Den Weg zu unserem Gottesdienst kennt meine Große seit 4 Jahren. Und heute Morgen wollte sie vorausgehen, wir verlassen zusammen unsere Wohnung, aber dann will sie los, möchte schneller gehen, möchte allein gehen. Die Frage steht zwischen uns, darf ich? Und sofort geht mein Kopfkino los: Es könnte ein Auto sie überfahren, sie muss an einem kleinen Teich vorbei, vielleicht fällt sie hinein, es könnte jemand sie einfach mitnehmen, ein Radfahrer könnte sie übersehen und umnieten…Mein Kopfkino hat eine große Leinwand, laute Töne und viele Farben. Aber ich lasse sie gehen und merke, wie gut ihr das tut, daß ich ihr das zutraue. Der Weg mit den beidenP1090028 (2) Kleineren ist schweigsam. Irgendwie habe ich das Gefühl ich muss diesen Moment bewusst wahrnehmen…meine Große nicht auf mich zukommen zu sehen, sondern ihren Rücken und der wird kleiner. Ich bin ambivalent, einerseits habe ich eine unendliche Sehnsucht nach mehr Zeit für mich, freiverfügbarer Zeit, nach Autonomie, nach Ruhe und Stille. Andererseits möchte ich meine Töchter an mich binden, sie halten, jeden ihrer Schritte begleiten, auf alles Einfluss nehmen, überall dabei sein um sie zu beschützen, zu warnen, zu bewahren…vor allem Bösen. Ich weiß, daß ich das nicht kann. Ich weiß, daß sie mich immer weniger brauchen werden. Und ich muß das wahrnehmen, mir bewußt werden, damit ich sie immer ein bißchen loslassen kann, so daß meine Seele, mein Herz es aushalten können und sie sich nicht irgendwann losreißen müssen und eine Wunde entsteht, die viel mehr wehtut als der kurze Augenblick heute. Ich weiß, das heute war ein klitzekleiner Schritt, aber ich bin dankbar, dass jeden Schritt, den meine Töchter von mir in ihr eigenes Leben gehen, Gott bei mir bleibt und mit mir geht. Und ich bin dankbar, daß er mir das heute gezeigt hat und ich keine Angst haben muss vor den großen Schritten, die noch kommen werden.

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