20160721_174856_20160721231505365.jpg…und wir sind aus Berlin zurück und ich habe keinen Dankesmoment gebloggt, obwohl es wieder unzählige gab. Aber wenn ich heraus genommen bin aus meinem Alltag, dann fällt es mir schwer selbst liebgewonnene Routinen mit zu nehmen. Wir hatten die Möglichkeit ein Projekt in Berlin zu besuchen und mit dem Leiter Gespräche zu führen. Das refugio ist ein Projekt, in dem Flüchtlinge und Einheimische, miteinander leben, arbeiten, Alltag gestalten. Und es war so vieles, was ich gerne an Gedanken mit euch teilen möchte, aber am dankbarsten bin ich, dass es eben diese Geschichten auch gibt. Die guten Geschichten, die schönen Geschichten. Ich bekomme immer wieder Angst, wenn ich Schlagzeilen lese, Reportagen sehe, Radio höre. Eine sehr dominante und ganz andere Kultur beeinflusst unser Land, unsere Kultur, es verändert sich, wir befinden uns schon mittendrin. Und vieles was ich höre ist angstbesetzt, nicht sehr hoffnungsvoll, mit Unsicherheiten verbunden. Und es gibt diese Augenblicke, da will ich meine Augen verschließen und die Decke über den Kopf ziehen und mir eine heile Welt einrichten. Aber heil ist sie schon lange nicht mehr, selbst wenn ich Fenster, Türen und mein Herz verschließe. Und deshalb bin ich heute dankbar, dass ich wieder bei meiner Freundin in der Flüchtlingsunterkunft war. Sind wir Freundinnen, obwohl wir nicht die gleiche Sprache sprechen? Ab wann ist eine Bekannte eine Freundin und warum werden aus Bekannten nicht automatisch Freundinnen? Meine Freundin hat ihre Heimat mit ihrem Mann und ihren 2 Kindern verlassen. Wenn wir in ihrem Zimmer zusammen den Klängen aus ihrem Land lauschen und sie mir beibringt, wie man in ihrem Land tanzt, dann spürt man das Vermissen, die Verbundenheit nach Hause, den Verlust der Heimat. Aber ich bin so gerne in ihrem Zimmer, weil sie das wenige was sie hat pflegt, weil sie trotz dieser sehr schwierigen Lebenssituation ihrer Familie ein Zuhause mit Atmosphäre schaffen will, weil sie dankbar ist, weil sie freundlich ist, weil sie viel lacht, obwohl die äußeren Umstände schwierig sind. Weil sie so liebevoll und geduldig im Umgang mit ihren Kindern ist, weil ich mich bei ihr immer willkommen fühle, weil sie Werte lebt, die reden ohne dass sie Worte benutzt. Sie ist ein Flüchtling, sie ist eine Freundin, sie ist eine Bereicherung…

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