P1110130 (2)Dienstags bringe ich meistens unsere Pfandflaschen weg und weil wir ein 6 Personen Haushalt sind und Montagabend zwischen 25 und 40 junge Erwachsene in unserem Wohnzimmer sitzen, sind meine Taschen groß und Flaschen viele. Hinter mir steht ein Mann. Seine Tasche ist klein und seine Flaschen wenige. Ich biete ihm an, dass er vor kann. „Nein, machen Sie nur. Ich habe Zeit.“ antwortet er. Mein Lieblingssatz und mein Nachdenksatz heute: Ich habe Zeit. Einen Satz, den ich selten höre. Die meisten Menschen fühlen sich gestresst, haben nicht das Gefühl Zeit zu haben… Ich komme mir im Laufe des Tages auf die Schliche. Denn: Ich habe Zeit und zwar 24 Stunden am Tag. Und meine Nachbarin auch und meine Freundin auch und eigentlich alle. Wir haben alle gleich viel Zeit, aber wir füllen sie unterschiedlich. Aber für fast alle Zeitfüller entscheide ich mich freiwillig. Und manchmal kommt es mir vor und ich sage das nur ganz leise, dass wenig Zeit viel Wert bedeutet. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der eben zählt, was du geleistet hast. Daten, Fakten, Statistiken…zeigt das, ob man seinen Beitrag geleistet hat? Ich merke, ich habe Zeit, aber ich will mir nicht für alles Zeit nehmen. Zeit zu neiden ist irgendwie Unsinn, weil wir ja alle gleich viel haben. Aber es macht Sinn darüber nachzudenken, für was man sich Zeit nehmen will, was man vielleicht ändern will oder warum man das Gefühl hat keine Zeit zu haben…  Und für den Mann mit der Zeit, bin ich heute dankbar. Er hat mich inspiriert darüber nachzudenken was ich mit meiner Zeit mache, wie sie gefüllt ist und mir auch bewusst zu sein, dass zeitintensive Lebenssituationen von mir frei gewählt wurden. Ich habe Zeit, dafür bin ich dankbar.

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