20160531_094740Die Situation mit den vielen Menschen, die ihre Heimat verloren und eine neue Heimat hier suchen, fordert mich und  überfordert mich auch immer mal wieder. Es treffen einfach so unterschiedliche Kulturen aufeinander. Das Ziel war, Frauen in dem Nähprojekt für Flüchtlinge, dem Zauberfaden, unterzubringen. Zuerst bei den Frauen, auch nachdem wir dort waren, helle Begeisterung. Ja, da wollen wir hin. Endlich Beschäftigung. Raus aus unseren Unterkünften, wo jeder Tag gleich ist. Für gestern hatten sie zugesagt, zum Arbeitsbeginn. Die Reaktionen immer wieder, wenn ich sie an den Termin erinnere, verhalten. Aber ich wünsche mir so, dass sie dort Fuß fassen. Denn der Zauberfaden verteilt nicht nur für fünf Stunden Arbeit am Tag…Es gibt Deutschunterricht. Viele bekommen in ihrem momentanen Status keine Deutschkurse. Es werden gemeinsame Mahlzeiten eingenommen. Gemeinschaft gefeiert und nicht wie in den Zimmern, die im Moment viele ihr Zuhause nennen, mit dem Teller auf dem Schoß essend. Es wird langsam an Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit gewöhnt. Denn das ist in Deutschland ein hoher Wert! Am So. Abend nach längerem Gespräch, die Absagen. Nein, sie wollen doch nicht dort arbeiten. Der einen verbietet es schlichtweg der Bruder. Bei den anderen kommen Dinge hervor, mit denen wir immer wieder konfrontiert werden. Falsche Erwartungen, falsche Gerüchte. Z.B., wenn man in Deutschland arbeitet, bekommt man kein Aufenthaltsrecht. Das es genau umgekehrt ist und die Chancen steigen, braucht einiges an Gespräch. Oder, wenn man jetzt eine Tätigkeit beginnt, z.B. nähen, muss man das für den Rest seiner Zeit in Deutschland machen. Das sind 2 von keine Ahnung wie vielen Vorstellungen. Integration ist ein schwieriges Wort. Schwierig zu schreiben, noch schwieriger zu leben. Aber unumgänglich und dringend notwendig!  Heute bin ich dankbar, dass eine Frau im Zauberfaden begonnen hat zu arbeiten . Denn dieser ist nicht einfach nur ein Arbeitgeber, sondern ein Integrationshelfer. Und ich bin dankbar, dass heute Abend mein Mann in unserer Kirche sitzt mit einigen Leuten aus unterschiedlichen Ländern…Sie machen einen Alphakurs, auf Farsi. Denn jede weite Wegstrecke wird mit vielen kleinen Schritten bewältigt.

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