Dankesmomente

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Ihr Lieben, es gibt immer wieder Zeiten da sammle ich meine Dankesmomente nur für mich. Ich weiß gar nicht genau woran das liegt, aber da fällt es mir schwer in die Öffentlichkeit zu schreiben. Vielleicht ist einer der Gründe, dass das was für uns selbst von Bedeutung ist für jemand anderen nicht dieselbe Bedeutsamkeit hat. Letztens habe ich in einem Buch gelesen und der Autor macht sich auf die Suche um eine Frage zu beantworten. Er schreibt sehr intensiv und detailliert über den Weg zur Antwort. Kommt auf erste Antworten, verwirft sie wieder und sucht weiter. Ich lese und gehe seinen Weg mit. Seine Frage gehört auch zu den Fragen, die ich im Leben stelle und die noch unbeantwortet sind und vielleicht für immer unbeantwortet bleiben. Denn seine Antwort auf diese Frage, merke ich, ist für ihn eine tiefe Erkenntnis, die ihn begeistert und die für mich keine Bedeutsamkeit hat. Ich sitze lesend auf meinem Bett und kenne das. Jemandem etwas zu erzählen, das für einen selber voll die Erkenntnis ist aber an der Reaktion des Gegenübers merkt man, dass diese Erkenntnis auf ihn nicht dieselbe Wirkung hat. Der Autor des Buches sieht mich nicht… Aber so geht es mir manchmal beim Schreiben in die Öffentlichkeit. Dankesmomente tun meiner Seele gut. Mit dem Verstand sind diese Auswirkungen des Sammelns gar nicht zu begreifen, aber es macht einen Unterschied ob ich es tue oder nicht tue… Aber es ist immer wieder wichtig für mich, dass wir Dankesmomente nicht vergleichen: meine Dankesmomente sind nicht deine und deine sind nicht meine Dankesmomente. Zu lernen auch da nicht zu bewerten… Das fällt mir manchmal. Hier ein paar aus der letzten Woche:

*Wenn ich meine Tochter nach der Schule von ihren Freundinnen abhole, bis zu ihnen gehen sie den Schulweg gemeinsam, komme ich an einem Rosenstrauch vorbei. Das weiß ich aber erst seit kurzem, weil er mir davor nicht aufgefallen ist. Ich war so überrascht als ich ihn wahrnehme, weil er groß und üppig am Starßenrand steht. Wir halten an, schnuppern an den Blüten, die intensiv duften. Ich freue mich jeden Tag neu seit dieser Entdeckung, weil er wunderschön ist aber auch, weil er mir eine Erinnerung dafür ist wie blind ich manchmal für die Schönheit bin, die um mich herum da ist.*

*Meine Große ist seit gestern auf einem Zeltlager. Meine Jüngste lief ihr schon Tage vorher immer hinterher und rief: „Ich werde dich so vermissen.“ Es ist schön, dass wir einen Platz im Leben haben an dem wir vermisst werden, wenn wir nicht dort sind. Seitdem ich verheiratet bin und Kinder habe freue ich mich so meinen Kindern einen solcher Platz zu sein. Und ich bin dankbar für die Geschwisterliebe und bete, dass sie sich immer nahe sind – auch als Erwachsene.*

*Ich habe eine größere Fehlentscheidung getroffen. Nicht mit Absicht, aber ohne Absprache. Die Konsequenzen trage ich nur in der zweiten Reihe, jemand anderes ist damit mehr konfrontiert. Mir tut das total leid, aber jetzt ist es nicht mehr zu ändern. Ich muss immer wieder neu lernen Fehler zuzugeben, mich nicht zu rechtfertigen. Zu mir selber stehen, obwohl ich viel falsch mache und mich von dem Gedanken der Selbstoptimierung verabschieden. Das lehrt mich diese Situation wieder neu und dafür bin ich dankbar.*

*Meine Mittlere braucht immer wieder Ruhe. Ihr merkt man es sehr an, wenn sie überreizt ist. Am Samstagvormittag waren alle Nachbarskinder und meine 2 anderen Mädchen draußen spielen. Meine Mittlere hat auf dem Teppichboden im Kinderzimmer gelegen und Musik CDs gehört. Richtig losgelöst. Ich war so dankbar, dass sie das für sich selber so hinbekommen hat und nicht dem Druck nachgegeben hat, dass sie draußen etwas verpasst, wenn sie nicht mit geht. Der Rest des Tages war dann sehr entspannt. Das zu beobachten hat mich sehr dankbar gemacht.*

*Wir sind eingeladen bei einer Freu, die aus Syrien kommt. Sie spricht sehr gut deutsch und es einfach ihr zuzuhören. Ihre Geschichte macht mich wie so oft betroffen und ich bewundere ihre Stärke und ihre Ausdauer. Es ist ein schöner Nachmittag und ich merke wieder: Lebensgeschichten schützen vor Vorurteilen und bringen Menschen näher aneinander.*

*An der Kasse ist eine lange Schlange. Ein Mann ruft in sehr unfreundlichem Tonfall nach vorne, warum nur eine Kasse offen ist. Keine freundliche Bitte, kein Verständnis für die Unterbesetzung. Die Kassiererin reagiert und bittet in freundlichem Tonfall die Ware schon einmal an Kasse 3 aufzulegen und informiert ihre Kollegin. Sie ist mir ein großes Vorbild, während sie echt derb angegangen wird, respektlos und viel zu laut, bleibt sie respektvoll und freundlich und reagiert genau so: „Wie ihr selber behandelt werden wollt, so behandelt die Menschen.“ Sichtbare Werte im Alltag. Dafür bin ich dankbar.*

