Alltagslektion. Meine Mittlere kommt mit den Händen in die Hüften gestemmt auf mich zu, baut sich vor mir auf und ruft: „Ich will kuscheln.“ Und für diesen Moment bin ich heute dankbar. Nicht nur weil wir dann gekuschelt haben, sondern weil meine Tochter ihr Bedürfnis nach Nähe, Zuwendung und Wertschätzung wahrnimmt und ausdrückt. Natürlich arbeite ich mit ihr noch an der Ausdrucksform 😉 Und sie wird mir zum Vorbild, weil wir Großen das oft schon verlernt haben. Die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und für sie zu sorgen. Wenn das bei mir ohne Auswirkung bliebe wäre es vielleicht gar nicht so schlimm, aber ich werde genervt, gereizt und innerlich aggressiv, wenn ich über einen längeren Zeitraum an meinem Limit lebe. Und ich erwarte dann (unbewusst), dass andere meine Defizite wahrnehmen durch indirekte Ansagen, jammern oder gar Vorwürfen. Meine Angst ist, dass ich egoistisch und ich-bezogen werde, wenn ich nach mir schaue. Andererseits will ich auch nicht so ein Miesepeter sein. Eine Freundin hat mir dieses Verhalten vor längerem gespiegelt, was sehr unangenehm war, aber so hilfreich. Der Begriff Eigenverantwortung hat an Bedeutung gewonnen. Ich dachte Eigenverantwortung sind die Leistungen, die ich erbringe, sind die messbaren Werte, die mein Leben liefert, ist mein Handeln Dritten gegenüber. Meinem Gegenüber will ich mit echtem Respekt begegnen, aber gehört nicht zum Respektieren eines anderen mein eigener Respekt mir gegenüber dazu, ist er nicht sogar Voraussetzung? Und gehört nicht zum eigenen Respekt der respektvolle Umgang mit den eigenen Bedürfnissen? Und gehört nicht zum respektvollen Umgang mit den eigenen Bedürfnissen diese zu kennen und wahrzunehmen? Und so stemme ich die Hände an die Hüften, baue mich vor dem Leben auf und rufe: „Ich will …“

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