Meine Tochter kommt mit einer kleinen süßen Schnecke aus dem Kindergarten. Die Schnecke heißt Bella-Stella, isst gerne Kleeblätter und hat ab jetzt ein neues Zuhause bei uns. In ihrem Zimmer sitzt meine Jüngste und beobachtet, wie die Schnecke aus ihrem Haus kommt und sich vorsichtig fortbewegt, sehr langsam. Sie erklimmt den Fingernagel meiner Tochter, die begeistert kommentiert: „Schau mal, Mama, wie sehr Bella-Stella mich mag. Sie möchte ganz nah bei mir sein und gar nicht mehr weg.“ Dass das Verhalten der Schnecke instinktiv ist, ist für mein Mädchen überhaupt nicht wichtig, sondern stimmt sie den ganzen Tag immer wieder froh. (Mittlerweile ist die Schnecke wieder zurück in der Natur.)

Im Spätdienst fahre ich in einer 30er Zone und nehme jemandem die Vorfahrt. Aus Versehen, ich war in Gedanken, die Situation überhaupt nicht gefährlich, aber der Mann hinter dem Lenker auf 180. Seine Gestik und Mimik verrät sehr deutlich, dass er mein Fehlverhalten sehr persönlich nimmt und ich bin froh, dass ich ihn durch die Fensterscheiben nicht verstehen kann. Mir ist es extrem unangenehm! Ich denke noch lange immer wieder daran. Dass es mir leid tut, dass er sich so über mich aufgeregt hat. Das Bedürfnis mich erklären zu wollen, obwohl ich den Mann überhaupt nicht kenne und absolut nicht wieder erkennen würde, wenn ich ihn beschreiben sollte. Das, was mir und uns Negatives widerfährt nehme ich/wir sehr persönlich, denken darüber nach, machen es zu unserem Thema…

Ich glaube, Dankbarkeit ist für mich: das Schöne was in meinem Alltag da ist, was ich wahrnehme, woran ich nicht achtlos vorbei laufen möchte, persönlich zu nehmen. Diese Kleinigkeiten bereiten mir Freude, sie machen mich dankbar, sie lösen etwas in mir aus und meinen mich. Vielleicht meint Jesus auch das, wenn er zu uns sagt, dass wir glauben sollen wie die Kinder. Wie meine keine Tochter… das Verhalten der Schnecke stimmte sie froh, mich stimmen die vielen kleinen Augenblicke meines Alltages froh, weil sie mir das Gefühl vermitteln, beschenkt zu sein! Dankbarkeit ist: das Schöne persönlich zu nehmen…

Wie viele kleine Geschenke mitten im Alltag.
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