ich liebe es ihre Gesichter zu beobachten. Mamas, die auf der Lebensbühne immer wieder alle Kraft einsetzen und die scheinbar verstanden haben um was es geht: sich Zeiten frei halten um aus dem Alltag herauszukommen, abzuschalten, loszulassen. Bei wunderschöner Musik mit anderen Frauen die auch genau das wollen: nicht die Perfektion, sondern Freude am Tanz und Spaß an der Sache. Ich habe mit keiner von ihnen gesprochen, meine Gedanken sind nur fiktiv, aber ich habe eine Mama, die ich flüchtig kenne nach der Veranstaltung nach Hause eilen sehen, ihr Mann und ihre Kinder waren nicht als Zuschauer dabei. Aber auf ihrem Gesicht war ein Lächeln, wir grüßten uns kurz und ich glaube sie war einfach glücklich, dass sie dabei war. Nicht der Applaus schien das entscheidende zu sein oder die Zuschauer, sondern den Wert, den sie sich durch ihr Hobby selber gibt. Wunderbar viele Dankesmomente an einem solchen Nachmittag. Einer von ihnen: die Mamas auf der Bühne…

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wartend auf den Schulbus

Nach der Stille am Morgen und dem Ausblick, dass morgen keine Schule und keine Termine sind, bin ich so richtig am morgen im Flow. Noch bevor meine Mädels die Wohnung verlassen versuche ich schon einiges zu erledigen. Ich muss solche Motivationsschübe für den Haushalt ausnützen, denn sie überkommen mich nicht sehr häufig. Gerade will ich die Mülleimer auswaschen, die ich geleert habe, da ruft meine Große, die am Wohnzimmerfenster stehend auf den Schulbus wartet: „Mama, kannst du mit mir warten und mich in den Arm nehmen?“ Ich entgegne, weil warten so überhaupt nicht mein Ding ist: „Du, ich putz die Mülleimer aus. Der Bus kommt doch gleich.“ Meine Tochter: „Die Mülleimer sind nachher auch noch da. Aber ich bin dann weg…“ Stimmt denke ich und bin mal wieder dankbar für die direkte Art meiner Großen. Also, lass ich die Mülleimer Mülleimer sein, stelle mich zu ihr, halte sie im Arm und zusammen warten wir auf den Bus. Ein paar Augenblicke in denen nichts passiert außer, dass wir uns nah sind. Und ich bin dankbar für die Unterbrechung meiner Großen. Das mag ich am Leben mit Kindern so sehr, ihre Art die Welt wahrzunehmen und immer wieder aus ihrer Perspektive zu handeln. Heute wartend auf den Schulbus…

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Berufung?

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Am Wochenende war unsere Gemeinde (Kirche) Gastgeber für eine Veranstaltung von ca. 180 Frauen, die sich mit dem Thema Berufung beschäftigt hat. Darüber denke ich auch schon eine ganze Weile nach und frage mich ob jeder von uns eine Berufung hat? Was genau eine Berufung ist? Und mittlerweile frage ich mich ob diese Fragen überhaupt geklärt werden müssen, denn in der Vorbereitung hatte ich bei einem Getränkehändler Getränke bestellt. Die Frau, die meine Bestellung aufnahm und heute das Leergut wieder annahm, Rechnung schrieb usw. hat ihren Job so excellent gemacht. Im Vorfeld musste ich was umbestellen, für so viele Leute hatte ich noch nie Getränke organisieren müssen. Meine Freundin und ich fanden die Idee Palletten zur Deko an diesem Tag zu verwenden toll und ich fragte die Getränkehändlerin, ob wir von ihrem Laden welche ausleihen dürften. In ihrer ganzen Art blieb sie geduldig, obwohl es viel zu tun gab. Hatte mehrere Kunden im Blick und war bis jetzt zum Abschluss unseres Geschäftes nicht einfach nur kompetent, sondern zugewandt und es war ihr anzumerken, dass sie sich wünscht, dass ihre Kunden zufrieden sind. Nicht, dass sie Getränkehändlerin ist ist ihre Berufung, sondern die Art wie sie diesen Beruf ausfüllt scheint wichtig zu sein. Genauso der Mann von der Müllabfuhr. Zweimal im Monat begegnen meine Tochter und ich ihm auf dem Weg zur Schule. Er wünscht uns immer einen guten Morgen, verbeugt sich oder winkt. Er wirkt nicht genervt oder angewidert von dem was er dort tut. In Windeseile hat er die Mülltonnen geleert und verliert über diese Routinen nicht die Menschen um sich herum aus dem Blick. Vielleicht ist Berufung, dass ich das was gerade zu tun ist, egal wie andere Menschen diese Tätigkeit bewerten, mit einer freundlichen inneren Haltung tue, mit einem inneren Ja. Weil es das ist was auch in dem Fall glücklicher macht… Wie bei der Dankbarkeit. Nicht ständig auf eine große abgefahrene Veränderung hoffen, sondern im hier und jetzt ein Ja zu dem finden, was hier und jetzt getan werden muss. Darüber denke ich weiter nach und bin heute dankbar für zwei Menschen, deren Namen ich nicht kennen, die Getränkefrau und den Müllmann. Ihr Vorbild macht mich nachdenklich…