*Es sind Ferien. Das feiere ich.*

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Muttertag

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Wisst ihr zu welcher Bibelstelle ich schon einiges erzählt habe und mit Teenager darüber gesprochen habe? „Du sollst Vater und Mutter ehren.“ Das 4.Gebot aus den 10 Geboten. Eine Stelle an der man sich reibt, die sehr unterschiedliche Gefühle bei mir selber und auch bei Zuhörer/innen ausgelöst hat. Ich habe immer aus der Sicht des Kindes gedacht, bei mir selber und bei meinen Zuhörer/innen. In einer Vorbereitung zum Thema Mutter sein ist mir dieser Vers zum ersten Mal aus der Sicht einer Mama aufgefallen. Meine Kinder werden dazu aufgefordert mich zu ehren. Und sofort kommen mir Fragen: Bin ich eine Mama die es verdient hat geehrt zu werden? Die von ihren Kindern respektiert wird ohne Angst zu machen und ihnen Freiheiten lässt ohne zügellos zu sein? Respektiere ich sie in meiner Art mit ihnen umzugehen ohne aus den Augen zu verlieren, dass es mir aufgetragen ist sie sanft zu umsorgen, zu nähren und zu lehren (Sprüche 1,8; 1. Thessalonicher 2,7) ? Meine spontane Antwort ist „nein“, weil mir all meine Schwachstellen zu bewusst sind. Aber ich will auch nicht in destruktive Gedanken versinken, die keinen Raum geben zu reflektieren was ich an meiner Art als Mama schätze und was Veränderung braucht. Auf jeden Fall bin ich heute sehr dankbar für 2 Sachen: 1. für das Nachdenken über das Mamasein, dass mich dieser Muttertag lehrt. Mir war dieser Tag bis jetzt noch nie besonders wichtig, eher ähnlich in meinem Kopf angesiedelt wie Valentinstag. Aber zum reflektieren über mein Mamasein finde ich ihn heute Abend sehr gut als Impuls für die nächste Woche und 2. Ich war gestern Abend so richtig genervt in der Zubettgehzeit. Ich wollte das natürlich nicht, aber ich war so… ich weiß nicht: alles zuviel und zu laut und überhaupt. Von liebevollen Zubettgeh – Ritualen weit entfernt. Und wisst ihr: heute Morgen kommen meine drei Mädels an unser Bett. Jede überreicht mir etwas selbst gebasteltes und etwas selbst geschriebenes. Ich werde gedrückt und geküsst und sie sagen mir wirklich liebe Sachen. Das erste Gefühl war nicht überschäumende Freude, sondern Scham. Haben sie vergessen wie ich gestern Abend drauf war. Mir ist es fast unangenehm ihre uneingeschränkte Liebe so anzunehmen. Und ich dachte: das ist Gnade. Nicht das Versagen steht im Mittelpunkt, sondern die Liebe, die vorhandene Beziehung. Das ging mir echt nah. Es war ein schöner Muttertag, weil ich beschenkt bin mit dem Mamasein und weil zum Schluss alles Gnade ist…

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Mamas auf der Bühne

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Im Ballett geht es oft um Perfektion, darum synchron zu sein. Das Ergebnis ist sehr wichtig, wenn man die Dokumentationen übers Ballett anschaut, die meine Große so liebt. Heute hatte sie ihren Auftritt bei dem Tanzfestival ihrer Tanzschule. Ich bin stolze Mama, beobachte aber auch noch etwas anderes und ich hoffe sehr ich kann das so positiv beschreiben wie ich es empfunden habe und verletze nicht durch meine Worte… Nicht nur die Kinder, sondern auch Frauen bringen ihr Können auf die Bühne. Manche von ihnen Mütter, die schon drei, vier Kinder zur Welt gebracht haben. Ihre Körper sind nicht das was man in der Ballettwelt perfekt nennt, sondern alltäglich, ihr Auftritt ist nicht fehlerfrei, aber für mich bedeutend, denn: Woche für Woche halten sie sich die Zeit fürs Ballett frei, ihre Zeit, ihre Auszeit vom Alltag. Sie üben und trainieren, nicht um perfekt zu werden, sondern, weil sie lieben was sie tun, weil es ihnen Spaß macht, weil nicht das Ergebnis entscheidend ist, sondern das was sie für sich tun. Ich liebe es ihre Gesichter zu beobachten. Mamas, die auf der Lebensbühne immer wieder alle Kraft einsetzen und die scheinbar verstanden haben um was es geht: sich Zeiten frei halten um aus dem Alltag herauszukommen, abzuschalten, loszulassen. Bei wunderschöner Musik mit anderen Frauen die auch genau das wollen: nicht die Perfektion, sondern Freude am Tanz und Spaß an der Sache. Ich habe mit keiner von ihnen gesprochen, meine Gedanken sind nur fiktiv, aber ich habe eine Mama, die ich flüchtig kenne nach der Veranstaltung nach Hause eilen sehen, ihr Mann und ihre Kinder waren nicht als Zuschauer dabei. Aber auf ihrem Gesicht war ein Lächeln, wir grüßten uns kurz und ich glaube sie war einfach glücklich, dass sie dabei war. Nicht der Applaus schien das entscheidende zu sein oder die Zuschauer, sondern den Wert, den sie sich durch ihr Hobby selber gibt. Wunderbar viele Dankesmomente an einem solchen Nachmittag. Einer von ihnen: die Mamas auf der Bühne…

