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Donnerstag. Noch kurz ein paar Dinge einkaufen, die ich für unser Mittagessen benötige. An der Kasse stehend höre ich die Kassiererin. Sie redet… über das Wetter, das sie nervt, über 2 Kolleginnen, die krank sind, über einen Preis, den der Scanner nicht erfassen kann. Sie zählt in diesen kurzen Augenblicken all die Dinge auf, die sie als unangenehm und störend empfindet. Die (ich schätze) über 80 jährige Kundin hörte ihr erst zu, dann unterbricht sie: „Weißt du, Mädchen,“ gibt sie ihr den Rat, „jeden Tag mit einer guten Einstellung beginnen, mit einer positiven.“ Und dann erzählt sie in kurzen Sätzen, dass sie früher kaum etwas zu essen hatten und ihre Enkel jetzt Veganer sind. Dass ihre Enkel leider sehr selten zu Besuch kommen. Deshalb hat sie jetzt whats app um mit ihnen in Kontakt zu sein, hin und wieder bekommt sie sogar ein Foto geschickt. Nach Rezepten guckt sie im Internet, weil sich über einen Sauerbraten keiner mehr freut. Sie lacht dabei, sagt, dass man in allen Situationen lernen kann und lädt ihren Einkauf in den Wagen. Die Kassiererin ist weder beleidigt, noch scheint sie sich gemaßregelt zu fühlen. Vielleicht, weil man einer alten Frau glaubt, glaubt, dass man sich auch in schweren Zeiten eine positive Einstellung bewahren kann, weil die Finger der alten Dame von einer starken Arthrose ziemlich deformiert sind, sie kann kaum richtig zupacken. Weil ihre Hüfte stark beansprucht ist, denn ihre Haltung ist zur Seite geneigt und die vielen Falten im Gesicht sind nicht ausschließlich Lachfalten, sondern bergen mit Sicherheit auch unschöne Erfahrungen. Die Kassiererin bedankt sich lächelnd bei der Kundin. Diese lächelt zurück und verabschiedet sich mit den Worten: „Wissen sie was mein Enkel immer zu mir sagt? Take it easy. Take it easy, das sage ich Ihnen jetzt auch.“ Eine erfrischende und inspirierende Begegnung am Donnerstagvormittag. Wie gut, dass ich noch Lebensmittel fürs Mittagessen brauchte…Für diese Alltagsbegegnung bin ich heute dankbar.

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