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Bücherliebe #1

Vor 2 Jahren hatte ich die Idee Bücher im Videoformat vorzustellen und so lange hat es gedauert bis es Wirklichkeit wurde. Ich freu mich so mit euch meine Gedanken zum Buch: „Achtsam sprechen – kraftvoll schweigen“ zu teilen. Und weil es immer um die Dankesmomente in meinem Alltag geht bin ich heute so dankbar für eine besondere Freundin, die mir immer wieder Mut gemacht hat und diese Idee wertschätzend unterstützt und der lieben Sarah, die eine tolle Kamera hat, die weiß wie movie maker funktioniert, die zum Drehen zu mir nach Hause kam… Vielen Dank euch beiden: das ist unser Ergebnis…

 

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Waschmaschine und Weihnachtsbaumständer

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Kennt ihr das Buch „Die 5 Sprachen der Liebe“? Ich habe es vor langer Zeit mal gelesen, es ist schon 10 Jahre her. Ich fand es schon gut, aber nicht so, dass ich es aufgehoben hätte. Der Gedanke ist interessant, dass jeder etwas anderes braucht um sich geliebt zu fühlen und dass es selten Paare gibt, die genau dasselbe brauchen. Die Kunst, so der Autor des Buches, ist, sich der eigenen Sprache bewusst zu sein um in der Partenerschaft Bedürfnisse äußern zu können und die Sprache des anderen kenne zu lernen, damit man wahrnimmt, dass es alltägliche Liebeserklärungen gibt. Die Gefahr ist dabei, dass man nebeneinander herlebt und sich dann auseinander lebt, weil man die Sprache des anderen nicht sprechen gelernt hat.

Mein Mann und ich sprechen unterschiedliche Sprachen und der Hammer ist, dass ich, wenn ich nicht die Dankesmomente in unserer Ehe sammeln würde seine Art mir zu zeigen, dass ich ihm wichtig bin, übersehe. Denn ich weiß immer ziemlich genau was mir und uns fehlt, aber ich muss mich erinnern, was wir haben, was ich an ihm habe. Unsere Waschmaschine ist kaputt. Ich bekomme schon voll die Krise, weil eine neue absolut nicht drin ist. Was sagt mein Mann? „Ich guck mal.“ Es dauert, aber er guckt und ich gucke als er das Monstrum aufschraubt und ich zum ersten Mal so ein Teil von innen sehe und gar nichts verstehe. „Ist der Keilriemen.“ Er bestellt einen neuen, setzt ihn ein, mein Maschinchen läuft wie am Schnürrchen und ich verstehe nicht, dass in Kontaktanzeigen immer nur drin steht: „Suche Mann der gerne lange Spaziergänge am Strand bei untergehender Sonne macht.“ und nicht: „Suche Mann der handwerklich begabt ist.“ Ich habe mit meinem Mann noch nie einen langen Spaziergang bei untergehender Sonne am Strand gemacht, aber ehrlich gesagt: wenn meine Waschmaschine kaputt ist vermisse ich das auch nicht.

