Es gibt viele Gründe warum ich gerne in der Altenpflege tätig bin, auch wenn ich immer wieder mit dieser zusätzlichen Aufgabe hadere. Der Hauptgrund warum ich gerne arbeite sind die Menschen und ihre Geschichten.

Er hat Geburtstag und ich gratuliere ihm dazu, freudenstrahlend. Weil ich mich so mitfreue, dass er an seinem 91.Lebensjahr so fit hinter seinem Stück Kuchen sitzt und sofort aufsteht als ich ihm die Hand gebe – alte Schule eben. Ich frage ihn was er sich im neuen Lebensjahr wünscht. Hat er noch Wünsche mit 91 Jahren? Braucht er noch etwas oder erreichen wir irgendwann einen Zeitpunkt an dem wir wunschlos zufrieden sind? Sofort kommt die Antwort: „Dass ´s Göschle weiter läuft.“ (Übersetzung: “ Dass ihr Mund nicht aufhört zu reden.“) Damit legt er seinen Arm um seine 90 jährige Frau, sie ihren Kopf an seine Schulter und wir drei lachen. Seit 75 Jahren sind sie ein Paar, davon 67 Jahre verheiratet und einen ihrer Söhne haben sie vor vielen Jahren beerdigen müssen. „Deshalb haben wir beide einen Schuss weg,“ sagte einmal die Frau zu mir. „Das verkraftet sich nicht so leicht.“ Aber die beiden hat es nicht auseinander gebracht, sondern sie haben es miteinander getragen. Und ich freue mich über seine Wertschätzung, wenn sie redet. Aber auch über ihre Achtsamkeit. Denn sobald er etwas sagen möchte, schließt sich ihr „Göschle“ und sie hört zu. Das nenne ich mal einen ehelichen Umgang mit unterschiedlichen Typologien, den ich hoffnungsvoll finde. Ich liebe meinen Beruf wegen der Menschen und ihren Geschichten. Manche davon machen mir Hoffnung. Dafür bin ich heute sehr dankbar!

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