20151101_204156Es ist gestern voll an mir vorbei gegangen, dass Reformationstag war. In den Medien, auf Plakaten ist immer nur von Halloween die Rede und davon, wer sich am gruseligsten schminkt und dementsprechende Doko hat. Ich weiß, das Unsinnige gehört in unserer Gesellschaft zum Spaß, zur Zerstreuung, zum Entspannen und amüsieren. Deshalb bin ich auch die Spaßbremse, wenn ich das hinterfrage. Wieso das Unsinnige einen solchen Stellenwert bekommt und das Sinnvolle so verloren geht? Weil das Sinnlose keine Fragen stellt, keine Anfragen an mich hat, nicht zum Nachdenken und Reflektieren anregt und deshalb weniger anstrengend ist? Worin liegt der Reiz bei Halloween? Vor 498 Jahren hat ein Mann nicht nach Entspannung, nach Zerstreuung, nach Spaß gesucht. Er hat viel nachgedacht und hat festgestellt, wenn er das Wort Gottes, die Bibel, mit der Praxis der Kirche vergleicht, dann geht da gewaltig etwas schief. Und so verschickt er seine Stellungnahme, seine 95 Thesen, an die, die etwas zu sagen hatten und hängt sie an die Kirchentür. Ich bin so derart fasziniert von diesem Mut dieses Mannes. Der aufstand, für den es richtig unbequem wurde, weil er Position bezog. Einen großen Teil meiner Art Glauben leben zu können, eigenverantwortlich, eigenständig, frei, ohne Ablassbriefe, habe ich ihm zu verdanken. Und am meisten bin ich dankbar, dass er sie Bibel in meine Sprache übersetzt hat und ich nicht darauf angewiesen bin, dass der Pastor sie mir sonntags vorliest und dann auslegt, sondern ich kann jetzt hier auf meinem Sofa darin lesen. Das finde ich wundervolltoll. Ich bin dankbar für den Mut von Martin Luther, für seine Ausdauer die Bibel zu übersetzen und dass mir Gottes Wort so im Alltag hilft, mich inspiriert, mir Orientierung gibt, mich ermahnt, mir Geschichten erzählt… ein richtiger Schatz, mein Schatz.

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