In 241 Tagen ist Weihnachten und beim Umzug ist unser Weihnachtsbaumständer kaputt gegangen. Ich hatte das schon total vergessen. Diese Woche kommt mein Mann zwischen 2 Terminen kurz nach Hause, unter dem Arm ein Weihnachtsbaumständer. Ich überlege ob er diesmal für den Weihnachtsgottesdienst so richtig gut vorbereitet sein will und schon die Predigt für Heilig Abend plant. Seine Erklärung: „Jetzt muss man Weihnachtsbaumständer kaufen, denn jetzt braucht keiner einen.“ Bei ebay Kleinanzeigen hat er einen super günstigen abgestaubt. Wisst ihr was das rührenste daran ist? Seit wir verheiratet sind gab es immer mal wieder Diskussionen ob der Baum an Heilig Abend echt sein muss. Ich will einen Baum und zwar jedes Jahr und mein Mann denkt an den ökologischen Fußabdruck, daran, dass es seltsam ist einen Baum ins Zimmer zu stellen und ihn voller Zeug zu hängen (Zitat) usw. Das bedeutet, ihm bedeutet so ein Weihnachtsbaum überhaupt nichts. Er kann Weihnachten in 241 Tagen auch ohne Baum verbringen, aber er weiß: ich liebe diese Tradition des toten Baumes voller Zeug in meinem Wohnzimmer. Und deshalb hat er diesen Baumständer besorgt, nicht weil es ihm so wichtig ist, sondern weil ich ihm wichtig bin. Und es gibt immer wieder Zeiten in denen ich diese Gesten im Alltagsstress übersehe. Diese Woche nicht: ich bin dankbar für unsere Waschmaschine, unseren Baumständer und meinen Mann.

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wertvoll

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Tomas Sjödin schreibt in seinem Buch „Wo du richtig bist“: >Meiner Erfahrung nach werden zwei Dinge deutlich, wenn man auf das Leben zurückblickt. (…) Das zweite ist die Entdeckung, dass an jeder wichtigen Weggabelung ein Mensch steht, ein Mitmensch, der seine Rolle selbst nicht für bedeutsam hält, der aber einfach da ist mit dem, was gerade gebraucht wird, und der eine entscheidende Bedeutung bekommt. Nicht alles, was uns im Leben begegnet hat einen bestimmten Zweck, aber es kann auf lange Sicht zu etwas Gutem führen. Daran sollte man denken, wenn man für die Nöte anderer Menschen Erklärungen aufzählt. Oder für seine eigenen. Deshalb führt die Frage „Warum passiert das gerade mir?“ selten irgendwohin. „Warum nicht mir?“, ist eine angemessenere Frage. (…)Jemandem etwas zutrauen ist eine heilende Kraft und etwas, das einem Menschen den Mut gibt, Dinge zu tun, die er sonst nie gewagt hätte. Dass jemand, dem man vertraut, an einen glaubt, ist ein stärkeres Fundament für das weitere Leben als Visionen oder Bildung.<

Heute hatte ich Begegnung mit genau einer solchen Freundin. Sie ist in ihrer Art mir Fragen zu stellen und mich zu spiegeln so wichtig. Und ich bin dankbar, dass es sie gibt, dass sie sich immer wieder Zeit nimmt, dass sie die Augen nicht rollt obwohl ich mich in meinen Denkprozessen wiederhole und die stetig da ist. Diese Beständigkeit ist so wichtig für mich und ich bin dankbar, dass es sie gibt und für einen wertvollen Vormittag.

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echt jetzt?

