Das Wochenende liegt hinter mir, schön war es. Das lag am wunderbaren Wetter, es lag daran, dass mein Mann 10 Tage in Ägypten war und gesund wieder Zuhause angekommen ist, es lag am Lachen meiner Kinder, an meiner Freundin zu der ich meine Mädels gebracht habe vor meinem Spätdienst und bei ihr bekomme ich immer einen Cappuccino. Es lag wirklich zum größten Teil an den Menschen mit denen ich Zeit verbracht habe. Ich gebe zu, dass die Arbeit in der ambulanten Pflege mich mehr beschäftigt als ich dachte. Wobei es eigentlich nicht überraschend ist und doch bin ich immer wieder überrascht wie nah mir Menschen kommen, innerlich. „Menschen brauchen doch Menschen,“ sagt mir eine einsame Frau zu der ich in meinen Spätdiensten fahre. Nein, nicht alle sind einsam. Es gibt die Menschen, die in der fürsorglichen Gegenwart ihrer Familien altern. Manchmal denke ich, dass es von denen aber nicht sehr viele gibt. Einsam im Alter, obwohl man Kinder hat. Diese aber so beschäftigt sind, dass das Wochenende zum Ausruhen da ist und eine alternde Frau passt da nicht rein? Zerrüttete Familien, Streit, unausgesprochene Erwartungen, verletzte Gefühle, fehlende Eigenreflexion… Keiner von ihnen hat sich überlegt im Alter allein sein zu wollen. Woran also liegt es, dass so viele einsam sind? Ohne gesehen zu werden, fehlende Wertschätzung, einsam… Im Moment beschäftigt mich das sehr. Denn so will ich nicht alt werden. Ich wünsche mir, dass meine Töchter mich gerne später einmal sehen. Dass ich für sie Ermutigerin bin, Rückenstärkerin… Wie kann das gelingen? Ich wünsche mir auch dann noch zuhören zu können, wenn mich Schmerzen plagen. Den anderen, mein Gegenüber wahrnehmen und nicht in der Erwartungshaltung, dass die anderen sich melden sollen. Ich möchte meinen Teil mit beitragen und Lernende bleiben und nicht irgendwann davon ausgehen, dass nur noch ich Recht habe. Was braucht es dazu? Wie kann das gelingen? Im Moment bin ich nachdenklich und sehr dankbar nicht einsam zu sein. Mein leben pulsiert, um mich herum viele Menschen, meine Familie, wertvolle Freundinnen, Bekannte… Wird das automatisch irgendwann weniger? Ich kann mir das gar nicht vorstellen. So lange ich auf meine Fragen noch keine Antworten habe sage ich Gott danke für all die Menschen, die er mir zu Seite stellt, für all die Wertschätzung, die mir entgegen gebracht wird, für alle Gespräche, die ich führen darf, für jede Umarmung. Erst jetzt wird mir wieder einmal ganz neu bewusst was für ein Privileg das ist. Und wenn ich Antworten auf meine Fragen habe mache ich einen Vortrag draus mit dem Titel: Mit sich und anderen versöhnt altern… oder so ähnlich. Denn das Alter kommt ja auf uns alle zu und wir stecken schon mittendrin, denn heute bin ich älter als gestern und morgen bin ich älter als heute…

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