„Ihr müsst nur fragen wo die Toiletten sind, dann laden euch die Leute zu sich nach Hause ein.“ Das sagte vor Jahren die deutsche Frau in Syrien, die wir dort besuchten und die in dem Land schon fast zu Hause war. Und das konnte ich mir nicht vorstellen. I20150611_122612ch weiß, dass andere Länder gastfreundlicher sind. Aber auf dem Unicampus nur nach den Toiletten fragen und schon wird man eingeladen? Aber so war es. Wir gingen auf den Campus, fragten nach den Toiletten und fanden uns in einem Wohnheim wieder mit vielen freundlichen Studentinnen, die uns Tee kochten und uns Einblicke in ihr Leben gaben. Das hat mich damals unheimlich berührt, diese Offenheit, Freundlichkeit, Selbstverständlichkeit. Und sie hat mir heute wieder einmal geholfen, die Erinnerung an damals. Mein Mann ist spontaner als ich und lud spontan einen jungen Asylbewerber ein, den er flüchtig kennt – zum Mittagessen. Meine erster Gedanke: geht gar nicht! Bügelbrett und -eisen mit gebügelter Wäsche steht noch im Wohnzimmer, es ist nicht gesaugt, meine Kleinste hat meinen Geldbeutel ausgeräumt und alles verteilt. Und sowieso liegt total viel herum, denn das hier ist nicht „schöner wohnen“, sondern real life. Kommt es darauf an? Ich erinnere mich an damals und weiß, dass ich nicht mehr weiß, wie es damals bei den Mädels aussah, ob es geputzt war, ob viel herumstand…Ich erinnere mich an Lachen, an gestikulieren, um sich besser zu verstehen, an Freundlichkeit, Offenheit. Ich erinnere mich an das Gefühl in einem fremden Land willkommen zu sein. Unser Gast kam, dafür bin ich dankbar. Für mich war es ein schönes Zusammensein, Horizonterweiterung, weil er uns mitnahm im Gespräch in seine Welt, in seinen Alltag. Und das hat mich wieder einmal so dankbar gemacht für meine Welt, für meinen Alltag. Ich bin dankbar, dass mein Mann spontaner ist als ich, dass es dem Mann egal zu sein schien wie es hier aussah (ein bisschen habe ich noch aufräumen können) und für unser Gespräch. Es hat mich sehr zum Nachdenken gebracht…

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