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Meine Tochter bringt mal wieder ein Freundebuch mit nach Hause. Wir hatten solche Bücher früher auch, allerdings ohne vorformulierter Fragen, ohne vorgegebenen Inhalten, ohne farblich festgelegt zu sein. Es waren Bücher mit vielen weißen Seiten auf denen wir Sprüche, Gedichte und Freundschaftsschwüre festhielten. Wir gaben nichts preis, was niemanden etwas anging und durften noch selber malen, kleben, basteln. Das Freundschaftsbuch heute fragt viele unnötige Sachen und will dann entscheidendes wissen: „Warst du schon einmal verliebt?“ und „Wirst du rot, wenn du deinem Schwarm begegnest?“ Echt jetzt? Das Buch sieht nicht so aus als ob es sich eine 14jährige zum Geburtstag wünschen würde, nein, die Erstklässler freuen sich über ein solch buntes Exemplar in ihrer Schultüte. Und ich bin einmal wieder enttäuscht von Werbung, Konsum und der unterschwelligen Beeinflussung meiner Kinder. Meine Tochter ist 7. Sie spielt mit Jungs und mit Mädchen. An Geburtstagen ist es wichtig, dass das Programm geschlechterunspezifisch ist, damit sich alle wohlfühlen. Sie denkt noch nicht an Schwärmereien und Verliebtheit. Und diese Unbeschwertheit möchte ich ihr so lange es geht bewahren. Wieso um alles in der Welt braucht es solche Fragen? Versteht mich nicht falsch: meine Töchter sollen einmal Schwärmen und rot werden, Herz klopfen haben und aufgeregt sein… aber nicht mit 7 und auch nicht mit 9. Mein Mann kommt nach Hause. Im Freundebuch haben drei fiktive Freundinnen die Fragen schon einmal beantwortet. Meine Tochter will von diesen unrealistisch aussehenden Mädchen vorgelesen bekommen, wie sie die Fragen beantwortet haben: Mein Mann liest ihr vor. An seinem Ton merke ich wie unsinnig er das findet und als es zu der Frage mit dem Schwarm kommt lenkt er die Gedanken durch ein paar Worte auf einen Bienenschwarm. Und ich bin dankbar, dass er und ich im Umgang mit unseren Kindern dieselben Werte haben: eine unbeschwerte Kindheit, da braucht es keine Schwärmereien, gekünselte Verliebtheit und unpassende Fragen.

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117 Tage

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Über viele Jahre habe ich mich immer wieder benachteiligt gefühlt, dass ich keine familiäre Unterstützung hatte als meine Kinder noch sehr klein waren und ich dauernd nur müde und fertig war. Mein Mann und ich haben wenig in den letzten Jahren als Paar gemacht. Wenn wir weggefahren sind, dann als Familie oder eben einer von uns beiden und der andere blieb bei unseren 3 Mädels.

Eine Freundin hat immer wieder angeboten unsere Kinder für ein paar Tage zu nehmen. Und wir haben das Angebot angenommen und haben für August 4 Tage in Berlin geplant. Ich kann es kaum fassen. Die günstigste Unterkunft, die günstigste Fahrt, die es heute zu buchen gab, gebucht. Unsere Große feiert einen Tag davor noch ihren 10. Geburtstag und dann fahren wir weg. Ich bin jetzt schon in Vorfreude darauf und jetzt schon dankbar, dass ich mich jetzt 117 Tage darauf freuen kann. Und dankbar, dass wir noch zusammen sind. Denn ganz ehrlich für mich ist wahre Liebe, wenn sie den Alltag überlebt – den Stress, die Emotionen, die Monate des Stillens, die Schwangerschaften, Müdigkeit, Streit, unterschiedliche Ansichten, unterschiedliche Arten mit Krisen umzugehen, Enttäuschungen, Überforderung, Geldsorgen… Ihr wisst, mein Alltag beherbergt viele Dankesmomente, aber die Herausforderungen des Lebens bleiben. 17 Jahre Ehe und 10 Jahre Eltern sein sind schön, aber auch echt anstrengend und deshalb freue ich mich unser Jubiläum. 10 Jahre Eltern sein – wie schön ist das denn?

