Meine Tochter hat einen Gastauftritt mit ihrer Ballettgruppe auf der größten Bühne unserer kleinen Stadt. Die Johann-Strauss-Capelle Wien spielt die schönsten Stücke von dem berühmten Komponisten und hin und wieder untermalen zwei Profiballettänzer/in die Musik. Die Ballettgruppe meiner Tochter hat einen Tanz in diesen zwei Stunden. Deshalb habe ich viel Zeit der Musik zu folgen, weil ich nur bei einem Stück (in dem meine Tochter dazu tanzt) aufgeregt bin.

Was Musik bewirkt. Ich bin berührt von der Musik, wie die einzelnen Instrumente etwas wunderbar sanftes, stürmisches, berührendes zaubern. Immer wieder kommen mir die Tränen. Ich kann gar nicht sagen warum, ich bin einfach berührt, gerührt. Mein Sitzplatz ist so weit an der Bühne, dass ich die Mimik der Musiker beobachten kann. Unglaublich… Sechs Geigen und alle spielen das gleiche Stück, aber keiner spielt es gleich. Eine Geigerin schaut sehr konzentriert, fast streng in ihre Noten, ganz vereinzelt huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Was sie wohl in diesem Moment zum Lächeln bringt? Eine Geigerin scheint völlig versonnen in die Musik. Sie ist ganz versunken und wiegt ihren Oberkörper hin und her. Eine weitere Geigerin sitzt das ganze Konzert kerzengerade. Keine Bewegung ist sichtbar, außer die des Geigenbogens. Als das Stück „Blitz und Donner“ gespielt wird, spiegelt sich das Gewitter in den Augenbrauen und der Kinnpartie des Kontrabassspielers wieder. Interessant! Bei manchen Stücken greift meine Sitznachbarin, die geschätzt um die 70 Jahre alt ist, immer mal wieder nach der Hand ihres Mannes und wippt zum Takt mit. Welche Erinnerungen werden durch die Musik geweckt, an was denkt sie? Ihr Mann drückt ihre Hand. Musik verbindet. Ich fühle mich beglückt nach diesem besonderen Event, in das ich nur gegangen bin, weil meine Tochter ihren Auftritt hatte und durch das ich aber so bereichert wurde. Wunderschöne Musik und die Kapelle hat das gleiche Stück gespielt, aber nicht auf die gleiche Art und Weise. Heute bin ich für diese zwei außergewöhnlichen Stunden sehr dankbar!

Und was habe ich in der Pause gemacht? Richtig: gelesen.
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