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Kennt ihr das Buch „Die 5 Sprachen der Liebe“? Ich habe es vor langer Zeit mal gelesen, es ist schon 10 Jahre her. Ich fand es schon gut, aber nicht so, dass ich es aufgehoben hätte. Der Gedanke ist interessant, dass jeder etwas anderes braucht um sich geliebt zu fühlen und dass es selten Paare gibt, die genau dasselbe brauchen. Die Kunst, so der Autor des Buches, ist, sich der eigenen Sprache bewusst zu sein um in der Partenerschaft Bedürfnisse äußern zu können und die Sprache des anderen kenne zu lernen, damit man wahrnimmt, dass es alltägliche Liebeserklärungen gibt. Die Gefahr ist dabei, dass man nebeneinander herlebt und sich dann auseinander lebt, weil man die Sprache des anderen nicht sprechen gelernt hat.

Mein Mann und ich sprechen unterschiedliche Sprachen und der Hammer ist, dass ich, wenn ich nicht die Dankesmomente in unserer Ehe sammeln würde seine Art mir zu zeigen, dass ich ihm wichtig bin, übersehe. Denn ich weiß immer ziemlich genau was mir und uns fehlt, aber ich muss mich erinnern, was wir haben, was ich an ihm habe. Unsere Waschmaschine ist kaputt. Ich bekomme schon voll die Krise, weil eine neue absolut nicht drin ist. Was sagt mein Mann? „Ich guck mal.“ Es dauert, aber er guckt und ich gucke als er das Monstrum aufschraubt und ich zum ersten Mal so ein Teil von innen sehe und gar nichts verstehe. „Ist der Keilriemen.“ Er bestellt einen neuen, setzt ihn ein, mein Maschinchen läuft wie am Schnürrchen und ich verstehe nicht, dass in Kontaktanzeigen immer nur drin steht: „Suche Mann der gerne lange Spaziergänge am Strand bei untergehender Sonne macht.“ und nicht: „Suche Mann der handwerklich begabt ist.“ Ich habe mit meinem Mann noch nie einen langen Spaziergang bei untergehender Sonne am Strand gemacht, aber ehrlich gesagt: wenn meine Waschmaschine kaputt ist vermisse ich das auch nicht.

In 241 Tagen ist Weihnachten und beim Umzug ist unser Weihnachtsbaumständer kaputt gegangen. Ich hatte das schon total vergessen. Diese Woche kommt mein Mann zwischen 2 Terminen kurz nach Hause, unter dem Arm ein Weihnachtsbaumständer. Ich überlege ob er diesmal für den Weihnachtsgottesdienst so richtig gut vorbereitet sein will und schon die Predigt für Heilig Abend plant. Seine Erklärung: „Jetzt muss man Weihnachtsbaumständer kaufen, denn jetzt braucht keiner einen.“ Bei ebay Kleinanzeigen hat er einen super günstigen abgestaubt. Wisst ihr was das rührenste daran ist? Seit wir verheiratet sind gab es immer mal wieder Diskussionen ob der Baum an Heilig Abend echt sein muss. Ich will einen Baum und zwar jedes Jahr und mein Mann denkt an den ökologischen Fußabdruck, daran, dass es seltsam ist einen Baum ins Zimmer zu stellen und ihn voller Zeug zu hängen (Zitat) usw. Das bedeutet, ihm bedeutet so ein Weihnachtsbaum überhaupt nichts. Er kann Weihnachten in 241 Tagen auch ohne Baum verbringen, aber er weiß: ich liebe diese Tradition des toten Baumes voller Zeug in meinem Wohnzimmer. Und deshalb hat er diesen Baumständer besorgt, nicht weil es ihm so wichtig ist, sondern weil ich ihm wichtig bin. Und es gibt immer wieder Zeiten in denen ich diese Gesten im Alltagsstress übersehe. Diese Woche nicht: ich bin dankbar für unsere Waschmaschine, unseren Baumständer und meinen Mann.

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