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unfertig sein

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Letzte Woche habe ich über Selbstliebe gesprochen, über das Hadern mit sich selbst… als Predigt, vor Zuhörern. In den darauffolgenden Tagen begegne ich jemandem und lasse die Bemerkung fallen, dass ich gerade in einer Situation stecke in der ich sehr mit mir hadere. Halb lachend, halb im Ernst sagt diese zu mir: „Du darfst nicht mit dir selbst hadern. Du hast doch am Sonntag darüber gesprochen…“

Ich bin erstaunt. Darf ich erst dann ein Mikrophon in die Hand und Gedanken zu Wort kommen lassen, wenn ein Thema in meinem Leben abgeschlossen ist, wenn ich glaube selbst nicht mehr auf dem Weg zu sein? Dann muss ich alle zukünftigen Termine absagen. Denn egal welches Thema: letzte Woche die Selbstliebe, heute Vormittag in Esslingen die Dankbarkeit oder nächste Woche in Dagersheim das Thema Zeit – ich bin mit diesen Themen nicht fertig. Ich spreche über diese Themen nicht, weil ich glaube es besser zu wissen oder weil sie ein abgeschlossener Prozess in meinem Leben sind, sondern weil ich mit ihnen lebe. Ich bin unfertig, Lernende, im Prozess. Aber das ist das Schöne daran. Ich lerne nach den Vorträgen von Menschen, die mir von ihren Erfahrungen erzählen. Freue mich über Einblicke, die ich in ihr Leben bekomme, werde inspiriert. Ich stehe nicht unter dem Druck, das all das worüber ich rede immer Wirklichkeit in meinem Leben sein muss. Ich rede darüber wie ich als Lernende in diesen Themen unterwegs bin, als Unfertige, im Prozess stehende. Und dafür bin ich dankbar, denn dadurch bleibe ich in Bewegung, das macht meinen Alltag bunt und mein Leben lebendig. Unfertig sein.

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Malst du mit mir?

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Ich liebe diese kleinen Momente, die im Alltagstrott vorkommen, aber viel zu schnell übersehen werden. Heute rahme ich einen dieser Momente wieder ein und erhöhe seine Bedeutung, weil er mir am Ende dieses Tages in Erinnerung bleibt. „Malst du mit mir?“ fragt meine Jüngste und dann wird meine Welt langsamer. Denn es ist eine Tätigkeit ohne Sinn ohne konkretes Ziel ohne nennbaren Wert. Wir sitzen nebeneinander und malen in dem Buch, das sie geschenkt bekommen hat. Wir kleben, malen und reden. Sie erzählt vom Kindergarten und was ihr gut schmeckt und dass sie ein eigenes Pferd will. Zwischendurch sagt sie zu mir: „Das macht ein bisschen viel Spaß mit dir.“ Und damit hat es doch Sinn und ein Ziel ist spürbar und der Wert zu erahnen. Mama-Tochter Zeit, die ein bisschen viel Spaß gemacht hat. Dafür bin ich heute dankbar.

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Ausnahme

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Auch wenn ich im Sammeln von Dankesmomenten durch verschiedene Phasen gehe und es mir mal leichter mal schwerer fällt dankbar zu sein, sind doch die ersten Gedanken am Tag Dinge, die ich wahrnehme, die mir vorher nicht so bewusst waren. Das Klingeln des Weckers zu hören, weil ich hören kann. Dann dem Zwitschern der Vögel zu lauschen. Die Beine über die Bettkante schwingen, weil sie wie jeden Morgen neu ihren Dienst aufnehmen und mich durch den Tag tragen. Der wunderbare Geschmack von Milchkaffee, weil ich diese Geschmacksknospen auf der Zunge habe, die Genuss möglich machen. Und vieles mehr… Ich bin mir, ohne dabei große Gefühle zu spüren, bewusst, dass ich gesund bin und mein Körper ohne dass ich ihn darum bitte meinen Geist und meine Seele durch den Tag trägt.