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wartend auf den Schulbus

Nach der Stille am Morgen und dem Ausblick, dass morgen keine Schule und keine Termine sind, bin ich so richtig am morgen im Flow. Noch bevor meine Mädels die Wohnung verlassen versuche ich schon einiges zu erledigen. Ich muss solche Motivationsschübe für den Haushalt ausnützen, denn sie überkommen mich nicht sehr häufig. Gerade will ich die Mülleimer auswaschen, die ich geleert habe, da ruft meine Große, die am Wohnzimmerfenster stehend auf den Schulbus wartet: „Mama, kannst du mit mir warten und mich in den Arm nehmen?“ Ich entgegne, weil warten so überhaupt nicht mein Ding ist: „Du, ich putz die Mülleimer aus. Der Bus kommt doch gleich.“ Meine Tochter: „Die Mülleimer sind nachher auch noch da. Aber ich bin dann weg…“ Stimmt denke ich und bin mal wieder dankbar für die direkte Art meiner Großen. Also, lass ich die Mülleimer Mülleimer sein, stelle mich zu ihr, halte sie im Arm und zusammen warten wir auf den Bus. Ein paar Augenblicke in denen nichts passiert außer, dass wir uns nah sind. Und ich bin dankbar für die Unterbrechung meiner Großen. Das mag ich am Leben mit Kindern so sehr, ihre Art die Welt wahrzunehmen und immer wieder aus ihrer Perspektive zu handeln. Heute wartend auf den Schulbus…

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Berufung?

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Am Wochenende war unsere Gemeinde (Kirche) Gastgeber für eine Veranstaltung von ca. 180 Frauen, die sich mit dem Thema Berufung beschäftigt hat. Darüber denke ich auch schon eine ganze Weile nach und frage mich ob jeder von uns eine Berufung hat? Was genau eine Berufung ist? Und mittlerweile frage ich mich ob diese Fragen überhaupt geklärt werden müssen, denn in der Vorbereitung hatte ich bei einem Getränkehändler Getränke bestellt. Die Frau, die meine Bestellung aufnahm und heute das Leergut wieder annahm, Rechnung schrieb usw. hat ihren Job so excellent gemacht. Im Vorfeld musste ich was umbestellen, für so viele Leute hatte ich noch nie Getränke organisieren müssen. Meine Freundin und ich fanden die Idee Palletten zur Deko an diesem Tag zu verwenden toll und ich fragte die Getränkehändlerin, ob wir von ihrem Laden welche ausleihen dürften. In ihrer ganzen Art blieb sie geduldig, obwohl es viel zu tun gab. Hatte mehrere Kunden im Blick und war bis jetzt zum Abschluss unseres Geschäftes nicht einfach nur kompetent, sondern zugewandt und es war ihr anzumerken, dass sie sich wünscht, dass ihre Kunden zufrieden sind. Nicht, dass sie Getränkehändlerin ist ist ihre Berufung, sondern die Art wie sie diesen Beruf ausfüllt scheint wichtig zu sein. Genauso der Mann von der Müllabfuhr. Zweimal im Monat begegnen meine Tochter und ich ihm auf dem Weg zur Schule. Er wünscht uns immer einen guten Morgen, verbeugt sich oder winkt. Er wirkt nicht genervt oder angewidert von dem was er dort tut. In Windeseile hat er die Mülltonnen geleert und verliert über diese Routinen nicht die Menschen um sich herum aus dem Blick. Vielleicht ist Berufung, dass ich das was gerade zu tun ist, egal wie andere Menschen diese Tätigkeit bewerten, mit einer freundlichen inneren Haltung tue, mit einem inneren Ja. Weil es das ist was auch in dem Fall glücklicher macht… Wie bei der Dankbarkeit. Nicht ständig auf eine große abgefahrene Veränderung hoffen, sondern im hier und jetzt ein Ja zu dem finden, was hier und jetzt getan werden muss. Darüber denke ich weiter nach und bin heute dankbar für zwei Menschen, deren Namen ich nicht kennen, die Getränkefrau und den Müllmann. Ihr Vorbild macht mich nachdenklich…

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Bücherliebe #1

Vor 2 Jahren hatte ich die Idee Bücher im Videoformat vorzustellen und so lange hat es gedauert bis es Wirklichkeit wurde. Ich freu mich so mit euch meine Gedanken zum Buch: „Achtsam sprechen – kraftvoll schweigen“ zu teilen. Und weil es immer um die Dankesmomente in meinem Alltag geht bin ich heute so dankbar für eine besondere Freundin, die mir immer wieder Mut gemacht hat und diese Idee wertschätzend unterstützt und der lieben Sarah, die eine tolle Kamera hat, die weiß wie movie maker funktioniert, die zum Drehen zu mir nach Hause kam… Vielen Dank euch beiden: das ist unser Ergebnis…

 

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Waschmaschine und Weihnachtsbaumständer

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Kennt ihr das Buch „Die 5 Sprachen der Liebe“? Ich habe es vor langer Zeit mal gelesen, es ist schon 10 Jahre her. Ich fand es schon gut, aber nicht so, dass ich es aufgehoben hätte. Der Gedanke ist interessant, dass jeder etwas anderes braucht um sich geliebt zu fühlen und dass es selten Paare gibt, die genau dasselbe brauchen. Die Kunst, so der Autor des Buches, ist, sich der eigenen Sprache bewusst zu sein um in der Partenerschaft Bedürfnisse äußern zu können und die Sprache des anderen kenne zu lernen, damit man wahrnimmt, dass es alltägliche Liebeserklärungen gibt. Die Gefahr ist dabei, dass man nebeneinander herlebt und sich dann auseinander lebt, weil man die Sprache des anderen nicht sprechen gelernt hat.

