Schlagwörter

,

Einkaufen, viele Menschen, spürbare Hektik, dann kurzes Innehalten. Denn während ich meinen Einkaufszettel abarbeite, höre ich eine freundliche Stimme, die behutsam mit jemandem redet. Ich drehe mich um. Mutter und Tochter. Die Tochter ist kein Kind mehr, es ist zwar schon später Nachmittag, aber ihre Haare sitzen immer noch ordentlich, das Kostüm und die hohen Absätze zeugen davon, dass sie von der Arbeit kommt. Ihre Mutter ist keine junge Frau mehr, ihre wuschelige Frisur und die Jogginghose lassen vermuten, dass sie bis eben noch auf der Couch saß. Die Regale laufen sie gemeinsam langsam ab. Es wird klar, dass die Tochter mit ihrer Mutter einkauft und nicht ihren eigenen Einkauf erledigt. Ich gebe zu nach ca. 30 Sekunden wäre ich eher genervt gewesen. Denn die ältere Frau überlegt sich bei allen möglichen Sachen, ob sie sie einkaufen soll. „Vielleicht habe ich nicht richtig geschaut und ich habe doch noch genug davon Zuhause.“ sagt sie. Beruhigendes antworten der Tochter: „Komm wir schauen auf das Haltbarkeitsdatum. Wenn du das jetzt kaufst machst du nichts falsch. Es hält noch sehr lange.“ So arbeiten sie sich vor. Absolute Faszination für diese Tochter. Wo bitte nimmt sie kurz vor dem Abend noch so viel Geduld her? Es ist so schön sie zu beobachten, weil ich das Gefühl habe, dass sich die Tochter dafür nicht anstrengen muss. Sie scheint sich heute vorgenommen zu haben, dass sie mit ihrer Mutter einkaufen geht und das hat Priorität. Das entspannte Bad, der verlockende Film im Fernsehen, das gemütliche Essen daheim. Scheinbar kann sie ihre Bedürfnisse hinten anstellen um respektvoll, freundlich und geduldig mit ihrer Mutter einkaufen zu gehen. Ich habe nicht mit den beiden gesprochen, deshalb ist hier so einiges Spekulation, aber dass sie sich von allen anderen abhob durch diese Gelassenheit und Freundlichkeit, das ist Fakt. Und es war ein schön zu beobachtender Moment für den ich heute sehr dankbar bin.

Teile diesen Blogeintrag