Heute Morgen wache ich mit solch einer starken Migräne auf, dass ich um halb sieben das erste Mal über der Toilettenschüssel hänge. Der Schmerz ist so heftig und so unangenehm. Es ist ein pulsierendes Ziehen vom Nacken über den Hinterkopf bis zu den Augen. Und obwohl nur der Kopf betroffen ist (und zwischenzeitlich der Magen) leidet alles! Ich laufe langsamer, kann Farben schlecht aushalten, bitte die Mädels leise zu sprechen. Nach ein paar Stunden ist alles vorbei, der Kopfschmerz weg und ich wieder die alte. Meine Dankbarkeit heute Abend bezüglich meiner Gesundheit ist voller Gefühl. Dieses wunderbar dankbare warme Gefühl im Herz, in der Brust. Wie fühlt sich Dankbarkeit an? Wie würdet ihr es beschreiben? Ich bin heute fühlbar dankbar, dass ich gesund bin. Dass ich im Normalfall ohne Schmerzen aufwache und schon im Schreiben merke, dass das eigentlich nicht normal ist, sondern besonders. Weil es sich jeden Tag besonders gut anfühlt. Heute habe ich gespürt wie unangenehm Schmerzen gleich am Morgen sind und bin sehr dankbar, dass das eine Ausnahme ist, eine Ausnahme, die mir wieder die Selbstverständlichkeit der Gesundheit besonders kostbar macht!

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Zeit zum Lesen

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Ich lese so gerne. Obwohl mich manche Bücher auch schockiert zurück lassen, sehr betroffen machen, weil ich in kurzer Zeit lese was ein Mensch über Jahre erlebt hat. Für mich ist es eine Geschichte für ihn ein Teil seines Lebens mit dem er umgehen lernen muss. In den letzten Tagen waren wir weg und meine Kinder konnten immer wieder an einem Kinderprogramm teilnehmen und ich hatte Zeit mitten am Tag zu lesen. Das ist so ein herrliches Gefühl. Auf das Buch in meinen Händen wäre ich nie alleine gekommen. Aber einen Tag vor unserer Abreise saß ein junger Mann aus Syrien an unserem Esstisch, das Essen durchschnittlich, die Gespräche gut. Nein, gut ist ein zu positives Wort. Eher interessant, denn was ist gut an einer Fluchtgeschichte? Das sie gelungen ist? Und was bedeutet es in diesen vielen Fällen, dass sie gelungen ist, denn die Strapazen gehen in Deutschland weiter. Freiheit muss sich erarbeitet werden durch Sprache, das Kennenlernen der Kultur und auch das lernen zu einer Kultur ja zu sagen, die der aus all den fernen Ländern so fremd ist. Er hat ein Buch geschrieben, dieser junge Mann, der da an unserem Esstisch saß und ich habe an einem Vormittag gelesen was er in seinem bisherigem Leben erlebt hat. Ich habe das Buch am Ende zugeklappt mit all den Ereignissen, die seine Seele weiter tragen und verarbeiten muss. Ich bin sehr dankbar für den Mut den er hat und die Mühe, die er sich gemacht hat. In all den Gedanken die ich habe und den Gesprächen die teile und den Erfahrung mit den unterschiedlichen Menschen aus anderen Kulturen, brauche ich immer wieder die Erinnerung, dass dahinter Menschen sind, Gefühle, Ängste, Sorgen, Verlust. Ich brauche das, weil ich manchmal (und ich gebe das nicht gerne zu) so hartherzig werde, weil ich die Überforderung so spüre und die Ängste über eine unbekannte Zukunft so groß werden und die Hilflosigkeit all diese Weltprobleme nicht lösen zu können wächst. Dann reagiert mein Herz mit Unnahbarkeit, mein Verstand mit Argumenten, die keine Lösungen sind, aber glauben mich schützen zu können, dann werde ich auch manchmal ungerecht, weil ich die Ungerechtigkeit des Lebens so spüre und mich irgendwie mit schuldig fühle. Ein extrem schwieriges Thema, das in mir für viele Spannungen und Zerrissenheit sorgt. Ein Thema, das eigentlich kein Thema ist, sondern Geschichten beinhaltet – ein Thema ist irgendwann abgehakt, eine Geschichte wird immer weiter erzählt, es tauchen neue Wendungen auf, neue Gesichter… Ich bin dankbar für die Begegnung mit Seif, der unter einem Pseudonym seine Geschichte veröffentlicht hat, veröffentlichen musste und das sagt schon sehr viel über die Schwierigkeiten aus, die ihn hierher geführt haben. Seine Geschichte macht mein Herz wieder weich, nahbar. Sie verdrängt meine Ängste und Sorgen nicht, aber sie sorgt dafür, dass sie nicht zum Maßstab meiner Gedanken und Handlungen werden…

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