Mein Mann und ich sprechen unterschiedliche Sprachen und der Hammer ist, dass ich, wenn ich nicht die Dankesmomente in unserer Ehe sammeln würde seine Art mir zu zeigen, dass ich ihm wichtig bin, übersehe. Denn ich weiß immer ziemlich genau was mir und uns fehlt, aber ich muss mich erinnern, was wir haben, was ich an ihm habe. Unsere Waschmaschine ist kaputt. Ich bekomme schon voll die Krise, weil eine neue absolut nicht drin ist. Was sagt mein Mann? „Ich guck mal.“ Es dauert, aber er guckt und ich gucke als er das Monstrum aufschraubt und ich zum ersten Mal so ein Teil von innen sehe und gar nichts verstehe. „Ist der Keilriemen.“ Er bestellt einen neuen, setzt ihn ein, mein Maschinchen läuft wie am Schnürrchen und ich verstehe nicht, dass in Kontaktanzeigen immer nur drin steht: „Suche Mann der gerne lange Spaziergänge am Strand bei untergehender Sonne macht.“ und nicht: „Suche Mann der handwerklich begabt ist.“ Ich habe mit meinem Mann noch nie einen langen Spaziergang bei untergehender Sonne am Strand gemacht, aber ehrlich gesagt: wenn meine Waschmaschine kaputt ist vermisse ich das auch nicht.

In 241 Tagen ist Weihnachten und beim Umzug ist unser Weihnachtsbaumständer kaputt gegangen. Ich hatte das schon total vergessen. Diese Woche kommt mein Mann zwischen 2 Terminen kurz nach Hause, unter dem Arm ein Weihnachtsbaumständer. Ich überlege ob er diesmal für den Weihnachtsgottesdienst so richtig gut vorbereitet sein will und schon die Predigt für Heilig Abend plant. Seine Erklärung: „Jetzt muss man Weihnachtsbaumständer kaufen, denn jetzt braucht keiner einen.“ Bei ebay Kleinanzeigen hat er einen super günstigen abgestaubt. Wisst ihr was das rührenste daran ist? Seit wir verheiratet sind gab es immer mal wieder Diskussionen ob der Baum an Heilig Abend echt sein muss. Ich will einen Baum und zwar jedes Jahr und mein Mann denkt an den ökologischen Fußabdruck, daran, dass es seltsam ist einen Baum ins Zimmer zu stellen und ihn voller Zeug zu hängen (Zitat) usw. Das bedeutet, ihm bedeutet so ein Weihnachtsbaum überhaupt nichts. Er kann Weihnachten in 241 Tagen auch ohne Baum verbringen, aber er weiß: ich liebe diese Tradition des toten Baumes voller Zeug in meinem Wohnzimmer. Und deshalb hat er diesen Baumständer besorgt, nicht weil es ihm so wichtig ist, sondern weil ich ihm wichtig bin. Und es gibt immer wieder Zeiten in denen ich diese Gesten im Alltagsstress übersehe. Diese Woche nicht: ich bin dankbar für unsere Waschmaschine, unseren Baumständer und meinen Mann.

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wertvoll

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Tomas Sjödin schreibt in seinem Buch „Wo du richtig bist“: >Meiner Erfahrung nach werden zwei Dinge deutlich, wenn man auf das Leben zurückblickt. (…) Das zweite ist die Entdeckung, dass an jeder wichtigen Weggabelung ein Mensch steht, ein Mitmensch, der seine Rolle selbst nicht für bedeutsam hält, der aber einfach da ist mit dem, was gerade gebraucht wird, und der eine entscheidende Bedeutung bekommt. Nicht alles, was uns im Leben begegnet hat einen bestimmten Zweck, aber es kann auf lange Sicht zu etwas Gutem führen. Daran sollte man denken, wenn man für die Nöte anderer Menschen Erklärungen aufzählt. Oder für seine eigenen. Deshalb führt die Frage „Warum passiert das gerade mir?“ selten irgendwohin. „Warum nicht mir?“, ist eine angemessenere Frage. (…)Jemandem etwas zutrauen ist eine heilende Kraft und etwas, das einem Menschen den Mut gibt, Dinge zu tun, die er sonst nie gewagt hätte. Dass jemand, dem man vertraut, an einen glaubt, ist ein stärkeres Fundament für das weitere Leben als Visionen oder Bildung.<

Heute hatte ich Begegnung mit genau einer solchen Freundin. Sie ist in ihrer Art mir Fragen zu stellen und mich zu spiegeln so wichtig. Und ich bin dankbar, dass es sie gibt, dass sie sich immer wieder Zeit nimmt, dass sie die Augen nicht rollt obwohl ich mich in meinen Denkprozessen wiederhole und die stetig da ist. Diese Beständigkeit ist so wichtig für mich und ich bin dankbar, dass es sie gibt und für einen wertvollen Vormittag.

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echt jetzt?

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Meine Tochter bringt mal wieder ein Freundebuch mit nach Hause. Wir hatten solche Bücher früher auch, allerdings ohne vorformulierter Fragen, ohne vorgegebenen Inhalten, ohne farblich festgelegt zu sein. Es waren Bücher mit vielen weißen Seiten auf denen wir Sprüche, Gedichte und Freundschaftsschwüre festhielten. Wir gaben nichts preis, was niemanden etwas anging und durften noch selber malen, kleben, basteln. Das Freundschaftsbuch heute fragt viele unnötige Sachen und will dann entscheidendes wissen: „Warst du schon einmal verliebt?“ und „Wirst du rot, wenn du deinem Schwarm begegnest?“ Echt jetzt? Das Buch sieht nicht so aus als ob es sich eine 14jährige zum Geburtstag wünschen würde, nein, die Erstklässler freuen sich über ein solch buntes Exemplar in ihrer Schultüte. Und ich bin einmal wieder enttäuscht von Werbung, Konsum und der unterschwelligen Beeinflussung meiner Kinder. Meine Tochter ist 7. Sie spielt mit Jungs und mit Mädchen. An Geburtstagen ist es wichtig, dass das Programm geschlechterunspezifisch ist, damit sich alle wohlfühlen. Sie denkt noch nicht an Schwärmereien und Verliebtheit. Und diese Unbeschwertheit möchte ich ihr so lange es geht bewahren. Wieso um alles in der Welt braucht es solche Fragen? Versteht mich nicht falsch: meine Töchter sollen einmal Schwärmen und rot werden, Herz klopfen haben und aufgeregt sein… aber nicht mit 7 und auch nicht mit 9. Mein Mann kommt nach Hause. Im Freundebuch haben drei fiktive Freundinnen die Fragen schon einmal beantwortet. Meine Tochter will von diesen unrealistisch aussehenden Mädchen vorgelesen bekommen, wie sie die Fragen beantwortet haben: Mein Mann liest ihr vor. An seinem Ton merke ich wie unsinnig er das findet und als es zu der Frage mit dem Schwarm kommt lenkt er die Gedanken durch ein paar Worte auf einen Bienenschwarm. Und ich bin dankbar, dass er und ich im Umgang mit unseren Kindern dieselben Werte haben: eine unbeschwerte Kindheit, da braucht es keine Schwärmereien, gekünselte Verliebtheit und unpassende Fragen.

