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Sobald meine Töchter am Familientisch mit essen und in der Lage sind ihre süßen hübschen Schälchen aus Melanin zu tragen, bitte ich sie ihren Teller abzuräumen, wenn sie mit dem Essen fertig sind. Es sind mittlerweile mehrere Jahre vergangen und die Schälchen wurden durch Teller ersetzt, in denen ich diese Bitte immer wieder wiederhole. Man könnte doch meinen, dass solche eine Kleinigkeit, die schon sehr früh im Leben thematisiert wurde, sitzen müsste. Man könnte doch erwarten, dass diese Bitte nicht mehr erwähnt werden müsste, dass es keine Erinnerung bräuchte, dass es zu jeder Zeit ohne Diskussionen ausgeführt wird. Die Wahrheit ist: bei uns nicht. Mal klappt es, mal nicht. Mal sind sie zu müde oder vergessen es oder wollen sehr lange und sehr ausführlich mit mir darüber reden warum sie das an diesem Tag nicht tun können. Ich bleibe hartnäckig, wiederhole diese Bitte mal freundlich, mal nicht so freundlich. Ich bin der Überzeugung irgendwann sitzt es und die Teller stehen in der Küche.

Ich werde immer wieder gefragt, ob Dankbarkeitsmomente sich bei mir wiederholen oder ob ich immer wieder neue Gründe finde um dankbar zu sein. Und auch ob es nicht irgendwie „unnötig“ ist wiederkehrende Dankesmomente zu sammeln? Ja, meine Dankesmomente wiederholen sich und nein, es ist nicht „unnötig“ sie zu sammeln.

Danke, dass ich heute Morgen aufstehen kann. Mein Körper übernimmt alle Funktionen. Das freut mich so und ich merke, dass das immer wieder neu etwas besonders ist. Danke für die Tasse Milchkaffe, für die Stille, für das Gespräch mit Dir. Danke, dass Du da bist – lebendig, allgegenwärtig. Danke, dass du mich in und durch diesen Tag begleitest. Ich meine verstanden zu haben, dass du mir nicht alle Steine aus dem Weg räumst, sondern, dass du durch äußere Umstände mit mir meinen inneren Weg gehst. Danke, dass deine Liebe mir gilt, egal was ich heute erlebe oder ich über mich selbst denke. Danke, dass ich Familie habe. Sie nerven mich manchmal alle so tierisch und schenken mir so viele besondere Momente. Danke, dass ich meinen Mädels Brotdosen füllen kann. Immer wieder neu mit all dem Gemüse, dass Du kreiert hast. Danke für die Dusche, für gut riechendes Duschgel und dass ich diese einfachen Dinge mittlerweile so feiern kann…

Das sind oft die ersten Gedanken mit denen ich in den Tag starte. Gedanken in Form von Gebeten, weil ich den Geber liebe und glaube, dass er mir diese Dinge schenkt. Aber erst durch Wiederholung verinnerliche ich, dass das alles keine Selbstverständlichkeiten sind. Meine Seele muss immer wieder erinnert werden, dass das Aufstehen am Morgen, die Sonne, die scheint, die Vögel die zwitschern, die Küsschen meiner Kinder, das Brot aus dem Toaster und die Haferflocken aus dem Glas Dankesmomente sind. Die Möglichkeit lernen zu dürfen, der Anruf einer Freundin, 15 Jahre Ehe, eine freundlich lustige Mitbewohnerin… Meine Seele will manchmal nicht glauben, dass das Gründe sind um dankbar zu sein, das keines dieser Dinge selbstverständlich ist oder ich ein Recht darauf habe. Ich brauche diese Wiederholung, ich liebe diese Wiederholung, Dankbarkeit ist Wiederholung. Und Wiederholung ist Verinnerlichung. Da bin ich eben ein großes Kind und brauche viel Zeit zum lernen. Genauso wie meine Töchter…

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