Diesen Beitrag wollte ich vor einer Woche veröffentlichen. Aber ich brauchte irgendwie Zeit um wieder zu lernen mit unbeantworteten Fragen umzugehen. Denn während ich in der fröhlichen und hoffnungsvollen Geburtstagsrunde saß, ist der Vater einer lieben Freundin gestorben. Das wusste ich in dem Moment noch nicht. Während wir feierten, trauerten andere um einen lieben Menschen und tun es immer noch. Das tut mir so leid. Es liegen Freude und Leid, schöne Momente und Schmerz so dicht beieinander. Das anzunehmen und zu akzeptieren ist Schwerstarbeit. Ich denke an meine trauernde Freundin und freue mich mit an dem nachstehenden Dankesmoment von letzem Mittwoch…

Dass mir in einer Runde von 10 Leuten die Tränen kommen – ich weiß nicht wann mir das das letzte Mal passiert ist. Aber es waren keine Tränen der Trauer, sondern des Überwältigt seins. Mit Freunden fahre ich zu einem Geburtstag. Letztes Jahr saßen wir um diese Zeit zusammen in ihrem Garten und haben gefeiert. Den runden Geburtstag, den 50., bei Sonnenschein und Brunch. Dieses Jahr fahren wir zu ihr ins Krankenhaus. Nein, es ist kein trauriger Anlass mehr. Das war er vor ein paar Wochen, der Krankenhausbesuch. Auf der Intensivstation. Warten bis das Pflegepersonal einen vom Flur abholt, sich einpacken in Schutzkleidung wegen der Keime. Und dann liegt sie da. Sie sieht nicht aus wie sie selbst. Ich bin erschrocken, hätte sie nicht wieder erkannt, wenn ihr Mann mich nicht begrüßt, der nicht von ihrer Seite weicht. Und dann verbringe ich Zeit bei ihr. Zeit, die an ihr vorüber zieht, sie wird sich daran nicht mehr erinnern. Beten, beten, dass die überlebt, denn die Ärzte haben versucht was sie können, aber auch ihr Latein ist am Ende.

Und letzte Woche sehe ich sie wieder. In einem anderen Krankenhaus. Aufrecht sitzend. Lächelnd, ihre Haare, ihre Kopfbewegung, ihr Lächeln. Da ist sie wieder. Vor Wochen habe ich sie nicht wieder erkannt, jetzt bin ich so gerührt, dass sie da sitzt wieder erkennbar wieder zu erkennen, an ihrem 51. Geburtstag. Ich freue mich so. Die Heilung kam nicht spontan von heute auf morgen, Stück für Stück, Stufe für Stufe. Ich freue mich so, dass sie überlebt hat. Dass sie wie ein Wunder vor mir sitzt. Wie durch ein Wunder, sie ist das Wunder. So intensiv habe ich das noch nie erlebt. Denn als ich als Krankenschwester gearbeitet habe, habe ich viele kranke Menschen erlebt, aber ich kannte sie nicht im gesunden Zustand. Das ist ein riesiger Unterschied. Es war so schön ihren strahlenden Mann zu sehen, sie im Kreis ihrer Freunde zu beobachten. Ihre erwachsene Tochter kommt dazu, erzählt ihrer Mama was sie in den letzten Tagen erlebt hat. Diese lächelt und nickt. Ich freue mich so sehr, dass sie noch vielen Geschichten lauschen wird, noch oft lächeln wird. Ein Mensch, der aus diesem Leben geht hinterlässt immer eine große Lücke. Ich bin so dankbar, dass es diese Lücke jetzt nicht geben wird, sondern, dass sie in ihrer Art weiterhin ihre Familie, ihre Freunde, uns alle bereichert. Es ist ein Wunder, es ist Gnade, es ist ein Geschenke, es ein Dankesmoment…

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