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117 Tage

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Über viele Jahre habe ich mich immer wieder benachteiligt gefühlt, dass ich keine familiäre Unterstützung hatte als meine Kinder noch sehr klein waren und ich dauernd nur müde und fertig war. Mein Mann und ich haben wenig in den letzten Jahren als Paar gemacht. Wenn wir weggefahren sind, dann als Familie oder eben einer von uns beiden und der andere blieb bei unseren 3 Mädels.

Eine Freundin hat immer wieder angeboten unsere Kinder für ein paar Tage zu nehmen. Und wir haben das Angebot angenommen und haben für August 4 Tage in Berlin geplant. Ich kann es kaum fassen. Die günstigste Unterkunft, die günstigste Fahrt, die es heute zu buchen gab, gebucht. Unsere Große feiert einen Tag davor noch ihren 10. Geburtstag und dann fahren wir weg. Ich bin jetzt schon in Vorfreude darauf und jetzt schon dankbar, dass ich mich jetzt 117 Tage darauf freuen kann. Und dankbar, dass wir noch zusammen sind. Denn ganz ehrlich für mich ist wahre Liebe, wenn sie den Alltag überlebt – den Stress, die Emotionen, die Monate des Stillens, die Schwangerschaften, Müdigkeit, Streit, unterschiedliche Ansichten, unterschiedliche Arten mit Krisen umzugehen, Enttäuschungen, Überforderung, Geldsorgen… Ihr wisst, mein Alltag beherbergt viele Dankesmomente, aber die Herausforderungen des Lebens bleiben. 17 Jahre Ehe und 10 Jahre Eltern sein sind schön, aber auch echt anstrengend und deshalb freue ich mich unser Jubiläum. 10 Jahre Eltern sein – wie schön ist das denn?

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unfertig sein

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Letzte Woche habe ich über Selbstliebe gesprochen, über das Hadern mit sich selbst… als Predigt, vor Zuhörern. In den darauffolgenden Tagen begegne ich jemandem und lasse die Bemerkung fallen, dass ich gerade in einer Situation stecke in der ich sehr mit mir hadere. Halb lachend, halb im Ernst sagt diese zu mir: „Du darfst nicht mit dir selbst hadern. Du hast doch am Sonntag darüber gesprochen…“

Ich bin erstaunt. Darf ich erst dann ein Mikrophon in die Hand und Gedanken zu Wort kommen lassen, wenn ein Thema in meinem Leben abgeschlossen ist, wenn ich glaube selbst nicht mehr auf dem Weg zu sein? Dann muss ich alle zukünftigen Termine absagen. Denn egal welches Thema: letzte Woche die Selbstliebe, heute Vormittag in Esslingen die Dankbarkeit oder nächste Woche in Dagersheim das Thema Zeit – ich bin mit diesen Themen nicht fertig. Ich spreche über diese Themen nicht, weil ich glaube es besser zu wissen oder weil sie ein abgeschlossener Prozess in meinem Leben sind, sondern weil ich mit ihnen lebe. Ich bin unfertig, Lernende, im Prozess. Aber das ist das Schöne daran. Ich lerne nach den Vorträgen von Menschen, die mir von ihren Erfahrungen erzählen. Freue mich über Einblicke, die ich in ihr Leben bekomme, werde inspiriert. Ich stehe nicht unter dem Druck, das all das worüber ich rede immer Wirklichkeit in meinem Leben sein muss. Ich rede darüber wie ich als Lernende in diesen Themen unterwegs bin, als Unfertige, im Prozess stehende. Und dafür bin ich dankbar, denn dadurch bleibe ich in Bewegung, das macht meinen Alltag bunt und mein Leben lebendig. Unfertig sein.

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Malst du mit mir?

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Ich liebe diese kleinen Momente, die im Alltagstrott vorkommen, aber viel zu schnell übersehen werden. Heute rahme ich einen dieser Momente wieder ein und erhöhe seine Bedeutung, weil er mir am Ende dieses Tages in Erinnerung bleibt. „Malst du mit mir?“ fragt meine Jüngste und dann wird meine Welt langsamer. Denn es ist eine Tätigkeit ohne Sinn ohne konkretes Ziel ohne nennbaren Wert. Wir sitzen nebeneinander und malen in dem Buch, das sie geschenkt bekommen hat. Wir kleben, malen und reden. Sie erzählt vom Kindergarten und was ihr gut schmeckt und dass sie ein eigenes Pferd will. Zwischendurch sagt sie zu mir: „Das macht ein bisschen viel Spaß mit dir.“ Und damit hat es doch Sinn und ein Ziel ist spürbar und der Wert zu erahnen. Mama-Tochter Zeit, die ein bisschen viel Spaß gemacht hat. Dafür bin ich heute dankbar.

