Im Foyer warte ich auf meine Tochter. Natürlich lesend. Und trotzdem bin ich auch Beobachterin. Denn es betreten Kindergartenkinder den Raum und setzen sich mit ihren Erzieherinnen auf die freien Stühle. Der schrille Gong ertönt und auf den Treppen herrscht lautes und emsiges Treiben. Jeder Schüler rennt zu seinem Schulbus – vor manchen liegt eine 10minütige Fahrt, andere werden ein einhalb Stunden unterwegs sein. Ein Kindergartenkind nach dem anderen wird im Foyer von den unterschiedlichen Fahrern abgeholt. Und dann passiert es wieder: mir kommen die Tränen vor Rührung. Bevor ich Kinder hatte kannte ich dieses Phänomen nicht. Man weint nicht, weil man traurig oder froh ist, sondern weil man gerührt ist, irgendetwas beginnt in der Seele zu schwingen und lässt die Tränen laufen. Alle Kinder auf dieser Schule und im Kindergarten haben eine Hörproblematik, die einen organisch, die anderen kognitiv. Aber alle kommen in einer Regelschule nicht zurecht, brauchen eine besondere Form des Unterrichts und es wird ihr Leben lang Thema sein. Ich bin gerührt und dankbar, dass es diese Form der Unterstützung gibt. Sonderpädagogen, Fördermittel, CIs und Hörgeräte, Gebärdensprache und Schulbusse. Es ist schön in einem Land zu leben, das darauf Rücksicht nimmt. Vielleicht ist eine Schwäche nur so lange eine Schwäche bis wir einen Umgang mit ihr finden. Ich bin dankbar, dass es diese Form des Unterrichts gibt, Unterstützung und Beratung.

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