20150719_214801Der Kloß setzt sich heute Nacht fest in meinen Hals und auch die vielen Tränen, die ich heute schon geweint habe, vermögen nicht ihn wegzuspülen. Mein Mann weckt mich, irgendwann zwischen 1 und 2 Uhr nachts. „Ich muss los. Ich habe gerade einen Anruf bekommen, der Papa von … ist gestorben.“ Ich denke, dass es vielleicht nicht Wirklichkeit ist, dass es nicht der Realität entspricht und hoffe, bis mein Mann zurück kommt, dass er sich verhört hat. Aber es ist Realität, es ist die Wahrheit, dass ein Mann aus unserer Gemeinde plötzlich gestorben ist, ohne erkennbare Vorzeichen, einfach so, in der Mitte der Nacht. Seine Frau ist jetzt Witwe von jetzt auf gleich, sein Sohn ist jetzt Halbwaise, von jetzt auf gleich, seine Tochter ist jetzt Halbwaise von jetzt auf gleich. Das ist die grausame, die schreckliche Realität. Und der Kloß der Traurigkeit sitzt fest in meinem Hals. Wofür ich heute dankbar bin? Es gibt diese hoffnungslosen Geschichten, dass Menschen Menschen verloren haben und ihr Leben lang nicht mehr aus ihrer Trauer herauskommen. Die Bitterkeit setzt sich nach der Trauer tief im Herzen fest und der Verlust bleibt immer der Gegner, der Feind, gegen den gekämpft werden muss. Aber immer wieder als ich heute für die Frau und die Kinder (im Teenegeralter) gebetet habe, erinnert mich Gott an die Hoffnungsgeschichten. Meine Freundin, die vor Jahren ihren Mann verlor, von jetzt auf gleich und die mittlerweile wieder lachen kann, die leben kann, die lieben kann, die feiern kann. Der Verlust ist nicht ihr Freund, aber sie sind auch keine Feinde, er gehört zu ihrem Leben und sie hat keine Antworten, aber inneren Frieden. Meine Cousine, die ihren jüngsten Sohn verlor, von jetzt auf gleich. Der Verlust wird immer ihr Begleiter sein, aber sie fühlt sich von Gott getragen, getröstet und in ihrer Gegenwart spüre ich einen unglaublichen Frieden. Dafür bin ich heute dankbar. Diese Geschichten trösten mich heute, immer und immer wieder. Die Gedanken an liebe Menschen, die liebe, geliebte Menschen verloren haben, aber daran nicht zerbrochen sind. Und dafür bete ich am meisten: dass sie daran nicht zerbrechen.

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