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Ausnahme

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Auch wenn ich im Sammeln von Dankesmomenten durch verschiedene Phasen gehe und es mir mal leichter mal schwerer fällt dankbar zu sein, sind doch die ersten Gedanken am Tag Dinge, die ich wahrnehme, die mir vorher nicht so bewusst waren. Das Klingeln des Weckers zu hören, weil ich hören kann. Dann dem Zwitschern der Vögel zu lauschen. Die Beine über die Bettkante schwingen, weil sie wie jeden Morgen neu ihren Dienst aufnehmen und mich durch den Tag tragen. Der wunderbare Geschmack von Milchkaffee, weil ich diese Geschmacksknospen auf der Zunge habe, die Genuss möglich machen. Und vieles mehr… Ich bin mir, ohne dabei große Gefühle zu spüren, bewusst, dass ich gesund bin und mein Körper ohne dass ich ihn darum bitte meinen Geist und meine Seele durch den Tag trägt.

Heute Morgen wache ich mit solch einer starken Migräne auf, dass ich um halb sieben das erste Mal über der Toilettenschüssel hänge. Der Schmerz ist so heftig und so unangenehm. Es ist ein pulsierendes Ziehen vom Nacken über den Hinterkopf bis zu den Augen. Und obwohl nur der Kopf betroffen ist (und zwischenzeitlich der Magen) leidet alles! Ich laufe langsamer, kann Farben schlecht aushalten, bitte die Mädels leise zu sprechen. Nach ein paar Stunden ist alles vorbei, der Kopfschmerz weg und ich wieder die alte. Meine Dankbarkeit heute Abend bezüglich meiner Gesundheit ist voller Gefühl. Dieses wunderbar dankbare warme Gefühl im Herz, in der Brust. Wie fühlt sich Dankbarkeit an? Wie würdet ihr es beschreiben? Ich bin heute fühlbar dankbar, dass ich gesund bin. Dass ich im Normalfall ohne Schmerzen aufwache und schon im Schreiben merke, dass das eigentlich nicht normal ist, sondern besonders. Weil es sich jeden Tag besonders gut anfühlt. Heute habe ich gespürt wie unangenehm Schmerzen gleich am Morgen sind und bin sehr dankbar, dass das eine Ausnahme ist, eine Ausnahme, die mir wieder die Selbstverständlichkeit der Gesundheit besonders kostbar macht!

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Zeit zum Lesen

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Ich lese so gerne. Obwohl mich manche Bücher auch schockiert zurück lassen, sehr betroffen machen, weil ich in kurzer Zeit lese was ein Mensch über Jahre erlebt hat. Für mich ist es eine Geschichte für ihn ein Teil seines Lebens mit dem er umgehen lernen muss. In den letzten Tagen waren wir weg und meine Kinder konnten immer wieder an einem Kinderprogramm teilnehmen und ich hatte Zeit mitten am Tag zu lesen. Das ist so ein herrliches Gefühl. Auf das Buch in meinen Händen wäre ich nie alleine gekommen. Aber einen Tag vor unserer Abreise saß ein junger Mann aus Syrien an unserem Esstisch, das Essen durchschnittlich, die Gespräche gut. Nein, gut ist ein zu positives Wort. Eher interessant, denn was ist gut an einer Fluchtgeschichte? Das sie gelungen ist? Und was bedeutet es in diesen vielen Fällen, dass sie gelungen ist, denn die Strapazen gehen in Deutschland weiter. Freiheit muss sich erarbeitet werden durch Sprache, das Kennenlernen der Kultur und auch das lernen zu einer Kultur ja zu sagen, die der aus all den fernen Ländern so fremd ist. Er hat ein Buch geschrieben, dieser junge Mann, der da an unserem Esstisch saß und ich habe an einem Vormittag gelesen was er in seinem bisherigem Leben erlebt hat. Ich habe das Buch am Ende zugeklappt mit all den Ereignissen, die seine Seele weiter tragen und verarbeiten muss. Ich bin sehr dankbar für den Mut den er hat und die Mühe, die er sich gemacht hat. In all den Gedanken die ich habe und den Gesprächen die teile und den Erfahrung mit den unterschiedlichen Menschen aus anderen Kulturen, brauche ich immer wieder die Erinnerung, dass dahinter Menschen sind, Gefühle, Ängste, Sorgen, Verlust. Ich brauche das, weil ich manchmal (und ich gebe das nicht gerne zu) so hartherzig werde, weil ich die Überforderung so spüre und die Ängste über eine unbekannte Zukunft so groß werden und die Hilflosigkeit all diese Weltprobleme nicht lösen zu können wächst. Dann reagiert mein Herz mit Unnahbarkeit, mein Verstand mit Argumenten, die keine Lösungen sind, aber glauben mich schützen zu können, dann werde ich auch manchmal ungerecht, weil ich die Ungerechtigkeit des Lebens so spüre und mich irgendwie mit schuldig fühle. Ein extrem schwieriges Thema, das in mir für viele Spannungen und Zerrissenheit sorgt. Ein Thema, das eigentlich kein Thema ist, sondern Geschichten beinhaltet – ein Thema ist irgendwann abgehakt, eine Geschichte wird immer weiter erzählt, es tauchen neue Wendungen auf, neue Gesichter… Ich bin dankbar für die Begegnung mit Seif, der unter einem Pseudonym seine Geschichte veröffentlicht hat, veröffentlichen musste und das sagt schon sehr viel über die Schwierigkeiten aus, die ihn hierher geführt haben. Seine Geschichte macht mein Herz wieder weich, nahbar. Sie verdrängt meine Ängste und Sorgen nicht, aber sie sorgt dafür, dass sie nicht zum Maßstab meiner Gedanken und Handlungen werden…

