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Eine Freundin und ihre Töchter besuchen. Reden, Kaffee trinken, gemeinsam essen, den Kindern beim Lachen zuhören… Unsere Gespräche werden schwieriger, intensiver – überhaupt habe ich in den letzten Tagen viele Gespräche geführt. Um Probleme zu lösen, aber bis jetzt haben sich die Probleme noch nicht verflüchtigt. Um Ursachen und Gründe zu finden, bis jetzt sind sie noch verborgen. Und auch meine Freundin reiht sich ein und erzählt mir von den Herausforderungen in denen sie steht und ich weiß auch keinen Rat. Und sie erzählt mir von den Herausforderungen in denen ihre Nachbarinnen stehen… In den letzten Monaten sind 3 weitere Frauen Alleinerziehende geworden in tollen Häusern mit schönen Gärten. Wir reden über Verletzungen und innere Nöte über Ängste und Ungerechtigkeiten. Ich merke, dass es mir immer schlechter geht während wir reden, weil ich so traurig bin. Sind wir nicht alle Menschen, die geliebt und geachtete werden wollen, verstanden und ermutigt? Wünschen wir uns nicht alle einen Platz an dem wir schwach sein dürfen und gehalten werden, an dem wir Fehler machen dürfen ohne verurteilt zu werden?

Wir müssen los, wollen ihrer großen Tochter noch bei einem Auftritt zusehen. Meine Mädels wollen unbedingt bei ihr im Auto mitfahren. Deshalb habe ich 20 Minuten Zeit, alleine im Auto von carsharing. Ich fahre los, meine Hand sucht das Radio. Es ist kein Sender programmiert, außer Rauschen kommt da nicht viel. Ich bin so unruhig, hoffe auf Musik, die mir gefällt und die ich schön laut aufdrehen kann. Ich brauche jetzt diese Musik um all die unruhigen Gedanken, all die pochenden Fragen zu übertönen. Ja, meine Gedanken können laut sein, aber Musik noch viel lauter. Aber da ist nur dieses Rauschen und der leise Impuls: „Ich will euch trösten…“ Ich schalte das Radio ab und lasse meinen hilflosen Gedanken in lauten Gebeten freien Lauf. Ich stelle meine Fragen, äußere meine Mutlosigkeit und frage ängstlich und ehrlich: „Entgleitet dir denn nicht alles, Vater? Großer Gott, wo bist du in all dem?“ Schon im Aussprechen merke ich wie ich ruhiger werde, weil ich weiß, dass ich gehört werde. Mein Gedanken sind nicht mehr ganz so finster und es taucht das wunderbare Lied auf:

Du bist mein wunderbarer Hirt, der mich zum frischen Wasser führt… Du bist mein Stecken und mein Stab. Und wandre ich im dunklen Tal fürcht ich kein Unheil mehr, denn du bist hier bei mir, bei mir… An deiner Hand wird meine Seele still, sie wird still…Ich komm, ich komm an deinen Tisch. Ich komm, ich komm, ich bin gewiss – du bist mein wunderbarer Hirt. Lothar Kosse

Ich kann weder gut singen noch fällt mir der ganze Text ein, aber ich werde getröstet. Nicht in dem ich meine lauten Gedanken durch noch lautere Musik versuche zu übertönen, sondern in dem ich sie laut werden lasse und dem bringe an den ich glaube. Und der sie einbettet in ein wunderschönes stilles Lied. Da sind nicht Antworten und Lösungen auf dem Silbertablett, aber da ist Trost und da ist Friede. Wenn Menschen mit einem schiefen Lächeln sagen, dass nur schwache Menschen einen Gott und Glauben als Trostpflaster brauchen, dann stehe ich dazu, ich bekenne: „Ich bin schwach.“ Ich verstehe so vieles nicht, es überfordert mich, es macht mich zutiefst traurig. Gott ist so vieles – groß und wunderbar, mächtig und allwissend, zu fürchten und liebevoll, gnädig und voller Schönheit. In den 20 Minuten Autofahrt war er mein Trostpflaster. Und für diesen Trost den ich in der Begegnung mit ihm erfahre, für diesen inneren Frieden bin ich unendlich dankbar!!!

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