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fühlbarer Segen

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Ein Gästezimmer. Das haben wir in der neuen Wohnung nicht mehr. Über all die Jahre hatten wir in der vergangenen Wohnung immer wieder Menschen bei uns wohnen, zu Gast für ein paar Tage, aber manchmal auch Monate lang. Weil wir Platz hatten, den wir nicht für uns alleine gebrauchen wollten. Meine Pflegemutter war die letzten Tage bei uns zu Besuch. Schöne Oma-Zeit für meine Kinder. Aber eben kein Gästezimmer mehr in einer kleinen Wohnung, wo es dann doch auch mal laut und unruhig wird. Ich ringe mit mir und frage dann aber unsere Nachbarn, die gegenüber wohnen. Sie haben durch den Auszug ihrer großen Kinder etwas mehr Platz. „Kein Problem“, kam sofort die Antwort und für unseren Besuch gab es einen wunderschönen Rückzugsort. Dann macht meine Waschmaschine Probleme. „Frag doch gegenüber“, sagt mein Mann. Noch einmal fragen, zur Last fallen, um etwas bitten? Er fragt für mich. „Kein Problem“, kam sofort die Antwort und meine Wäsche wurde auf der gegenüberliegenden Straßenseite sauber. Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich viele hilfsbereite Menschen kenne, die teilen, die freundlich zueinander sind. Gelebtes Miteinander. Ich bin dankbar für ein paar schöne Tage und dankbar für unsere freundlichen unkomplizierten Nachbarn. So fühlt sich Segen an. 

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Zeit anhalten

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Nach dem Gottesdienst stellt sich meine Freundin zu mir und sagt: „Es ist schon wieder Ende März. Wo ist der Monat nur geblieben. Mein Leben scheint an mir vorbei zu laufen.“ Ich kenne dieses Gefühl und vielleicht sammle ich auch deshalb Dankesmomente, weil es die Zeit zu verlangsamen scheint, für ganz kurze Augenblicke anhalten, innehalten, wahrnehmen: * Die Sonnenstrahlen, die so schön auf den Küchentisch fallen am Morgen.* Meine Große, die mir einen Kaffee macht mit aufgeschäumter Milch.* Spontan zu Freunden eingeladen zum Grillen.* Eine Freundin, die weiß, dass ich am Wochenende wieder alleine war mit meinen Mädels bringt einen Strauss und einen super süßen Kuchen* Einen Augenblick die Welt anhalten, einen Wimpernschlag lang. All das ist nichts besonderes, aber es machte das vergangene Wochenende besonders schön. Und wenn etwas schönes wahrgenommen wird, hält die Seele kurz inne, nimmt wahr und sammelt. Und wenn die Seele kurz inne hält, scheint die Zeit stehen zu bleiben und auch der Monat März geht zu Ende und ich spüre – es war ein voller Monat, ein Monat voller Dankesmomente…

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unperfekte Welt

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Ich bin genervt – am meisten von mir selbst. Mein Mann hat zum Essen eine Frau aus Afghanistan eingeladen. Mir fällt ein, dass ich daran gedacht habe Essen einzukaufen, aber der Nachtisch fehlt . Von einer Iranerin weiß ich, dass Frauen dort ihren Wert an drei Dingen festmachen: wie sie aussehen, wie ihre Wohnung aussieht und was sie ihren Gästen zum Essen auftischen. Und ich habe keinen Nachtisch. Ich ärgere mich, weil ich es doch irgendwann einmal besser hinbekommen müsste, das mit der Gastfreundschaft… Ordentliche Wohnung, opulentes Essen. Drücken diese beiden Dinge nicht Wertschätzung aus? Von einer Besprechung, die ich morgens hatte sind noch Kekse übrig. Diese stelle ich nach dem Essen zum Tee mit auf den Tisch. Zu diesem Zeitpunkt sind die Kekse und der fehlende Nachtisch überhaupt kein Thema mehr. Vor mir sitzt eine junge Frau, die auf der Flucht ihre Familie verloren hat. Sie findet sich in Deutschland wieder, die Mutter mit den Geschwistern in Schweden. Es gibt EU-Bestimmungen, die wichtig sind und die man am liebsten hier und heute über den Haufen werfen möchte. Weil vor uns eine Frau sitzt, die zu alt ist um ein Kind zu sein und zu jung um eine Frau zu sein. Die mit Einsamkeit kämpft und ihre Familie vermisst. Die sich Gesetzen beugen muss und trotzdem versucht aufrecht ihren Alltag zu meistern. Die viele Jahre Schule verpasst hat, weil sie im Iran als Flüchtling die Schule nicht besuchen durfte. Mit youtube bringt sie sich Mathe, Deutsch und Englisch bei. Sie ist eine stille Kämpferin. Eine, die nicht aufgibt. Die sich weigert zu resignieren. Ich bin so dankbar, dass sie da war. Sie hat meinen heutigen Tag so sehr bereichert, auch wenn ich den Nachtisch vergessen habe. Meine Werte erinnern mich: dass ich zuhören möchte, hinhören, in den Arm nehmen, wieder einladen. Du bist willkommen in meiner unperfekten Welt, weil du eine von denen bist die mich erinnern, dass es Nächstenliebe braucht und Nahbarkeit, Anteilnahme und Wertschätzung. Es braucht keine Perfektion, sondern Gemeinschaft. Und die geht auch ganz ohne Nachtisch. Heute bin ich dankbar für ein unperfektes Essen in wertvoller Gemeinschaft.

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Gesang einer Amsel

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Eine halbe Stunde. Eine halbe Stunde Zeit. Eine halbe Stunde Zeit für mich alleine. Ich gehe los – mit offenen Augen. Entspannung durch den Wind im Gesicht, den Boden unter den Füßen, mit offenen Augen. Und dann sitzt sie da. Am Dachfirst, alleine, sie zeichnet sich gegen den grauen Himmel ab. Ihr Federkleid schwarz, ihre Erscheinung unscheinbar, die Melodie aus ihrer Kehle kraftvoll. So bewusst wie in diesem Moment habe ich noch nie wahrgenommen, dass eine Amsel sehr klein ist für die Töne, die aus ihr gesungen kommen. Wunderschöner lauter Gesang. Ich bin fasziniert von diesem kleinen unscheinbaren Wesen. Ja und ich bin inspiriert. Denn es interessiert sie nicht, dass ich stehen bleibe und gebannt ihre Bewegungen beobachte und ihrem Lied lausche. Immer wieder streckt sie selbstbewusst ihren kleinen Kopf in die Höhe, ihre Augen wach und singt. Ein Ehepaar kommt an mir vorbei gelaufen, sie folgen meinem Blick, doch was ich sehe weckt nicht ihr Interesse. Sie laufen weiter. Der Gesang der Amsel bewegt nicht dasselbe in ihnen was er in mir auslöst. Aber es interessiert die Amsel nicht, dass das Ehepaar weiter geht, ihrem Gesang keine besondere Beachtung schenkt. Sie singt unbeschwert, weil sie sich ihrer Wirkung nicht bewusst ist, weil sie das tut was ihrem Naturell entspricht, sie holt sich bei anderen nicht die Erlaubnis singen zu dürfen und sie lässt sich auch dadurch nicht beirren, dass das Ehepaar nicht stehen bleibt und hinhört. Diese Amsel macht mir Mut. Mehr das zu tun, was meinem Naturell entspricht, nicht immer in der Sorge was für eine Wirkung es hat, welche Bewertung ich bekomme, was andere über mich denken könnten. Fröhlich singen, weil es ihr entspricht, unbeirrbar, ausdauernd. Ich bin so dankbar für diesen kurzen Moment der Ermutigung, für die Inspiration durch einen Vogel, für ihren Gesang. Es war nur einen Moment, den galt es festzuhalten, damit meine Seele dazu lernen kann. Dafür bin ich dankbar.

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keine neue Herausforderung

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„Dann gehen wir noch raus“, sage ich zu meinen Töchtern. Das Wetter ist schön, die Hausaufgaben gemacht, die Flechtfrisur der Großen für die nächsten zwei Tage erneuert. „Nein“, protestiert meine Jüngste, „erst Muffins backen.“ Und dann ist sie mit Feuereifer dabei. Ich genieße es wirklich, dass das mittlerweile mit allen drei Kindern geht: baden, backen, basteln. Und die Muffins backt sie gar nicht für sich. Ihr Freund ist schon seit einiger Zeit krank. Nachdem sie auch letzte Woche nicht in den Kindergarten konnte, hat sie ihn schon lange nicht mehr gesehen und will ihm morgen vor dem Kindergarten ihre selbst gebackenen Muffins vorbei bringen. Es war ihre Idee, schon heute Morgen gleich nach dem Aufstehen. Und die Erinnerung folgte beim Zähne putzen und Anziehen, beim in-den-Kindergarten-bringen und wieder abholen, beim Mittagessen und jetzt als ich mit den Mädels raus möchte. Wir backen und können danach noch an die frische Luft. Und mir ist wieder sehr bewusst wie dankbar ich bin, dass wir trotz des Stellenwechsels meines Mannes nicht die Stadt wechseln mussten. Keine neue Freundschaften knüpfen, vorfühlende Gespräche, seinen Platz finden, neuen Anforderungen gerecht werden… Es gibt einen lustigen Spruch: „Sei dankbar für all die Probleme, die du nicht hast.“ Eine neue Stadt mit all den neuen Menschen wären für meine Mädels und mich eine große Herausforderung gewesen. Ich bin so dankbar, dass diese neue Herausforderung auf unbestimmte Zeit vertagt wurde und meine Tochter heute für ihren Freund Muffins gebacken hat. Weil es hier so schön ist, weil sie hier Freunde haben, weil ich hier Freundinnen habe. Alles bleibt beim alten. Wie schön. Heute bin ich dafür sehr dankbar!!!

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der Raum für die Seele

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Meine Freundin hat mir ein Bild geschickt: >Hier chille ich gerade.< Sie ist weg, alleine, in die Stille… Meine Freundin ist begabt und begeistert, menschennah und motiviert, initiativ und inspirierend, man verbringt einfach gerne Zeit mit ihr. Ich glaube nicht, dass Überforderung aus der Fülle von Terminen kommt, aus dem Gefühl zu wenig Zeit, sondern, dass es einzelne Aufgaben, Begegnungen mit bestimmten Menschen, die Hilflosigkeit angesichts bestimmter Nöte zur Überforderung führen kann. Zuviel, der Körper kann noch, der Geist auch, aber die Seele setzt Signale. Zuviel! Zu viele Gespräche, zu viele Nöte anderer, zu viele ungeklärte Fragen – zuviel. Und dann ist das beste aller Erholungsmittel die Stille. Die Stille ist der Raum in der sich die Seele erholt, zur Ruhe kommt, regeneriert. Die Stille ist Heimat für die Seele, hier kommt sie an, darf einfach sein, sich ausruhen, wird nicht neu gefordert, keine neuen Reize, die wieder reizbar machen… Es ist so schön, dass ich mit Menschen leben darf, die lernen gut mit sich umzugehen, die mir ein Vorbild sind, die Signale nicht einfach weg schieben, sondern ihnen nachgehen, die damit zurecht kommen, dass die Welt sich weiter dreht, auch wenn sie für ein paar Tage aussteigen. Heute bin ich dankbar für meine Freundin, für ihre Auszeit und freu mich schon ganz arg darauf, wenn wir uns sehen und sie mir erzählt. Denn ihre Fragen werden in dieser Zeit nicht alle beantwortet, sie kommt nicht mit einem Hilfeplan für die ihr Anvertrauten zurück, sie wird keine Lösung auf jedes Problem haben, aber ihre Seele ist ausgeruht um den Herausforderungen des Lebens neu zu begegnen. Dafür bin ich dankbar!!!

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